Fußball-WM

Er befreite sich aus einem Tief: Die besondere Geschichte von Spaniens WM-Held Torres

Ferran Torres und Nico Williams jubeln nach dem 1:0 für Spanien im WM-Finale gegen Argentinien.
Ferran Torres in Ekstase. Vorlagengeber Nico Williams ist der erste Gratulant für den Helden des WM-Finals.

Ferran Torres schießt Spanien zurück auf den WM-Thron. Dabei läuft das XXL-Turnier überhaupt nicht für ihn - bis zur 106. Minute im Finale.

Dem ersten Volltreffer von Ferran Torres folgte gleich der nächste. Sekunden nach seinem magischen Siegtor im WM-Finale erlegte der Spanier auch die Eckfahne mit einem satten Tritt. Das Stadion in New Jersey mutierte zum Tollhaus, und der viel gescholtene Torres durchlebte mit dem Schlusspfiff eine Wandlung, die auch Mario Götze bestens bekannt ist: die zum Goldjungen, mit der jedes Davor vergessen ist.

„Ich wurde oft kritisiert, aber das Schicksal schenkt denjenigen Schönes, die es verdienen“, sagte Torres nach dem 1:0 nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Argentinien. Der Angreifer verspürte allerdings nicht nur persönliche Genugtuung nach seinem Glanzstück aus sieben Metern in der 106. Minute.

Verzweiflung als Teil seiner Geschichte

Viele Anhänger der Roja hatte Torres zuvor zur Verzweiflung getrieben, das ist auch Teil seiner Geschichte. Die Turnierleistung des Profis vom spanischen Meister FC Barcelona, der von Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain heftig umworben wird, lässt sich bis zu seiner Einwechslung in der 62. Minute am Sonntag als mindestens unglücklich zusammenfassen.

Ferran Torres jubelt mit Hansi Flick vor der Barça-Bank im Camp Nou.
Ferran Torres jubelt mit Hansi Flick beim La Liga-Spiel gegen Real Madrid.

Eine Torvorlage gelang dem Schützling von Hansi Flick bei Barça bis dahin, ein Treffer beim lockeren 4:0 gegen Saudi-Arabien wurde wegen Abseits zurückgenommen. Torres flehte um die Anerkennung des Tores während der VAR-Überprüfung, wie Lippenleser auflösten. Vergebens. Rückblickend kann festgehalten werden: Es war die perfekte dramaturgische Zuspitzung für sein 25. Länderspieltor. Die Dankbarkeit einer Nation ist ihm, der sich in schwierigen Zeiten auch psychologischen Beistand gesucht hatte, jedenfalls sicher.

Joker als Endspiel-Entscheider

Auf der Ehrentribüne eskalierten die 2010er-Legenden um Iker Casillas, Xavi und Andrés Iniesta, der Siegtorschütze des Finals von Johannesburg vor 16 Jahren gegen die Niederlande (1:0 n.V.). Für die Zeitung „El País“ ist Torres – nicht verwandt mit dem Siegtorschützen der EM 2008 gegen Deutschland (1:0) Fernando Torres – nun ebenfalls „eine ewige Figur in der Geschichte der spanischen Nationalmannschaft“.

Nach Götze 2014 ist der 26-Jährige, der 2020 drei Tore bei Spaniens 6:0 gegen die DFB-Elf erzielt hatte, zudem der zweite Joker, der ein WM-Endspiel entscheidet. Nun wartet auf ihn die nächste Herausforderung: mit dem ewigen Ruhm als Finalheld umzugehen. (sid/mkw)

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