Fußball-WM
Ein Hamburger setzt Glanzpunkte: Deutschland schlägt Curaçao mit legendärem Ergebnis
Die deutsche Nationalmannschaft feiert einen gelungenen Start in die WM. Gegen den krassen Außenseiter Curaçao gibt es allerdings in der ersten Halbzeit auch Wackler.
Es ist das legendärste Ergebnis der deutschen WM-Geschichte. Am 8. Juli 2014 gewann der spätere Weltmeister das Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien mit 7:1. Knapp zwölf Jahre später gab es das gleiche Ergebnis. Allerdings gegen ein doch etwas kleineres Kaliber. Nach leichten Wacklern in der ersten Halbzeit gewann Deutschland mit 7:1 (3:1) gegen Curaçao.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte die gleichen zehn Feldspieler in die Startelf beordert, die im letzten WM-Test 2:1 gegen die USA gewonnen hatten. Das kam ebenso wenig überraschend wie der Wechsel im Tor. Manuel Neuer löste mit seinem Comeback im DFB-Tor Oliver Baumann ab und stellte gleich mehrere Rekorde auf.
Manuel Neuer sorgt für mehrere WM-Rekorde
Mit 40 Jahren ist der Bayern-Torhüter nun der älteste deutsche Spieler der WM-Geschichte. Zudem zog er mit seinem 20. WM-Spiel mit Frankreichs Hugo Lloris als WM-Rekordtorwart gleich. Und er stellte mit seiner fünften WM-Teilnahme auch den deutschen Rekord von Lothar Matthäus ein. Um dessen Rekord von 25 WM-Spielen einzustellen, müsste die deutsche Mannschaft ins Viertelfinale einziehen.
Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg. Für den ersten Schritt auf diesem sorgte in Houston ein Hamburger. BVB-Profi Felix Nmecha, der vor 25 Jahren in Altona das Licht der Welt erblickte, schweißte nach feinem Doppelpass mit Florian Wirtz den Ball aus 16 Metern zum 1:0 ins Tor der mutigen Curaçaoer ein. Er stellte damit den WM-Rekord für das früheste deutsche Tor ein. 2006 hatte Philipp Lahm beim 4:2 gegen Costa Rica ebenfalls in der sechsten Minute getroffen.
Comenencia trifft zum Sensations-Ausgleich für Curaçao
Die Kicker von der Karibikinsel Curaçao traten weniger defensiv auf als erwartet. Und es schien früh, als müssten sie ihr blaues Wunder erleben. Nur drei Minuten nach der deutschen Führung hatte Nmecha den Doppelpack auf dem Fuß, verzog aber knapp. Nach 16 Minuten betrug das Torschussverhältnis 8:0.
Ein Abspielfehler vom zweiten Hamburger im deutschen Team aber brachte den krassen Außenseiter ins Spiel. Jonathan Tah hatte Kapitän Leandro Bacuna die erste Chance beschert (19.) und damit eine wacklige Phase im Spiel eingeläutet. Die Quittung für den plötzlich fehlenden Zugriff gab es nur zwei Minuten später. Nico Schlotterbeck spielte versehentlich in die Füße von Livano Comenencia. Der zog direkt ab und Joshua Kimmich fälschte die Kugel unhaltbar für Neuer zum 1:1 ab. Ausgleich. Nach 20 Minuten. Unfassbar.
Schlotterbeck und Havertz treffen zum Pausenstand von 3:1
Die obligatorische Trinkpause schien das DFB-Team aus der Apathie zu holen. Es gab zwar weiter defensive Wackler und Abstimmungsprobleme, die von größeren Gegnern bestraft werden könnten, vor allem aber ging nun das Anrennen auf das Tor der 158.000-Einwohner-Insel wieder los. Chancen gab es fast im Minutentakt, für die erneute Führung sorgte dann wieder ein BVB-Profi. Nico Schlotterbeck köpfte nach einer Ecke von Nathaniel Brown zum 2:1 ein (38.).
Wer noch Zweifel am deutschen Sieg hatte, konnte diese noch vor dem Pausenpfiff zur Seite schieben. Riechedly Bazoer, einst in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg aktiv, holte mit Nmecha den stärksten Deutschen im Strafraum von den Beinen. Kai Havertz verwandelte den fälligen Strafstoß zum 3:1 (45.+5).
Musiala, Brown, Undav und Havertz sorgen für weitere Tore
Spielfreude strahlte auch Jamal Musiala aus, an dem Magenta-Experte Jürgen Klopp vor dem Anpfiff noch gezweifelt hatte. Keine zwei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte der Jungstar des FC Bayern auf 4:1. Die „blaue Welle“ von Curaçao war längst gebrochen, der Außenseiter war hoffnungslos überfordert und ging unter.
Nathaniel Brown machte in seinem sechsten Länderspiel sein erstes Tor (68.). Bedient worden war der junge Frankfurter von dem vier Minuten zuvor für Musiala eingewechselten Deniz Undav – mit der Hacke. Weitere zehn Minuten danach markierte der Stuttgarter Stürmer seinen zweiten Scorerpunkt. Undav verwertete eine tolle Hereingabe von Kimmich zum 6:1 (78.). Und Havertz machte mit feinem Heber über Curaçao-Torhüter Eloy Room den Deckel drauf – 7:1 (88.).
„Die Nummer eins der Welt sind wir“, schallte nun durch das Stadion in Houston, in dem zuvor lange die Curaçao-Fans den Ton angegeben hatten. Am Ende muss man konstatieren, dass dieser Gegner über 90 Minuten kein Maßstab war für eine Mannschaft, die sich trotz des deutlichen Ergebnisses wird steigern müssen, wenn am Ende die Gesänge der Fans Realität werden sollen. Schon am kommenden Samstag (22 Uhr/Liveticker bei MOPO.de) wartet mit der Elfenbeinküste ein ganz anderes Kaliber. Den Rückenwind für dieses Spiel holte man sich gegen Curaçao.
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