Fußball-WM

Ein Dank vom Bundeskanzler – aber sämtliche Experten rechnen hart mit Nagelsmann ab

Julian Nagelsmann steht enttäuscht nach dem Spiel in Boston vor unscharfem Hintergrund.
Julian Nagelsmann muss viel Kritik einstecken.

Julian Nagelsmanns Aus als Bundestrainer schlug am Freitag überall hohe Wellen. Während sich Bundeskanzler Friedrich Merz beim 38-Jährigen bedankte, erntete Nagelsmann von vielen Experten schlechte Kritiken.

Bundeskanzler Friedrich Merz dankte Julian Nagelsmann „für sein Engagement und den Einsatz in den letzten Jahren“, doch insgesamt musste der zurückgetretene Bundestrainer für seine 1015 Tage dauernde Amtszeit viel Kritik einstecken. „Ich würde ihm eine Schulnote vier geben“, sagte Lothar Matthäus nach dem WM-Debakel bei RTL/ntv und lieferte die Begründung gleich hinterher: „Er hat viele Fehler gemacht, das muss man sagen. Deswegen ist es so weit gekommen.“

Nagelsmann, räumte der Rekordnationalspieler ein, sei zwar nicht „der alleinige Schuldige, dass die Mannschaft so früh ausgeschieden ist“, doch er habe seit der Amtsübernahme von Hansi Flick im September 2023 „einen klaren Kurs“ vermissen lassen. Er habe „60, 70, 80 Spieler getestet“ und „an Spielern festgehalten, die nicht die Spielpraxis hatten, die nicht an der Leistungsgrenze waren. Wie soll man dann Weltmeister werden?“

Adler zweifelt an Nagelsmanns freiwilligem Rücktritt

Diese Frage stellte sich auch René Adler. Der ehemalige Nationaltorhüter hätte sich „mehr Eigenverantwortung und Demut“ von Nagelsmann gewünscht nach dem peinlichen Aus im Sechzehntelfinale gegen Außenseiter Paraguay (3:4 i.E.), wie er im ZDF-Mittagsmagazin meinte. „Dem war nicht so“, sagte Adler, der am so kommunizierten freiwilligen Rückzug von Nagelsmann zweifelt. „Die Entscheidung lag beim DFB und war meiner Meinung nach auch schon vor der Analyse beschlossene Sache.“

Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes um Präsident Bernd Neuendorf war am Donnerstag in Frankfurt/Main mit Nagelsmann zusammengekommen, am Freitag wurde die Trennung trotz eines Vertrags bis zur EM 2028 verkündet. „Wir hatten drei Turniere mit ihm“, zählte Matthäus auf: „Die Heim-EM mit Viertelfinale. Da reden wir immer vom unglücklichen Ausscheiden, aber da hat man auch nicht in jedem Spiel überzeugt. Dann kam die Nations League im eigenen Land: Vier Mannschaften, Platz vier. Ich glaube, das sagt alles aus. Jetzt die Weltmeisterschaft, bei der wir schon im Sechzehntelfinale ausgeschieden sind.“

Müller fehlte die Spielidee unter Nagelsmann

Thomas Müller vermisste trotz der Siegesserie unter Nagelsmann mit elf erfolgreichen Spielen in Folge grundlegende Dinge. „Die notwendige Konstanz in Sachen Spielidee oder die Bildung einer klaren Achse im Team waren für mich selbst in dieser siegreichen Phase nicht zu sehen“, schrieb der Rio-Weltmeister in einem Beitrag bei LinkedIn.

Pierre Littbarski hatte seinem Ärger schon vor der offiziellen Trennung von Nagelsmann Luft gemacht. „Arroganz und Überheblichkeit gehören nicht zu den Tugenden des Bundestrainers, der auch eine Vorbildfunktion hat“, schrieb der Weltmeister von 1990 in einem Instagram-Beitrag. (sid)

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