Spieler von Curaçao feiern die Qualifikation für die WM 2026

Riesige Party in der Karibik! Sensations-Team Curaçao feiert 2026 seine WM-Premiere. Foto: IMAGO / ANP

Kaum Einwohner, aber ganz viel Bundesliga: So verrückt ist WM-Neuling Curaçao

Curaçao ist das Land der Superlative. Etwa halb so groß wie Hamburg, ungefähr so viele Einwohner wie Harburg und ein Kader, der insgesamt nur knapp wertvoller ist als HSV-Profi Fábio Vieira. Nie zuvor hat sich ein solch kleines Land für eine Fußball-WM qualifiziert. Doch der exotische deutsche Gruppengegner Curaçao ist mehr als nur der „kleine Zwerg“ der Weltmeisterschaft: In der Qualifikation sorgte das Team für kräftig Aufsehen – auf und neben dem Platz. Und im WM-Kader verstecken sich gleich mehrere Namen, die Sie noch aus der Bundesliga kennen. Die MOPO stellt den verrückten WM-Neuling Curaçao vor.

Für Schlagzeilen hat Curaçao im Vorfeld der WM gesorgt. Und das nicht nur mit der sensationellen Qualifikation für die WM-Endrunde, sondern auch mit einer Spielerrevolte, die Nationaltrainer Dick Advocaat erfolgreich zurückforderten. Der erste deutsche Gegner bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko am 14. Juni ist für viele Fans und Experten schwer einzuschätzen. Das liegt in erster Linie auch daran, dass kaum etwas über die kleinste WM-Nation aller Zeiten bekannt ist.


Curaçao: Hauptstadt, Fläche, Einwohner, Sprachen

  • Hauptstadt: Willemstad
  • Einwohner: ca. 150.000
  • Größe / Fläche: 444 km²
  • Unabhängigkeit: nein (Teil der Niederlande)
  • Währung: Karibischer Gulden
  • Amtssprachen: Papiamentu (Kreolsprache), Niederländisch, Englisch
  • Gouverneurin: Lucille George-Wout

Zunächst einmal: Curaçao ist eigentlich kein unabhängiges Land. Die Insel in der Karibik, nördlich der Küste von Venezuela, ist eine der berühmten ABC-Inseln (gemeinsam mit Aruba und Bonaire) und gehört politisch zu den Niederlanden. Staatsoberhaupt ist der niederländische König Willem-Alexander, gesprochen wird – neben der Kreolsprache „Papiamentu“, einer Mischung aus Spanisch, Portugiesisch und Niederländisch – überwiegend echtes Niederländisch. Offiziell ist Curaçao auch ein assoziierter Teil der Europäischen Union und man kann neben dem Karibischen Gulden teilweise sogar in Euro bezahlen.

Niederländische Insel ist stark vom Klimawandel bedroht

Heute leben von den knapp 150.000 Einwohnern mehr als 80 Prozent in der Hauptstadt Willemstad, aus der unter anderem auch der berühmte Fußball-Schiedsrichter Danny Makkelie und der ehemalige Bundesliga-Profi Charlison Benschop stammen. In Curaçao ist fast das ganze Jahr über Sommer, auch im Januar fallen die sonst üblichen Temperaturen von über 30 Grad Celsius nur auf rund 22 bis 25 Grad. Da es kaum regnet, gibt es auf der gesamten Insel übrigens keinen einzigen Fluss. Auch, weil der Abbau von und der Handel mit Erdöl einen großen Teil der Wirtschaft ausmachen, ist die Insel besonders stark vom Klimawandel bedroht. Schließlich liegt der Großteil von Curaçao gerade mal vier Meter über dem Meeresspiegel und ist von dessen Anstieg besonders gefährdet.

Ein Postkarten-Motiv aus der Hauptstadt Willemstad zeigt ein Panorama der Insel Curaçao. imago/Panthermedia
Postkarten-Motiv von Willemstad, der Hauptstadt von Curaçao
Ein Postkarten-Motiv aus der Hauptstadt Willemstad zeigt ein Panorama der Insel Curaçao.

Beliebt ist das niederländische Außengebiet vor allem bei Touristen, Tauchern, Kreuzfahrtschiffen – und Banken. Curaçao gilt als Steuerparadies, auf dem unzählige Offshore-Konten angemeldet sind. Spanische Seefahrer entdeckten die Insel einst im 15. und 16. Jahrhundert, seit dem 17. Jahrhundert ist sie von niederländischen Kolonialisten besiedelt. Bis 2010 war Curaçao noch ein Teil der Niederländischen Antillen, nach deren Auflösung stimmte die Bevölkerung in einem Referendum mehrheitlich gegen die Unabhängigkeit und für den Status einer autonomen Region innerhalb des niederländischen Königreichs. Überreste aus dieser Zeit sind aber bis heute sichtbar, etwa am internationalen Autokennzeichen, das nach wie vor NA geblieben ist.

WM-Teilnehmer Curaçao existiert erst seit 2011

Das ist auch der Grund, weshalb erst seit 2011 eine eigene Nationalmannschaft von Curaçao existiert. Zuvor trat die Insel gemeinsam mit den vier anderen als Auswahl der Niederländischen Antillen an. In all den Jahrzehnten blieb jedoch ein vierter Platz bei der Karibikmeisterschaft 1991 der größte Erfolg des Nationalteams, das in der WM-Qualifikation meist schon in der ersten oder zweiten Runde scheiterte. Das galt auch für Nachfolger Curaçao – bis zur Quali für die WM 2026.

Auf idyllischen Plätzen wie diesen wird in Curaçao Fußball gespielt. picture alliance/dpa/AP | Matias Delacroix
Fußballplatz in Willemstad auf Curaçao
Auf idyllischen Plätzen wie diesen wird in Curaçao Fußball gespielt.

In der ersten Runde der CONCACAF-Qualifikation hatte Curaçao ein Freilos, Runde zwei mit Haiti, St. Lucia, Aruba und Barbados beendete die Auswahl mit vier Siegen in vier Spielen als Gruppensieger. Auch in der dritten Runde gewann Curaçao die Gruppe ungeschlagen vor Jamaika, Trinidad und Tobago und Bermuda und qualifizierte sich damit sensationell für die WM – ohne eine einzige Niederlage. Gefeiert wird das traditionell mit dem Song „Mama Wa‘“ von Jeon.


Curaçao: Trainer, WM-Kader, Sponsor, Weltrangliste

  • Trainer: Dick Advocaat
  • Kapitän: Leandro Bacuna
  • Sponsor / Ausrüster: Adidas
  • Rekordspieler: Eloy Room
  • Kader-Wert: ca. 26 Millionen Euro (Transfermarkt.de)
  • Größter Erfolg: CONCACAF-Karibikmeister 2017
  • FIFA-Weltrangliste: 82. (Stand: 1. April 2026)

„The Blue Wave“, die blaue Welle, nennt sich die Nationalmannschaft selbst. Und wellenförmig verliefen auch die vergangenen Monate. Star-Trainer Dick Advocaat, der Curaçao 2024 übernommen und zur Weltmeisterschaft geführt hatte, trat im Frühjahr aus privaten Gründen zurück. Er musste sich um seine schwer erkrankte Tochter kümmern und wurde von Fred Rutten vertreten, der jedoch nach einer Spieler-Revolte zurücktrat. Im Mai übernahm Advocaat schließlich wieder das Amt und wird bei der WM nun mit 78 Jahren der älteste Trainer aller Zeiten sein.

Sextett um Chong spielte in der Bundesliga und 2. Liga

Advocaat, früherer Trainer von Borussia Mönchengladbach, ist übrigens nicht der Einzige aus dem WM-Kader von Curaçao mit Bundesliga-Erfahrung. Tahith Chong ist so etwas wie der Star der Mannschaft, er spielt bei Sheffield United in der zweiten englischen Liga – und bestritt in der Saison 2020/21 außerdem 15 Spiele (ein Tor) für Werder Bremen. Auch Jürgen Locadia (zwölf Spiele für Hoffenheim 2019/20 sowie 13 Spiele für Bochum 2022), Riechedly Bazoer (27 Spiele für Wolfsburg 2017-2018), Joshua Brenet (22 Spiele für Hoffenheim 2018-2020), Gervane Kastaneer (elf Spiele für Kaiserslautern 2017) und Roshon van Eijma (13 Spiele für Preußen Münster 2020/21) kennt man aus Deutschland.

Star des Teams: Tahith Chong spielte kurzzeitig sogar für Werder Bremen in der Bundesliga. IMAGO / ANP
Tahith Chong von Curaçao mit Fans vor der WM 2026
Star des Teams: Tahith Chong spielte kurzzeitig sogar für Werder Bremen in der Bundesliga.

Ohnehin spielt kein einziger Spieler von Curaçao auf der Insel. Chong ist zudem der einzige WM-Fahrer, der überhaupt auf Curaçao geboren ist – alle anderen Akteure kamen in der Niederlande zur Welt. Aus internationaler Sicht bekannt sind Leandro Bacuna (96 Premier-League-Spiele für Aston Villa und Cardiff City) und Armando Obispo (spielt seit der Jugend für PSV Eindhoven und wurde viermal niederländischer Meister). Mit Leandro und Juninho Bacuna sind übrigens auch zwei Brüder gemeinsam bei der WM am Start.

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Ziele aber hat der kleinste WM-Teilnehmer aller Zeiten umso größere. „Wir fahren da nicht zum Urlaub hin“, sagte etwa Chong vor der Abreise in die USA, und Trainer Advocaat kündigte bei einer Pressekonferenz an: „Jeder kann überraschen. Warum nicht Curaçao?“ Die bisherigen Testspiele jedoch versetzten der Euphorie einen kleinen Dämpfer: Gegen China (0:2), Australien (1:5) und Schottland (1:4) gab’s drei Niederlagen. Unter den 48 WM-Nationen hat Curaçao bei den Wettanbietern neben Haiti die höchsten Quoten. Bei einem WM-Titel gäbe es je nach Anbieter das 2000- bis 2500-fache des Einsatzes zurück.

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