Fußball-WM-Serie, Teil 7

48 Hamburger, 48 Geschichten: „Wir sind ein richtig familiäres Team“

Roland Peeters jubelt auf einer Terrasse im Belgien-Trikot mit Flagge.
Roland Peeters aus Belgien setzt – wenn alles gut geht – auf das WM-Viertelfinale.

WM-Fans aus Hamburg erzählen ihre persönlichen Geschichten aus Belgien, Ägypten, Iran und Neuseeland.

48 Länder, 48 Geschichten, 48-mal Fußballfieber in Hamburg: Zur WM stellen Menschen aus unserer Stadt ihre Nationalteams vor – leidenschaftlich und mit klarer Meinung. Wer ist der Star? Was kann die Mannschaft? Wie weit geht die Reise? Studierende der Macromedia Hochschule haben die Fans für die MOPO getroffen. Herausgekommen ist eine Serie voller Heimatgefühl, Hoffnung, Zweifel und großer Fußballträume. In Teil sieben geht es um die vier Teams der Gruppe G: Belgien, Ägypten, Iran und Neuseeland.

Belgien: „De Bruyne und Courtois bleiben die Wichtigsten“

Roland Peeters jubelt auf einer Terrasse im Belgien-Trikot mit Flagge.
Roland Peeters aus Belgien setzt – wenn alles gut geht – auf das WM-Viertelfinale.

Ich bin: Roland Peeters, 72 Jahre alt, und komme aus Antwerpen. Seit vielen Jahren lebe ich in Hamburg, bin meiner belgischen Heimat aber bis heute eng verbunden. Fußball begleitet mich schon seit meiner Jugend. Als gebürtiger Antwerpener bin ich natürlich Anhänger des Royal Antwerp FC und verfolge die belgische Nationalmannschaft mit großer Leidenschaft.

Unsere Mannschaft: Belgien befindet sich aktuell in einer Übergangsphase. Die berühmte goldene Generation ist alt geworden und konnte ihre große Qualität leider nie mit einem großen Titel krönen. Trotzdem steckt weiterhin viel Talent im Kader. Die Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Kräften macht diese Mannschaft gefährlich, aber auch schwer einzuschätzen. Bei dieser WM wird vor allem entscheidend sein, ob Belgien als Team funktioniert und die Balance zwischen Erfahrung und frischer Energie findet.

Unser Star: Für mich sind Kevin De Bruyne und Thibaut Courtois weiterhin die wichtigsten Spieler. De Bruyne kann mit seiner Kreativität jedes Spiel prägen, Courtois gehört für mich noch immer zu den besten Torhütern der Welt. Dazu kommen Spieler wie Jérémy Doku und Amadou Onana, die Belgien Hoffnung machen. Doku bringt Tempo und Unberechenbarkeit, Onana körperliche Präsenz im Mittelfeld.

Unser Trainer: Rudi Garcia hat keine einfache Aufgabe. Er muss aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten eine funktionierende Einheit formen. Dafür braucht es Zeit, aber bei einer WM gibt es diese Zeit eigentlich nicht. Ich hoffe, dass er trotzdem schnell die richtige Mischung findet und der Mannschaft eine klare Richtung gibt.

Meine Prognose: Die Gruppenphase sollte Belgien überstehen. Das Achtelfinale ist für mich ein realistisches Ziel. Wenn die erfahrenen Spieler ihre Qualität abrufen und die jungen Spieler mutig auftreten, könnte sogar das Viertelfinale möglich sein.

Aufgezeichnet von Paul Bultmann

Ägypten: „Marmoush ist extrem wichtig“

Junger Fußballer im roten Puma-Trikot lehnt an einem Geländer im Freien.

Ich bin: Mohamed Nassar, 23 Jahre alt und gebürtiger Hamburger. Aktuell arbeite ich als Fußballtrainer für Kinder und Jugendliche und spiele selbst beim TSV Sasel in der Oberliga. Fußball begleitet mich schon mein ganzes Leben – auch durch die Wurzeln meiner Eltern, die aus Ägypten kommen. Ein großer Teil meiner Familie lebt bis heute dort. Schon als Kind war ich regelmäßig in Ägypten, die Verbindung ist bis heute sehr eng. Mein Lieblingsverein ist Al Ahly – für mich der größte Klub Ägyptens und einer der erfolgreichsten Vereine Afrikas.

Unsere Mannschaft: Ich bin guter Dinge, dass Ägypten bei dieser WM überraschen kann. Gerade wenn man auf unsere Gruppe und den möglichen Turnierbaum schaut, ist einiges drin. Stark finde ich, dass viele Spieler direkt aus der ägyptischen Liga kommen und sich lange kennen. Dadurch wirkt das Team eingespielt und familiär. Bei einem großen Turnier kann genau das ein Vorteil sein.

Unser Star: Natürlich ist Mohamed Salah unser Superstar und seit Jahren das Gesicht der Nationalmannschaft. Aber auch Omar Marmoush ist extrem wichtig geworden. Die beiden tragen die Hoffnungen der Fans – und könnten entscheiden, wie weit Ägypten kommt.

Unser Trainer: Hossam Hassan hat die Mannschaft 2024 übernommen, seitdem geht es wieder bergauf. Als ägyptische Fußball-Legende versteht er die Mentalität der Spieler. Das Team wirkt wieder geschlossener und selbstbewusster.

Meine Prognose: Ich glaube, dass Ägypten die Gruppenphase überstehen kann. Vielleicht ist sogar das Viertelfinale drin. Für den Titel gibt es wohl stärkere Teams – aber unterschätzen sollte man uns nicht.

Aufgezeichnet von Liliana Rajski

Iran: „Defensiv schwer zu knacken“

Ich bin: Babak Ahmadi, 61 Jahre alt, ich lebe in Hamburg und habe meine Wurzeln im Iran. Den iranischen Fußball verfolge ich schon lange. Unsere Nationalmannschaft, das „Team Melli“, hat für viele Iranerinnen und Iraner weltweit eine enorme Bedeutung. Viele Menschen in Hamburg sind mit Mehdi Mahdavikia aufgewachsen. Beim HSV war er eine echte Legende – und für viele junge Fans mit iranischen Wurzeln ein großes Vorbild.

Unsere Mannschaft: Iran gehört seit Jahren zu den stärksten Teams Asiens. Die Mannschaft spielt diszipliniert, körperlich robust und defensiv sehr organisiert. Gleichzeitig haben wir technisch starke Spieler. Genau diese Mischung macht Iran für große Nationen unangenehm. Wer gegen uns spielt, muss Geduld haben.

Unser Star: Mehdi Taremi steht natürlich weiter im Fokus. Er bringt Erfahrung auf höchstem europäischen Niveau mit und ist offensiv enorm wichtig. Spannend ist auch Mehdi Ghayedi. Mit Tempo, Dribbling und Kreativität kann er Spiele verändern. Gerade in Umschaltsituationen ist er gefährlich. Dazu kommt Kapitän Alireza Jahanbakhsh mit seiner internationalen Erfahrung.

Unser Trainer: Amir Ghalenoei ist ein sehr erfahrener Trainer. Bei ihm stehen Organisation, Disziplin und Mentalität im Mittelpunkt. Das passt perfekt zu der Art, wie Iran traditionell Fußball spielt.

Meine Prognose: Iran kann bei dieser WM überraschen. Defensiv sind wir schwer zu knacken. Wenn offensiv alles zusammenpasst, können wir auch große Nationen vor Probleme stellen. Die K.o.-Runde ist möglich.

Aufgezeichnet von Lina Mertins

Neuseeland: „Den nächsten Schritt machen“

Nic Woods in schwarzem Trikot steht vor einer Stadtkulisse und zeigt den Daumen nach oben.

Ich bin: Nic Woods, 30 Jahre alt, und komme aus Hamilton in Neuseeland. Zurzeit spiele ich Hockey für den Hamburger Polo Club. Außerdem arbeite ich hier in einer Vermögensverwaltung. Mein Lieblingsteam in Neuseeland ist Auckland FC. Auch wenn Hockey mein Sport ist, verfolge ich natürlich genau, wie sich unser Fußballteam auf der großen Bühne schlägt.

Unsere Mannschaft: Die Defensive wird unsere größte Stärke sein. Neuseeland wird sehr kompakt stehen, tief verteidigen und versuchen, es den gegnerischen Angreifern so schwer wie möglich zu machen. Wir wissen, dass wir nicht in jedem Spiel den Ball dominieren werden. Aber wenn wir geschlossen arbeiten, können wir unangenehm werden. Bei einem Turnier zählt manchmal genau diese Disziplin.

Unser Star: Chris Wood ist unser großer Name. Er ist ein fantastischer Spieler, spielt in der Premier League und schießt dort regelmäßig Tore. Er ist in guter Form, und ich hoffe, dass er das auch bei der WM zeigen kann. Wenn er ein paar Tore für uns macht, kann viel passieren.

Unser Trainer: Darren Bazeley macht aus meiner Sicht einen guten Job. Er hat Neuseeland zur WM geführt, und das ist für uns etwas sehr Besonderes. Bei einem Team wie unserem ist es wichtig, dass alle ihre Rollen kennen, diszipliniert arbeiten und an den gemeinsamen Plan glauben. Genau das scheint er der Mannschaft zu geben.

Meine Prognose: Ich hoffe auf eine erfolgreiche Gruppenphase. Bei der WM 2010 haben wir dreimal unentschieden gespielt und sind trotzdem ausgeschieden. Diesmal muss das Ziel sein, den nächsten Schritt zu machen und die K.o.-Runde zu erreichen.

Aufgezeichnet von Arndt Möller

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