„Doofe Entscheidung!“ Umstrittener VAR-Eingriff kostet St. Pauli den Sieg
Zum Sterben war es definitiv zu viel, aber war es ausreichend zum Leben? Im eminent wichtigen Heimspiel gegen den 1. FC Köln kam der FC St. Pauli vor 29.546 Fans am ausverkauften Millerntor nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus. „Wir haben teilweise ein richtig gutes Spiel gemacht und hätten drei Punkte verdient gehabt“, urteilte Trainer Alexander Blessin. Nun stehe man aber mit nur einem da – und erneut gab es im Nachgang Ärger über eine enorm wichtige Schiedsrichterentscheidung.
„Ein Sieg“, sagte Blessin, „wäre schon enorm wichtig gewesen.“ Immerhin wuchs der Abstand auf den VfL Wolfsburg auf dem direkten Abstiegsplatz 17 auf fünf Zähler, das rettende Ufer in Form von Werder Bremen ist vor den restlichen Partien zwei Punkte entfernt. „Natürlich sind wir enttäuscht, weil wir mehr verdient gehabt hätten“, sagte auch Hauke Wahl. „Und wir haben noch vier Spiele. In denen müssen wir genauso auftreten, wie wir es gegen Köln gemacht haben. Das wird extrem wichtig.“
Viel Pyrotechnik am Millerntor
Es war tatsächlich richtig was los, schon im ersten Durchgang! St. Paulis Stadionsprecher kam kaum zum Luftholen, weil er in der ersten halben Stunde immer wieder gefordert war. Allerdings leider nur, um vor allem die Gästekurve, aber auch den heimischen Anhang immer wieder darauf hinzuweisen, dass Pyrotechnik an diesem Abend leider am Millerntor untersagt gewesen ist. Fußballerisch hingegen war erst einmal Schmalhans Küchenmeister.

St. Pauli vergibt große Chancen zur Führung
Viele hohe Bälle segelten von A nach B und wieder zurück, Kombinationen waren rar gesät. Auf Seiten der Gäste gab es sie sogar überhaupt nicht, St. Pauli hatte immerhin ab und an helle Momente drin. Zum Beispiel in Minute zehn, als ein Eckball von Danel Sinani über Tomoya Andos Kopf bei Andréas Hountondji landete, der frei vorm Tor aber zu überrascht war. Hountondji war es auch, der den besten Spielzug der ersten Halbzeit nach Hereingabe von Lars Ritzka abschloss, aber Kölns Keeper Marvin Schwäbe hielt gerade noch den Fuß rein (33.). Und wieder zwei Minuten später kam Ritzka nicht mehr richtig hinter eine klasse Flanke von Jackson Irvine. „Wir haben richtig gut verteidigt und hätten in Führung gehen können“, fasste Alexander Blessin den ersten Durchgang passend zusammen.
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Das erlösende 1:0 fiel dann noch, auch wenn es ein bisschen dauerte. Zuvor wurde ein Kopfball von Tomoya Ando gerade noch von Marius Bülter von der Linie gekratzt (57.), Sekunden später schmiss sich ein Kölner in einen Abschluss von Mathias Pereira Lage. Beim Kopfball von Karol Mets nach einem Eckball von Sinani und einer Vorlage von Hauke Wahl aber konnte keiner der Gäste mehr eingreifen (69.). Das erste Tor des Esten in Braun-Weiß, und dann so ein wichtiges.
„Doofe Elfmeterentscheidung“ gegen St. Pauli
Aber es reichte nicht. „Wenn diese doofe Elfmeterentscheidung nicht passiert, gewinnen wir 1:0“, gab sich Wahl überzeugt und ärgerte sich: „Wieder war es eine Kleinigkeit, die ein Spiel zu unseren Ungunsten beeinflusst hat.“ Besagte Kleinigkeit war ein Foul, das Referee Dr. Matthias Jöllenbeck nach VAR-Eingriff zur Entscheidung Strafstoß veranlasste. Ein Foul, ausgerechnet von Karol Mets, an Jakov Kaminski. Aber war es wirklich eines?
Im TV-Interview räumte Blessin beim Anblick der Szene noch ein, dass das Foul unstrittig und der Strafstoß deshalb nachvollziehbar gewesen sei. Später auf der Pressekonferenz aber korrigierte er seine Sichtweise deutlich. „Kaminski tritt bei Mets zuerst auf die Wade“, begründete der 52-Jährige und richtete Vorwürfe nicht an Jöllenbeck und sein Team vor Ort, denen er sogar explizit ein Lob aussprach. Aber der Videoassistent müsse so etwas sehen. Der hieß am Freitagabend Christian Dingert. Der Mann, der beim Champions-League-Spiel zwischen dem FC Barcelona und Atlético Madrid einen klaren Handelfmeter übersehen hatte und der von Hansi Flick scharf kritisiert worden war.
Später Strafstoß kostet St. Pauli Punkte
All das half St. Pauli natürlich nullkommanull. Vom Punkt aus verwandelte Luca Waldschmidt souverän zum Endstand (86.), der bis dahin ungeprüfte Nikola Vasilj war machtlos. „Kleine Details haben das Spiel entschieden“, fand auch der Schlussmann, der zuvor nur vorm Elfer nur einmal, nämlich bei Said El Malas Lattenknaller (54.), in Bedrängnis geraten war. „Natürlich fühlt es sich an wie zwei verlorene Punkte, wenn du so spät so ein Gegentor kassierst. „Aber wir sind wie ein Team aufgetreten. Und wir müssen es so nehmen, wie es ist.“
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