WM-Boykott? Dieses Ziel hat St. Pauli-Boss Göttlich bereits erreicht

St. Pauli-Präsident Oke Göttlich in Leverkusen
St. Pauli-Präsident Oke Göttlich hält an der Boykott-Debatte fest.

Es ist kein Geheimnis, dass dieser Verein auch mal nerven kann. Manch ein Mensch rollt schon automatisch mit den Augen, wenn vom FC St. Pauli mal wieder ein abseitiger Ideenansatz kundgetan wird, mit dem nicht alle etwas anfangen können. Andererseits kann nerven auch Konzept sein, ein durchdachtes und wirksames noch dazu. Das, was Kiezklub-Boss Oke Göttlich in Bezug auf die WM im Sommer und einen möglichen Boykott weiterhin zu sagen hat, kann dafür als Paradebeispiel gelten.

„Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen“, hatte er unlängst im NDR-Radio gesagt und seine Meinung zementiert, die er im MOPO-Interview erstmals öffentlich kundgetan hatte. Und die so schroff abgebügelt worden war von Fußball-Verbandsvertretern und Leuten, die in der Politik zu Hause sind.

St. Pauli-Boss Göttlich rief nie zum WM-Boykott auf

Dabei entspricht das, was Göttlich gesagt hat, exakt dem, was jedem normal denkenden, halbwegs empathischen Menschen durch den Kopf geht, wenn es um das Turnier im Sommer und die USA als Gastgebernation geht. Zudem ruft er nicht zum Boykott auf, sondern regt lediglich Gedanken darüber an. Dass allein dies schon Bluthochdruck bei Funktionären hervorruft, ist bedenklich.

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Natürlich geht es um viel Geld, aber das darf niemals das einzig maßgebende Kriterium sein. Der Fußball hat sich längst der Lächerlichkeit preisgegeben, der Korruption, der Unglaubwürdigkeit. Das Spektakel, das die FIFA mit ihrem unsäglichen Vorsänger und einem unzurechnungsfähigen US-Rentner bei der Gruppenauslosung abgezogen hat, war so bodenlos niveauarm – und trotzdem haben alle das Spiel mitgespielt. Da hatte niemand von denen, die sich jetzt über Göttlich echauffieren, die Courage, das Kind beim Namen zu nennen.

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Göttlich tut gut daran, sich nicht kleinkriegen zu lassen, mag er damit auch noch so vielen Kollegen im Business auf die Nerven gehen. Und ein Ziel hat er im Übrigen längst erreicht: dass über dieses Thema gesprochen wird. Das ist das Mindeste, was man von der Fußballwelt erwarten darf. Denn unpolitisch zu sein, kann sich in diesen Zeiten auch sie nicht erlauben.