„Wir wollen mehr!“ Warum Blessin St. Paulis Relegationsplatz nicht genug ist
Sie haben Blut geleckt. Das Punktekonto des FC St. Pauli ist nach dem jüngsten beiden Heimsiegen aufgestockt, der Tabellenplatz leicht verbessert und die braun-weiße Brust breiter. Trainer Alexander Blessin denkt gar nicht daran, dies als Erfolg zu werten. Ausgerechnet vor dem Gastspiel bei der enorm heimstarken TSG Hoffenheim gibt sich der Coach der auswärtsschwachen Kiezkicker bei allem Respekt für den furiosen Gegner angriffslustig.
Schritt für Schritt. Mit dem 2:1-Sieg im Kellerduell gegen Bremen hatte St. Pauli erstmals nach Wochen die direkten Abstiegsplatz verlassen und war an Werder auf Platz 16 vorbeigezogen. Ein Tabellenrang, der angesichts des bisherigen Saisonverlaufs und allen Schwierigkeiten am Saisonende sogar ein Erfolg sein könnte, was auch Präsident Oke Göttlich kürzlich geäußert hatte. Sein Trainer sieht das anders.
Mission Relegation? Platz 16 verteidigen? Gar als Fern-Ziel formulieren. Blessin hat anderes im Sinn.
Blessin zu St. Paulis Situation: „Wir wollen mehr!“
„Mit der Situation auf dem Relegationsplatz sind wir nicht zufrieden“, stellt der 52-Jährige überraschend deutlich klar. „Wir wollen mehr! Wir wollen hungrig bleiben und diesen positiven Run der letzten Wochen mitnehmen und weiter dranzubleiben.“
Hält er eine bessere Platzierung für realistisch, auch mittelfristig? Oder geht es ihm vor allem darum, die Spannung und Einsatzbereitschaft maximal hochzuhalten?
Es ist wohl eher der „warnende Zeigefinger“ (O-Ton Blessin), den der Coach verbal erhebt angesichts der jüngsten Dreier gegen Bremen und Stuttgart, die nicht nur Mannschaft und Trainer, sondern den gesamten Verein und auch Umfeld und Fans aufatmen und durchatmen ließen.
„Wir dürfen keinen Deut nachlassen“, warnt der Coach, und „keine Sekunde von unserem Weg abweichen.“ Es gelte, „jetzt nicht den Fehler zu machen und zu sagen, hey, wir sind auf einem guten Weg und es ist Komfortzone.“ Es gebe „überhaupt keinen Grund, sich auszuruhen und zu sagen, wir sind in irgendeiner Weise zufrieden.“

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Das wäre gegen den kommenden Gegner auch ein Killer. Die Hoffenheimer liegen in Sachen Intensität (Sprints, intensive Läufe, Kilometer) im Liga-Vergleich auf Platz eins oder zwei, agieren sehr zweikampffreudig und robust und stellen darüber hinaus mit 49 Toren die zweitbeste Offensive hinter Spitzenreiter Bayern. Wer nicht voll dagegenhält und extrem diszipliniert und möglichst ballsicher agiert, kann schnell böse unter die Räder kommen.
St. Pauli muss gegen Hoffenheim „nochwas draufpacken“
Doch Blessin stellt weniger das Risiko, denn die Chance in den Vordergrund. Der „großen Herausforderung“ ist er sich natürlich bewusst. Um eine Chance zu haben, müsse seine Mannschaft im Vergleich zu den vergangenen Wochen in den Kategorien Einsatz, Energie und Leidenschaft „noch was draufpacken“.
Eine Chance: Hoffenheim unterschätzt die Kiezkicker, die zwar das Pokal-Duell am Millerntor gegen die TSG Ende Oktober nach bravourösem Kampf im Elfmeterschießen gewonnen hatten, aber in fremden Stadien in zwölf Spielen bislang nur einen Sieg landen (im Derby) und zwei Unentschieden holen konnten. St. Pauli muss den Favoriten auf dem falschen Fuß erwischen, auf einen schlechten Tag der TSG hoffen und selbst einen Top-Tag haben. Blessin versprüht Zuversicht, möglicherweise demonstrativ: „Ich bin guter Dinge, dass wir mit einer guten Leistung was holen können.“
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Lässt man Rahmenbedingungen und Ausgangslage, die Qualität des Gegners und dessen Formstärke, insbesondere im eigenen Stadion mal außer Acht, muss festgestellt werden: Es ist allerhöchste Zeit für den ersten Auswärtssieg außerhalb Hamburgs. Er ist überfällig. Denn ganz ohne Punkte in der Fremde wird St. Pauli den Klassenerhalt nicht schaffen können, das weiß auch Blessin.
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