„Will kein schlechter Verlieren sein, aber…“: St. Pauli hadert mit Hand-Pleite
Das neue Jahr beginnt für den FC St. Pauli denkbar unglücklich. Einen Tag, nachdem der erneute längere Ausfall von Kapitän Jackson Irvine publik geworden ist, unterlagen die Kiezkicker auf enorm bittere Art und Weise mit 1:2 (1:1) beim VfL Wolfsburg. Es war die erste Niederlage der Braun-Weißen gegen die Wölfe in der Beletage, die erste nach zuletzt vier ungeschlagenen Partien, und die hätte vor angeblich 22.031 Zuschauer:innen (im Stadion sah es nach deutlich weniger aus) absolut nicht sein müssen.
Eigentlich schien der Drops gelutscht. In der zweiten Hälfte hatten die Hamburger bis auf einen Schuss von Adam Daghim, den Nikola Vasilj um den Pfosten drehte (75.), keine einzige Chance der Hausherren zugelassen. Vielmehr waren sie es, die mit Kontern Nadelstiche setzten und durch Joel Chima Fujita (50.) und Mathias Pereira Lage (79.) die besten Chancen gehabt hatten.
St. Pauli reklamiert Handspiel beim entscheidenden Tor
Doch zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit kam besagter Daghim auf der rechten Seite erneut an die Kugel, brachte sie nach innen, wo Dzenan Pejcinovic mit dem Kopf zur Stelle war – oder auch mit der Hand? „Ich will kein schlechter Verlierer sein“, sagte Hauke Wahl. „Aber ich stehe daneben und für mich wirkt es so, als wenn Pejcinovic sich das Ding an die Hand köpft.“ Es habe sich einfach komisch angefühlt. „Ich stehe ja daneben. Natürlich geht er gegen Adam Dzwigalas Kopf noch, aber ich glaube, er geht auch gegen die Hand. Aber egal, das nimmt er eh jetzt nicht mehr zurück.“
Handelfmeter nach VAR-Einsatz gegen St. Pauli
Er, damit war Schiri Frank Willenborg gemeint, und dem war unterm Strich eine entscheidende Rolle zugekommen. Denn der Unparteiische (Wahl: „Es lag nicht am Schiedsrichter“) hatte in der 22. Minute erst weiterlaufen lassen, als Wahl einen Schussversuch von Yannick Gerhardt beim Wegdrehen mit dem Unterarm geblockt hatte, wurde dann von VAR Sören Storks aber an den Blidschirm gebeten, um sich schließlich umzuentscheiden.
„Ich versuche, mich wegzudrehen“, erklärte Wahl. „Der springt an die Hand. Ich weiss nicht, ob er kurz vorher noch leicht abgefälscht wird. Da habe ich keine Chance zu reagieren.“ Das sei halt das Problem, dass man nichts besser machen könne. „Ich bin kein Fan davon, die Hände immer hinterm Rücken zu verstecken und so. Dann hat man gar keine Bewegungsfreiheit mehr, dann kommt man gar nicht mehr in die Dynamik.“ Es sei einfach brutal unglücklich. „Aber es ist halt ein Handspiel und deshalb ist die Entscheidung so gefallen.“
Eric Smith trifft für den Kiezklub – und übt Kritik
Nach dem von Christian Eriksen verwandelten Strafstoß schwamm St. Pauli kurz, kam dann aber umso eindrucksvoller zurück. Ricky-Jade Jones vergab nach Vorarbeit von Fujita eine unglaubliche Doppel-Chance (35.), doch dann sorgte Eric Smith fünf Minuten vor der Pause mit einem überlegten Flachschuss für den 1:1-Ausgleich.
Auch Kiezklub-Coach Blessin sauer wegen des zweiten Gegentores
Der hatte dann lange Bestand. Und dass es nicht bis zum Schlusspfiff reichte, kritisierte der Torschütze nach der Partie mit klaren Worten. „Es tut sehr weh, aber wir waren in dieser Saison schon in dieser Situation“, erklärte der 29-Jährige. „Ich will nicht sagen, dass wir es gewohnt sind, aber wir wissen, wie es sich anfühlt. Und ehrlicherweise wollen wir das nicht mehr fühlen. Ich habe es schon zehnmal gesagt, aber wir müssen zeigen, dass wir etwas gelernt haben aus den Fehlern, die wir immer wieder machen.“
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Und das empfand auch sein Trainer so. „Es ist bitter, wir hätten mehr verdient gehabt“, urteilte Alexander Blessin. „Aber wenn man in der 88. Minute so ein Gegentor kriegt, das entscheidend ist, ist es natürlich ärgerlich, wie das Tor entsteht. Wir weichen zurück in der Box und lassen die Flanke zu und haben auch keine gute Zuordnung. Das tut dann nochmal mehr weh.“
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