Alexander Blessin und Peter Nemeth

St. Pauli-Coach Alexander Blessin und Co Peter Nemeth wissen um den Ernst der Lage. Foto: WITTERS

Ernst? Prekär? Hoffnungslos? Wie St. Paulis Situation rechnerisch zu bewerten ist

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17 Punkte nach 22 Partien, Vorletzter im Tableau – niemand beim FC St. Pauli ist derzeit gewillt, die Situation schönzureden. Und trotzdem gilt es Contenance zu bewahren. Denn ein kurzer Blick auf die vergangenen fünf Spielzeiten zeigt: Es gibt nur einen seriösen Rückschluss in Bezug auf das, was kommen wird.

Und dieser lautet: Natürlich ist die Lage ernst, hoffnungslos indes ist sie ganz sicher nicht. Das ergibt sich allein schon aus den aktuellen Gegebenheiten. Denn Relegationsplatz 16 ist lediglich zwei Zähler entfernt, das rettende Ufer nur drei. Alles also mehr als machbar in den noch ausstehenden zwölf St. Pauli-Begegnungen bis Mitte Mai, auch wenn man im Vergleich zum identischen Vorjahreszeitpunkt vier Zähler weniger auf der Habenseite angehäuft hat und seinerzeit auf Platz 14 stand.

Im Vorjahr hatte St. Pauli vier Punkte mehr nach 22 Spielen

Die drei Mannschaften, die seinerzeit die drei letzten Plätze bekleidet hatten, blieben auch bis Spieltag 34 unten, tauschten aber die Plätze. Holstein Kiel war Mitte Februar 2025 Letzter mit 13 Punkten und stieg als 17. ab mit 25 Zählern. Heidenheim (17./14) schaffte es bekanntlich noch in die Relegation (16./29), derweil Bochum (16./16) als Schlusslicht in die 2. Liga ging mit 25 Punkten.

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In der Saison davor hatte der VfL diese Punktzahl bereits nach 22 Spieltagen beisammen und war Elfter. Weil aber danach nur noch acht Zähler dazu kamen, folgte der Fall auf Platz 16 und die legendäre Relegation gegen Düsseldorf. Während der 1. FC Köln (16./16 Punkte) und Darmstadt 98 (18./12) am Ende mit 27 bzw. 17 Punkten direkt abstiegen, kletterte Mainz (17./15) noch gewaltig und lief mit 35 Zählern auf Rang 13 ein.

Vergangenheit zeigt: Für St. Pauli noch alles drin

Ein ähnliches Kunststück war in der Spielzeit 2022/23 der TSG Hoffenheim und dem VfL Bochum geglückt. Beide hingen nach 22 Partien mit je 19 Zählern auf Rang 16. bzw. 17 fest, nur Schalke (16) kam noch dahinter. Und während S04 dann auch abstieg als 17. mit 31 Punkten, kletterten Hoffenheim (12./36) und Bochum (14./35) noch aufwärts, derweil Hertha BSC (14. nach 22 Partien mit 20 Punkten) als Schlusslicht mit 29 Zählern runter musste und der VfB Stuttgart (15./19) als 16. mit 33 Punkten die Relegation gegen den HSV zu bestreiten hatte.

Kiezklub-Hoffnung: In zwölf Spielen kann viel passieren

Und in den beiden Jahren davor erwischte es am Ende immer nur den Verein, der nach 22 Spieltagen die Rote Laterne gepachtet hatte. Das war 2021/22 die SpVgg Greuther Fürth, derweil der FC Augsburg und der VfB Stuttgart noch die Kellerregion verlassen konnten, in die Arminia Bielefeld als direkter Absteiger (15./22) und Hertha BSC (14./23) als HSV-Gegner in der Relegation noch abgerutscht waren. 2020/21 war der FC Schalke 04 nicht konkurrenzfähig, stieg mit erschütternden 16 Zählern (neun waren es nach 22 Begegnungen) direkt ab. Bielefeld (16./18) und Mainz (17./17) machten noch signifikante Sätze gen Mittelfeld, derweil Werder Bremen (17./31) und der 1. FC Köln (16./33) noch abstürzten. Beide Verein hatten zum jetzigen Saisonzeitpunkt im gesicherten Mittelfeld gestanden.

Die Erfahrung zeigt also: Es kann noch alles passieren, es ist noch alles möglich für den Kiezklub. Zumal es in der Regel in nahezu jeder Saison noch einen Verein erwischen wird, der sich momentan noch nah dem rettenden Ufer wähnt.

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