Eckfahne im Millerntor-Stadion mit der Totenkopf-Flagge des FC St. Pauli

Der Totenkopf ist mittlerweile untrennbar mit dem FC St. Pauli verbunden. Foto: WITTERS

Wie der Totenkopf zum Symbol des FC St. Pauli wurde

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Das Totenkopf-Symbol ist aus dem Umfeld des FC St. Pauli kaum mehr wegzudenken. Im und um das Millerntor-Stadion sind unzählige Flaggen, Fahnen und Banner mit dem Totenkopf zu sehen. Neben dem klassischen Wappen ist er zu so etwas wie dem zweiten Logo des Kiezklubs geworden. Wie aber kam es dazu? Wieso ist ausgerechnet der Totenkopf ein Symbol für den FC St. Pauli? Und was hat der Hamburger Dom damit zu tun? Dahinter stecken gleich zwei überraschende Geschichten, die noch gar nicht so weit zurückliegen.


Zusammenfassung:

  • Das Totenkopf-Symbol prägt das Umfeld des FC St. Pauli
  • Sein Ursprung liegt in den 1980er-Jahren bei Fan „Doc Mabuse“, der eine entsprechende Fahne mitbrachte
  • Das mittlerweile genutzte Design von Steph Braun wurde zum Kassenschlager

Noch in den 1980er-Jahren findet man auf St. Pauli keine Totenköpfe, jedenfalls keine mit Bezug zum Verein. Im 20. Jahrhundert ist die Flagge – traditionell „Jolly Roger“ genannt – vielmehr ein Symbol der Piraten. Mit dem Schädel wollen die Seeräuber ihren Feinden Angst einjagen. Für die Fans des Kiezklubs hingegen ist das offizielle Wappen die einzige Symbolik nach außen. Auf den braun-weißen Kutten der Anhänger prangt nur das Logo, das man bis heute kennt. Nur nicht bei einem Fan: „Doc Mabuse“.

„Doc Mabuse“ ist der erste St. Pauli-Fan mit Totenkopf

Der Mann, dessen echter Name Torsten Herrmann lautet, geht ab 1986 regelmäßig mit einer solchen Flagge ins Stadion. Er ist Mitglied der Punkrock-Band „Punkenstein“ und findet die Fahne mit dem Totenkopf und der Augenklappe schlichtweg cool, als er sie nebenan auf dem Hamburger Dom sieht und spontan kauft. Dann geht er damit – befestigt an einem Besenstiel – vom Heiligengeistfeld ins benachbarte Millerntor-Stadion.

Die Fan-Kneipe „Jolly Roger“ auf St. Pauli ist nach der traditionellen Bezeichnung für die Totenkopf-Flagge benannt. WITTERS
Fan-Kneipe Jolly Roger auf St. Pauli
Die Fan-Kneipe „Jolly Roger“ auf St. Pauli ist nach der traditionellen Bezeichnung für die Totenkopf-Flagge benannt.

Immer häufiger ist „Doc Mabuse“ nun mit der Flagge am Millerntor zu sehen. Andere Anhänger teilen die Begeisterung für den Totenkopf, einzelne tun es ihm schon bald gleich und hissen ebenfalls eine solche Fahne. Das rebellische Symbol entspricht dem damaligen Zeitgeist, in Deutschland herrscht Aufbruchstimmung. Das Land befindet sich durch den Mauerfall 1989 und die Wiedervereinigung 1990 stark im Umbruch.

Steph Braun designt parallel ein neues Stadtteil-Shirt

Kurioserweise entwirft völlig unabhängig davon der Kunstdrucker Steph Braun ein Stadtteil-Shirt für St. Pauli, auf dem ebenfalls ein Totenkopf (diesmal ohne Augenklappe) zu sehen ist. Der Inhaber der Siebdruckerei „Texmen“ in der Clemens-Schultz-Straße stellt die T-Shirts zu Beginn der 1990er-Jahre selbst her und verkauft sie in verschiedenen Geschäften im Stadtteil, darunter auch im Fanladen des FC St. Pauli. Unter den Anhängern des Kiezklubs wird es – vielleicht angestiftet von der Begeisterung durch die Totenkopf-Flaggen, die seit „Doc Mabuse“ inzwischen am Millerntor zu sehen sind – zum Kassenschlager.

„Ich habe unzählige andere Shirts gestaltet. Doch keins war ein solcher Riesenerfolg.“

Designer Steph Braun im „Kiezbeben“ über das Totenkopf-Shirt

Weil immer mehr St. Pauli-Fans jetzt das Shirt mit dem Totenkopf tragen, schleicht es sich in das Bild der Kurve ein. Das bleibt auch dem Verein selbst nicht verborgen, der Braun kurz vor der Jahrtausendwende die Markenrechte an dem Design abkauft und den Totenkopf im Jahr 1999 offiziell als alternatives Logo anmeldet. Neben dem klassischen Emblem hat der FC St. Pauli nun auch ein alternatives Totenkopf-Wappen.

Totenkopf ist mittlerweile überall auf St. Pauli zu sehen

Mittlerweile ist der Totenkopf im Umfeld des Kiezklubs fast überall zu finden. Die Eckfahnen am Millerntor beispielsweise zeigen nicht das offizielle Vereinswappen, sondern die schwarze Totenkopf-Flagge. Auch auf dem Rasen, auf Bierbechern oder auf unzähligen Stickern sieht man das Zweit-Logo. Inzwischen existieren nach Angaben des Vereins mehr als 300 Fan-Artikel mit dem Totenkopf.

Der Totenkopf ziert heute unter anderem die vier Eckfahnen im Millerntor-Stadion. WITTERS
Eckfahne im Millerntor-Stadion mit der Totenkopf-Flagge
Der Totenkopf ziert heute unter anderem die vier Eckfahnen im Millerntor-Stadion.

Für Begeisterung sorgt das allerdings nicht überall. Im Januar 2020 enthüllt die MOPO, dass das Totenkopf-Logo auf einer offiziellen britischen Anti-Terror-Liste steht. Die polizeiliche Organisation „Counter Terrorism Policing“, die Terrorismus in Großbritannien bekämpft, stuft es demnach als linksextremes Symbol ein. Der damalige St. Pauli-Profi James Lawrence aus Wales positioniert sich daraufhin klar zum Verein und bezeichnet sich als „stolz auf die Werte, die wir haben“.

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