„Widerwärtig“-Kritik aus Delmenhorst: St. Pauli bezieht Stellung

Banner der St. Pauli-Fans im Pokal gegen Atlas
Dieses Banner erregte die Gemüter von Atlas Delmenhorst.

Neues Öl ins Feuer gießen möchte der FC St. Pauli nicht. Aber einverstanden ist der Kiezklub auch nicht mit der Pressemitteilung von Pokalgegner Atlas Delmenhorst, der ein von St. Pauli-Fans gezeigtes Banner kritisierte. Die Art und Weise sorgt für Unmut. St. Pauli reagiert.

Am Montag, eineinhalb Tage nach dem 5:0-Sieg der Kiezkicker in Delmenhorst, hatte der Oberligist eine Presseerklärung abgegeben, in der er ein während der Partie im Gästeblock gezeigtes Banner („Euer einziger ‚Kult‘ sind eure Nazis – Atlas abschaffen!“) nicht nur als „mindestens unangemessen“ bezeichnete, sondern überraschend scharf formulierte: Dass die Aktion „im Kontext zum abscheulichen Nationalsozialismus vorgetragen wurde, ist widerwärtig und aus unserer Sicht nicht zu rechtfertigen.“

St. Pauli reagiert irritiert auf „Widerwärtig“-Stellungnahme von Delmenhorst

Bei St. Pauli zeigt man sich auf MOPO-Nachfrage mindestens irritiert über die Wortwahl des Vereins, der sich immer wieder Kritik an seiner in Teilen als rechts oder rechtsoffen geltenden Fanszene gefallen lassen muss, aber in der Presseerklärung einseitig zum Angriff übergeht.

„Wir möchten uns bei Atlas Delmenhorst für die Organisation des Spiels und die gezeigte Gastfreundschaft bedanken, der Verein hat sich sehr bemüht und wir wurden freundlich von den Offiziellen aufgenommen“, schickt Vereinssprecher Patrick Gensing vorweg. Aber: „Was die Pressemitteilung betrifft, stellen wir fest, dass aus unserer Sicht nicht ein Plakat in einer Fankurve das Problem ist, sondern die Anwesenheit von Rechtsextremen.“

Personen der rechtsextremen Szene wurden im Atlas-Stadion gesichtet

Nach dem Spiel waren Fotos der Delmenhorster Fankurve aufgetaucht, auf denen Personen zu erkennen sind, die der rechtsextremen Szene angehören oder zugeordnet werden, darunter laut „AfD Watch Bremen“ der Sänger der rechten Band „Kategorie C“ Hannes Ostendorf.

Das könnte Sie auch interessieren: Darum schafften es Nemeth und Dzwigala nicht in St. Paulis Startformation

Im VIP-Bereich des Stadions wurde die rechte Rotlichtgröße Stefan Ahrlich gesichtet. Dazu gab es in der Pressemitteilung kein Wort – etwa eine klare Distanzierung von einschlägigen Personen und deren Gesinnung. Rechtsextreme, so der Eindruck vieler zum Pokalspiel mitgereister St. Pauli-Fans und auch -Funktionsträger, werden bei Atlas Delmenhorst mindestens geduldet.