Wenn Blessin aufhört: Diese Trainer sind für St. Pauli interessant

St. Pauli-Trainer Alexander Blessin im Gespräch mit Hauke Wahl
Offene Zukunft: Trainer Alexander Blessin ist ein Kandidat in Wolfsburg. Gleiches gilt für Abwehr-Routinier Hauke Wahl (r.). Aber ist der VfL nach dem Abstieg noch ein attraktives Ziel?

Die Trainer-Frage beim FC St. Pauli nähert sich einer Entscheidung und sie dürfte nur noch eine von Tagen sein, möglicherweise mehreren Tagen. Klarheit bei der zentralen Personalie ist wichtig. Dennoch gilt beim Kiezklub: lieber richtig entscheiden als (zu) schnell. Eile mit Weile. Es ist eine schwierige Gemengelage, denn der Verein muss den Neustart in Liga zwei gestalten, eine Strategie festlegen und den schwierigen Spagat schaffen, nach außen Aufbruchstimmung und Optimismus zu versprühen und zugleich allzu hohe Erwartungen zu dämpfen. Ein Szenario in der Causa Blessin ist noch gar nicht beleuchtet worden.

Dauert es zu lange mit der Trainerentscheidung, besteht die Gefahr, Zeit zu verlieren, Chancen zu verpassen. Die derzeitige Phase des Entscheidungsprozesses und des Austausches dürften beide Seiten ebenfalls nutzen, um sich mit Alternativen zu beschäftigen, was nur professionell wäre. Sollte sich Alexander Blessin entscheiden, trotz eines laufenden Vertrags nicht weiterzumachen, dann wird St. Pauli vorbereitet sein wollen.

Trainer Blessin: St. Pauli, Wolfsburg oder Pause?

Wie heiß der Name Blessin beim VfL Wolfsburg gehandelt wird, ist nicht gesichert. Wenn Dieter Hecking, der als Trainer abgestiegen ist, zum neuen Geschäftsführer Sport gemacht wird, dürfte es den Fans und auch Sponsoren nicht leicht zu vermitteln sein, einen anderen abgestiegenen Coach als Nachfolger zu holen. Andererseits: Blessins Erfolge mit dem belgischen Spitzenklub Union Saint-Gilloise sind nicht vergessen. Der VfL-Job dürfte für ihn jedoch mit dem Abstieg der „Wölfe“ weniger attraktiv geworden sein.

Was aber, wenn Blessin gar nicht entweder bei St. Pauli bleibt oder zu einem anderen Klub wechselt? Die Frage, ob er genügend Energie hat nach zwei – wie er selbst mehrfach sagte – enorm kräftezehrenden Spielzeiten, könnte er auch damit beantworten, erst einmal keinen anderen Job anzunehmen und eine Pause einzulegen, um nicht schon Mitte Juni wieder auf dem Trainingsplatz zu stehen und eigentlich schon jetzt wieder in Kaderplanung involviert zu sein. Die kommende St. Pauli-Saison könnte noch härter werden als die beiden vergangenen.

Der Kiezklub wiederum will sich weder treiben noch hinhalten lassen. Bei der Kaderplanung muss der Coach involviert sein. Und potenzielle Spieler-Zugänge wollen wissen, von wem sie trainiert werden, bevor sie unterschreiben. Handlungsdruck ist also da.

St. Pauli hat mehrere Trümpfe in der Hand

Was sind St. Paulis Optionen? Der Kiezklub bleibt mit dem stets ausverkauften Millerntor und einer stabilen Vereinsführung, die keine Hire-and-Fire-Mentalität hat, eine attraktive Adresse. In der Bundesliga sind die meisten Trainerjobs vergeben, in Liga zwei ist mehr Bewegung.

Ein interessanter Name ist Christian Eichner. Nicht nur, weil er den Karlsruher SC nach sechs Jahren verlässt und eine neue Herausforderung sucht, sondern weil sich St. Pauli in der Vergangenheit schon mit ihm beschäftigt hat. Auch Horst Steffen, im Februar bei Werder Bremen freigestellt, hat noch keinen neuen Klub.

Ein trendiger Name auf dem Trainermarkt ist der von Tobias Strobl (SC Verl). Der 38-Jährige ist umworben, lässt seine Zukunft in Verl offen und lernt Berichten zufolge Englisch. Das könnte zu einem internationalen Kader wie dem des FC St. Pauli passen – aber auch zum VfL Wolfsburg, der sich dem Vernehmen nach mit Strobl beschäftigt. Der Newcomer wird auch mit dem KSC und Bielefeld in Verbindung gebracht.

Philosophie-Frage: Frischer Wind oder Kontinuität?

Nach einem Abstieg ist allerdings vor allem Stabilität gefragt, denn vieles gerät ins Wanken. Bei Holstein Kiel und dem VfL Bochum hat sich gezeigt, wie schwer es ist, im ersten Jahr im Unterhaus wieder die Kurve zu kriegen, wenngleich St. Pauli in Sachen Kader und Vertragslage besser aufgestellt sein dürfte. Es kann von Vorteil sein, einen gestandenen Trainer zu haben, der den Klub kennt, Vertrauen hat und auch genießt und gestählt ist.

Andererseits könnte ein Mann mit neuer Energie, einem neuen Konzept und einem unbefangenen Blick auf Kader, Hierarchien und Rollen bei einem echten Neustart helfen, insbesondere dann, wenn dieser auf Entwicklung einer neuen schlagkräftigen Mannschaft ausgelegt ist – möglicherweise mit einem Mehr-Jahres-Plan in Richtung Bundesliga und nicht einem schnellen Wiederaufstiegs-Projekt.

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Die Frage, wohin St. Pauli will, welches Konzept und welches Ziel für Jahr eins in Liga zwei vereinbart werden, ist untrennbar mit der Trainer-Frage verwoben. Es gilt, Mut und Sicherheit abzuwägen, Risiken und Folgen im Auge zu haben. Was St. Pauli im Hinterkopf haben sollte: Kiel und Bochum hatten nach dem Abstieg 2025 mit Marcel Rapp beziehungsweise Dieter Hecking weitergemacht – und sie dann früher (Hecking) oder später (Rapp) gefeuert.