St. Pauli-Trainer Alexanders Blessin gibt Stürmer Martijn Kaars Anweisungen

St. Pauli-Trainer Alexander Blessin steht hinter Stürmer Martijn Kaars, der viel läuft, aber zuletzt nicht traf. Foto: imago/Claus Bergmann

„Müssen ihm helfen“: Wie St. Pauli-Stürmer Kaars wieder die Kiste treffen soll

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Im ganzen braun-weißen Glück nach dem Sieg gegen Bremen freute er sich richtig mit, aber in einigen Momenten strahlte sein Gesicht im Teamvergleich etwas weniger. Der individuelle Auftritt von Martijn Kaars auf dem Rasen war in einigen Szenen unglücklich gewesen, in der Summe ungenügend und deshalb frühzeitig beendet. In diesem Jahr hat der Stürmer in neun Pflichtspielen erst ein Tor erzielt, seit fünf Partien wartet er auf einen Scorerpunkt und damit ein persönliches Erfolgserlebnis. Immer fleißig, zu selten richtig gefährlich. Nicht nur viele Fans fragen sich: Was ist das Problem? Und noch wichtiger: was die Lösung?

Seine beiden auffälligsten Szenen beim umjubelten 2:1-Sieg gegen Werder, die auch für Reaktionen auf den Rängen des Millerntorstadions sorgten, waren alles andere als erfolgreich. Trainer Alexander Blessin spricht im Rückblick von „zwei blöden Ballverlusten“ und die sahen dann leider auch noch „blöd aus“.

Einen Vorwurf will der Coach dem Stürmer daraus aber nicht ableiten und auch nicht eine automatisch schlechte Leistung. Vielmehr nimmt er ihn in Schutz. Kaars habe „davor immer wieder ganz gute Bälle abgelegt“ und diesbezüglich generell „dazugelernt“. Dennoch hatte Blessin den 26-Jährigen in der 53. Minute des Werder-Spiels beim Stand von 0:0 ausgewechselt und damit frühzeitiger, als er üblicherweise Personal tauscht.

Kaars erst mit einem Tor in diesem Jahr – Einzelgespräche und Video

„Ich habe zuletzt zweimal länger mit ihm gesprochen und dann auch Videoanalysen gemacht“, berichtet Blessin, der betont, dass Kaars beim Heimsieg gegen Stuttgart „richtig gut drin“ gewesen sei und „viel geholfen“ habe.

Es mangelt Kaars jedoch an persönlichen Erfolgserlebnissen. Sein bislang einziger Treffer 2026 war allerdings ein wichtiger. Im Heimspiel gegen Leipzig hatte der Rechtsfuß tief in der Nachspielzeit nervenstark vom Elfmeterpunkt zum verdienten 1:1-Endstand getroffen – und damit deutlich gemacht: Er will Verantwortung übernehmen, ein Faktor sein, mit Toren. Aus dem Spiel heraus ist ihm das nach dem Jahreswechsel nicht gelungen. So etwas nagt.

Kaars muss im Strafraum in Schussposition kommen

„Er sagt ja selber: Als Stürmer misst du dich erstmal an Toren beziehungsweise Torchancen. Da ist er in letzter Zeit nicht so oft reingekommen“, sagt Blessin. Das sei mental nicht leicht. „Wenn du weniger in solche Momente kommst, fängst du an, ein bisschen zu zögern.“ Das sei wiederum kontraproduktiv, führt der Coach aus. „Das ist das, was er nicht braucht, weil er eine Dynamik braucht, er braucht seine Aktionen, die er aber nicht aus dem Stand macht.“


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In langen Laufduellen in höchstem Tempo, in die Kaars mit Steilpässen geschickt wird, hat er sich zuletzt nur selten durchsetzen können. Er ist nicht der Sprinter-Typ wie Andréas Hountondji (nach Verletzung auf dem Weg zurück) oder Ricky-Jade Jones (Saisonaus). Kaars hat seine größten Qualitäten im Strafraum, im Abschluss, das hat er schon nachgewiesen. Nur kommt er zu selten in diese Szenen.

„Er hat seine Stärke natürlich im Sechzehner, wenn er da den Ball hat, dass er da auch die Chancen kriegt“, betont Blessin. „Da müssen wir ihm natürlich helfen – aber er natürlich dann auch.“ Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Der Trainer ist der Ansicht, dass man nach Anpassungsproblemen in der ersten Saisonphase durch Training und Wiederholung die richtigen Laufwege, auch abgestimmt auf jene der Sturmpartner, „ganz gut hingekriegt“ habe. „Das klappt eigentlich ganz gut.“

Blessin glaubt, dass Kaars wieder mehr zu Chancen kommt

Zugleich muss Kaars noch an seiner Körperlichkeit arbeiten, sich in Zweikämpfen besser behaupten und damit auch das Spielgerät, um weniger Ballverluste zu haben, wie Blessin erklärt. Das habe „jetzt ansatzweise auch ganz gut geklappt. Und dann gehen wir die nächsten Schritte.“

Eine Frage der Zeit? Blessin gibt sich zuversichtlich. Wenn Kaars den Weg weitergehe, „dann bin ich mir sicher, dass auch wieder in der Form zu Torchancen kommt“ und möglicherweise schon bald wieder „etwas glücklicher“ nach Spielen durch die Interview-Zone laufen und dort davon erzählen könne, ein Tor erzielt oder einen Assist verbucht zu haben.

Wenig Torschüsse, aber viele intensive Läufe

Stürmer sind im System von Trainer Alexander Blessin bekanntlich nicht nur Angreifer, sondern im Spiel gegen den Ball auch die ersten Verteidiger und damit Arbeiter, denen einiges abverlangt wird. Das betont er immer wieder. Auch jetzt im Fall von Kaars, der sein Formhoch im Dezember hatte mit zwei Toren beim 2:1-Sieg gegen Heidenheim sowie einem Treffer und einem Assist beim 2:1-Erfolg im Pokal-Achtelfinale in Mönchengladbach. „Ich messe ihn nicht unbedingt an Toren, sondern an der Arbeit, wie er der Mannschaft hilft.“

Was Leistungsnachweise angeht, gilt es, einige statistische Daten einzuordnen. Im ligaweiten Ranking der sogenannten „intensiven Läufe“ etwa liegt Kaars mit bislang 1179 auf Platz 65, was auf den ersten Blick durchschnittlich wirkt. Er hat aber auch eher bescheidene 996 Spielminuten auf der Uhr. Vergleicht man das mit Spitzenreiter Vladimir Coufal vom kommenden Gegner TSG Hoffenheim (1987 intensive Läufe in 2058 Spielminuten), absolviert Kaars mehr intensive Läufe pro Einsatz und das gilt auch beim Vergleich mit Teamkollege Mathias Pereira Lage (1571/1451), dem braun-weißen Vor-Läufer.

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Zugegeben: Spieler, die häufiger eingewechselt werden, können in begrenzter Zeit mehr Tempo-Läufe raushauen und müssen weniger ökonomisch spielen als Stammspieler, die immer 90 Minuten abreißen. Aber unterm Strich bleibt: Kaars ist enorm fleißig und deshalb wertvoll. Um das gewünschte Gesamtpaket zu sein, muss er jedoch auf seine vier Pflichtspieltore in dieser Saison (drei in der Liga, eins im Pokal) noch ein paar Treffer draufpacken. Elf Spiele sind es noch – und damit elf Gelegenheiten.

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