FC St. Pauli
„War schlimm“: St. Pauli bangt um einen Gewinner der Vorbereitung
Rawley St. John verletzt sich im Test des FC St. Pauli am Knie. Warum die Verletzung so bitter ist und wie die ersten Einschätzungen von Marcel Rapp und Martijn Kaars ausfielen.
Dass es bei St. Paulis Test gegen Deportivo A Coruña trotz zweier Führungen nicht für den Sieg gereicht hat, war zwar vielleicht schade, aber nicht der größte Wermutstropfen am späten Samstagabend. Die 30-minütige Verlängerung, die der zweiten Reihe Spielzeit verschaffen und einen Rhythmus entstehen lassen sollte, entwickelte sich besonders für einen Kiezkicker zum möglichen Albtraum.
Nach 90 Minuten stand es nach den beiden kuriosen Treffern von Taichi Hara und Martijn Kaars sowie einem Standard-Gegentor und einem unglücklich abgefälschten Ball von Marcus Mathisen 2:2. Dass es in die Verlängerung ging, hatte nichts mit dem fehlenden Sieger zu tun, sondern sollte ermöglichen, diejenigen mit Spielzeit auszustatten, die ansonsten keine Sekunde auf dem Platz gestanden hätten.
St. John verletzte sich kurz vor Schluss am Knie – Kaars zeigt Mitgefühl
Im Nachhinein werden sich wohl alle denken: Das hätte man sich sparen können. Für die Fans gab es zur späten Stunde um 20.30 Uhr kaum noch etwas Sehenswertes und es blieb beim 2:2. Doch am ärgerlichsten wurde es in der 117. Spielminute, als Rawley St. John in der Offensive per eingesprungener Grätsche versuchte, einen abgeprallten Ball vor dem gegnerischen Tor doch noch irgendwie zum Siegtreffer zu erwischen.
Das gelang ihm nicht. Doch viel schlimmer: Bereits beim Aufstehen verzog er die Miene, humpelte noch sieben Meter bis zur Strafraumkante und setzte sich dann hin. Sichtlich von Schmerzen geplagt, die Hände erst am Knie, dann über dem Kopf. „Rawley ist ein enger Freund von mir. Ich weiß nicht, ob es schlimm war, aber sein Körperausdruck war schlimm. Darum bin ich zu ihm gelaufen und habe kurz mit ihm geredet“, sagte Kaars, der sich noch während des Spiels nach St. John erkundigte, der hinter der Torauslinie behandelt worden war.
Sofort eilte das medizinische Team zu dem 21-Jährigen und richtete nach den ersten Tests schnell den Blick Richtung Bank, um zu zeigen, dass es für St. John nicht weitergeht. Gestützt vom medizinischen Personal, mit bandagiertem Knie und getrübtem Blick, ging St. John vom Feld. „ Er war natürlich unglücklich. Es war sein erstes Spiel am Millerntor und er musste verletzt runter. Das ist natürlich sehr scheiße für ihn“, zeigte Kaars sein Mitgefühl.
St. John hatte sich bei St. Pauli in den Fokus gespielt
„Er hat heute auch sehr gut gespielt, finde ich. Sehr kreativ, gefährlich“, lobte der Traumtorschütze, für den die Verletzung „onverklaarbaar“ (niederländisch für: unerklärlich) sei, da St. John „sehr viel an seinem Körper arbeitet“. Schon in der vergangenen Saison fiel der gebürtige Australier rund drei Monate verletzt aus. Jetzt wartet auf ihn nach den ersten Eindrücken wohl die nächste längere Pause.
Allem Anschein nach wird nun also erst einmal kein weiteres Millerntor-Spiel hinzukommen. Ebenso nicht sein Profidebüt bei St. Pauli. Die Chance hätte es durchaus, und gerade zu Beginn, gegeben. St. John verbrachte die gesamte Vorbereitung mit dem Profiteam und spielte sich nach dem Abgang von Manolis Saliakas als erster Backup für die rechte Schiene in den Fokus. Zwar kam mit Rony Jansson mittlerweile ein externer Ersatz zum Kiezklub, der hatte aber nun mal noch keine Zeit, Marcel Rapps System zu verinnerlichen oder sich mit dem Team einzuspielen.
Auch Rapp selbst war nicht allzu optimistisch in Bezug auf eine ausstehende Diagnose: „Es sah nicht gut aus, aber ich kann jetzt nichts sagen“, verkündete der Trainer. „Er wird jetzt untersucht, da kann man noch nicht genau sagen, was es ist. Er wird morgen wahrscheinlich nicht trainieren können.“
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