FC St. Pauli

Viktor Gyökeres: Wie aus dem Ex-St. Pauli-Profi plötzlich ein Weltstar wurde

Ex-St. Pauli-Profi Viktor Gyökeres von Arsenal im Trikot von Schweden in den WM-Playoffs
Im Rampenlicht: Ex-St. Pauli-Profi Viktor Gyökeres ist mittlerweile ein echter Superstar in Schweden.

Beim FC St. Pauli war Viktor Gyökeres noch Joker. Mittlerweile ist er ein echter Weltstar – und schoss Schweden jüngst sogar fast im Alleingang zur WM. Ein Porträt.

Mit dem FC St. Pauli spielte Viktor Gyökeres noch vor wenigen Jahren gegen Aue, Lübeck und Sandhausen. Heute heißen seine Gegner Manchester City, Real Madrid und Paris Saint-Germain – denn aus dem schüchternen Stürmer, der beim Kiezklub sogar häufig nur Ersatzspieler war, ist innerhalb kürzester Zeit ein echter Weltstar geworden. Gyökeres ist Torjäger, Torschützenkönig und ein Garant dafür, dass der FC Arsenal überraschend die Premier League gewonnen und ins Champions-League-Finale eingezogen ist. Und daneben schoss er Schweden auch noch quasi im Alleingang zur WM 2026. Die MOPO erzählt im Rahmen einer Porträt-Reihe über Hamburger Fußball-Profis seine Geschichte.

Überall, wo Viktor Gyökeres in den vergangenen Jahren gespielt hat, ist er Meister geworden. Mindestens. Erst bei Sporting Lissabon in Portugal und jetzt mit dem FC Arsenal in England. Dazu räumt er regelmäßig individuelle Auszeichnungen ab, meistens natürlich für seine vielen Tore, die er im Verein ebenso wie in der schwedischen Nationalmannschaft zuverlässig erzielt. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Mann, mit über 4,5 Millionen Followern bei Instagram mittlerweile auch ein Social-Media-Star, vor ein paar Jahren noch beim FC St. Pauli gespielt hat – und dort sogar nicht einmal Stammspieler war.

Gyökeres’ Anfänge sind noch im Amateurbereich

Das liegt vor allem daran, dass der Start seiner Karriere etwas holprig verläuft. In seiner Geburtsstadt Stockholm schließt sich Gyökeres erst relativ spät – mit zwölf Jahren – einem Verein an, dem IFK Aspudden-Tellus. Er besucht kein Nachwuchsleistungszentrum, sondern wechselt später zum schwedischen Amateurverein IF Brommapojkarna in die B-Jugend. Dort lernt der Angreifer seine langjährige Freundin und spätere Profi-Fußballerin Amanda Nildén kennen und gibt 2015 schließlich auch sein Debüt bei den Herren. Und zwar in der 3. Liga Schwedens.

Viktor Gyökeres bei einem Amateurspiel in Schweden
Seine ersten Schritte bei den Herren: der 17-Jährige Gyökeres im Trikot von IF Brommapojkarna

Dass Gyökeres ein gewisses Talent hat, wird aber schon damals klar. Denn weil er parallel noch für die U19 spielberichtigt ist, läuft er auch in der Junioren-Allsvenskan auf – dem Pendant zur U19-Bundesliga – und macht dort mit 16 Toren in 17 Spielen auf sich aufmerksam. Da ist es kein Wunder, dass auch die dritte schwedische Liga keine Herausforderung für den Mittelstürmer ist. Gemeinsam mit Brommapojkarna steigt Gyökeres in die Superettan (2. Liga) und ein Jahr später direkt in die Allsvenskan (1. Liga) auf. Sein Beitrag dazu: 13 Tore in 29 Partien in Liga zwei. Mit nur 19 Jahren.

Bei St. Pauli entwickelt er sich erst spät zum Torjäger

Spätestens, als der Spätstarter im darauffolgenden Sommer 2017 dann auch erstmals in der schwedischen U19-Nationalmannschaft für Furore sorgt und bei der Europameisterschaft mit drei Toren in drei Gruppenspielen zum Torschützenkönig gekürt wird, ist klar, dass Gyökeres zu Höherem berufen ist. Erste Vereine aus dem Ausland erkundigen sich, im Winter 2017/18 wechselt er dann zu Brighton & Hove Albion nach England. Doch auch dort hat er einen schweren Stand, spielt trotz seiner Torquote (fünf Treffer in sieben Partien) nur für die U23 und nicht eine Minute in der Premier League. Also drängt sich eine Leihe auf – und zwar nach Hamburg.

Viktor Gyökeres erzielt ein Tor für den FC St. Pauli
Bei St. Pauli startet Gyökeres vor allem in der Rückrunde als Torjäger durch.

Beim FC St. Pauli soll sich Gyökeres in der 2. Bundesliga bewähren und Spielpraxis sammeln. Und auch hier holpert es zu Beginn, der Schwede hat Anlaufschwierigkeiten auf dem Kiez. Zunächst ist er oft nur Joker, bekommt Kurzeinsätze oder sitzt 90 Minuten auf der Bank. Als er dann aber am 8. und 9. Spieltag auch seine ersten Tore erzielt, spielt er sich gegen Ende der Hinrunde zwar mehr und mehr in den Fokus, bleibt aber eher Reservist.

„Ich hatte schon gehofft, häufiger zu spielen. Dafür ist eine Leihe ja auch da, um mehr Einsatzzeiten zu bekommen. Ich werde in jedem Training weiter hart an mir arbeiten, um mich zu verbessern und so der Mannschaft weiterzuhelfen.“

Gyökeres nach der Hinrunde 2019/20 über sein erstes Halbjahr bei St. Pauli

Das ändert sich erst in der Rückrunde. Ende Dezember startet Gyökeres dann auch bei St. Pauli voll durch, acht Spiele lang ist er an fast allen St. Pauli-Toren beteiligt. Er beendet die Spielzeit mit sieben Treffern und vier Assists – und dem Wunsch, auf dem Kiez zu bleiben, was aber aus verschiedenen Gründen nicht zustande kommt. Stattdessen geht es für den Torjäger zurück nach England, nach Brighton, wo er weiterhin nicht eingeplant ist und zu Swansea City weiterverliehen wird. Ein Fehlgriff: Die Leihe wird zwei Monate später nach elf Spielen und null Toren abgebrochen.

Nach St. Pauli-Abgang startet Gyökeres bei Sporting durch

Brighton leiht Gyökeres im Januar 2021 abermals aus, diesmal an Coventry City. Und dort ist der mittlerweile 22-Jährige endlich wieder das, was er sich ersehnt hat: unumstrittener Stammspieler. In der Championship, der 2. Liga Englands, absolviert er – abermals nach Startproblemen – innerhalb von zweieinhalb Jahren stolze 116 Spiele und erzielt 43 Tore. Vor allem 2022/23, als er mit 21 Treffern und zehn Vorlagen zweitbester Torjäger der Liga und von der schwedischen Nationalmannschaft wieder berücksichtigt wird, steigt sein Marktwert immer weiter an. Internationale Top-Vereine notieren seinen Namen.

Viktor Gyökeres erzielt ein Tor für Sporting Lissabon
Mit Sporting Lissabon erlebt Gyökeres die bislang erfolgreichste Zeit seiner Karriere, erzielt er ein Tor nach dem anderen.

Der portugiesische Spitzenklub Sporting Lissabon ist es schließlich, der Gyökeres 2023 für 24 Millionen Euro verpflichtet. Ab jetzt geht es fast senkrecht bergauf. Der Schwede wird in seiner ersten Saison direkt Meister, Torschützenkönig und Spieler der Saison in Portugal, in der darauffolgenden Spielzeit krönt er sich neben Meisterschaft, Torschützenkönig und Spieler des Jahres auch noch zum Pokalsieger. 39 Tore in 33 Spielen sind darüber hinaus Rekord in der portugiesischen Liga in den vergangenen 25 Jahren.

Mit Arsenal wird er sensationell Meister in England

In der Nations League liefert Gyökeres zudem neun Tore und vier Vorlagen in gerade mal sechs Spielen für die Nationalelf. Fast schon selbstverständlich ist er auch dort der mit Abstand beste Torjäger. Ganz Schweden feiert seinen Stürmer, der sich in der Form seines Lebens befindet. Die logische Folge: Sein Marktwert schießt auf 80 Millionen Euro – und die ganz großen Vereine aus Europa sind an einem Transfer dran.

Viktor Gyökeres bejubelt den Premier-League-Titel mit Arsenal und den Fans
Ikonisch: Gyökeres feiert den Premier-League-Triumph mit dem FC Arsenal gemeinsam mit den Fans, die seinen berühmten Torjubel nachahmen.

Etwas mehr als 65 Millionen Euro kostet Gyökeres den FC Arsenal, als dieser ihn im Sommer 2025 schließlich unter Vertrag nimmt. Durch Boni kann die Summe noch auf 76 Millionen Euro ansteigen – und damit wäre er der drittteuerste Transfer der Londoner aller Zeiten. Doch der Offensivmann zahlt es mit Toren zurück. Als Arsenal im Mai 2026 völlig überraschend und erstmals nach 22 Jahren wieder die Premier League gewinnt, ist Gyökeres abermals bester Knipser. Und wieder einmal Meister.

Gyökeres schießt Schweden überraschend zur WM 2026

Den Zenit hat der Angreifer, dessen Großvater aus Ungarn stammt, damit aber noch nicht erreicht: Kurz vor seinem 28. Geburtstag zieht er mit Arsenal auch noch ins Champions-League-Finale ein und kämpft sich gegen Paris Saint-Germain bis ins Elfmeterschießen, wo er seinen Strafstoß souverän verwandelt. Für den größten europäischen Titel reicht es dann allerdings nicht – der wird ihm weiterhin in seiner illustren Sammlung fehlen. Das große Interesse an einem Transfer, das in diesem Sommer wieder aufflammt, dürfte davon aber kaum beeinträchtigt sein.

Viktor Gyökeres erzielt ein Tor für Schweden in den WM-Playoffs
Das vielleicht wichtigste Tor seiner Karriere: Gyökeres (r.) erzielt den Siegtreffer im Playoff-Finale gegen Polen und schießt Schweden damit zur WM 2026.

Und in der Nationalelf? Dort hat Gyökeres spätestens seit diesem Jahr absoluten Heldenstatus. In den WM-Playoffs gegen die Ukraine (3:1) und Polen (3:2) erzielt er vier Tore für Schweden, darunter das entscheidende Siegtor gegen Polen im Finale, und schießt sein Land damit fast im Alleingang zur Weltmeisterschaft 2026. In den USA, Kanada und Mexiko trifft er mit der schwedischen Auswahl in der Vorrunde auf Tunesien, die Niederlande und Japan. Und wenn der einstige St. Pauli-Profi auch bei der WM so trifft wie zuletzt – wer weiß, wie weit es bei dem Turnier für ihn und Schweden noch weitergeht.