Vierter Klassenerhalt? St. Pauli-Legende erzählt, wie dreimal gefeiert wurde

St. Pauli-Fans feiern auf dem Rasen des Millerntor-Stadions
So wie hier im Mai 2024, als gegen Osnabrück der Aufstieg eingetütet wurde, könnte es am Samstag wieder abgehen.

Die Ausgangslage ist klar. Schon am späten Freitagabend könnte der Liga-Verbleib des FC St. Pauli feststehen, wenn der VfL Bochum den Keller-Krimi beim 1. FC Heidenheim gewinnen sollte. Falls nicht, können es die Kiezkicker tags darauf im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart höchstpersönlich fix machen. Dazu reicht – je nach Resultat vom Freitagabend – ein Punkt, vielleicht muss auch ein Sieg her. Auf welchem Weg auch immer, der Bundesliga-Klassenerhalt wäre erst der vierte in der langen Geschichte der Braun-Weißen.

Bei den bisherigen drei war einer immer dabei, dessen Namen man regelmäßig im Zusammenhang mit Hamburger Bestmarken findet. Unfassbare 409 Partien hat André Trulsen für St. Pauli absolviert, 177 davon in der Beletage. Neun Tore und sieben Vorlagen stehen für den heutigen Co-Trainer von Altona 93 zu Buche – und eben drei Nichtabstiegs-Partys.

André Trulsen schaut durch das Millerntor-Stadion
St. Pauli-Legende André Trulsen (59) ist aktuell Co-Trainer bei Altona 93.

Der 59-Jährige stand 1988/89, 1989/90 und 1995/96 bei den Begegnungen auf dem Platz, als die Mannschaft die jeweils entscheidenden Punkte holte, um sicher drinzubleiben. Im Gespräch mit der MOPO erinnert sich Trulsen an die entsprechenden Momente.

1988/89 – 31. Spieltag, 1:0 gegen die Stuttgarter Kickers

Das entscheidende Tor gelang Dirk Zander, „mal wieder“, sagt Trulsen, der an die Partie als solche keine signifikanten Erinnerungen mehr hat, sehr wohl aber an die gesamte Spielzeit. „Wir sind damals sehr gut reingekommen in die Saison. Wir waren so euphorisch wegen des Aufstiegs, dass wir in der Bundesliga da weitergemacht haben, wo wir in der 2. Liga aufgehört haben. Wir haben unbeschwert aufgespielt und die Tugenden auf den Platz gebracht, die dann eben auch eine Klasse höher gereicht haben.“ Nämlich Laufbereitschaft, Kampf, Einsatz – die Attribute, die über Dekaden hinweg prägend waren für typischen St. Pauli-Fußball.

Dirk Zander bei einem Torschuss
1989: Der junge André Trulsen war Stammspieler in einem Team, das zu großen Teilen aus Hamburgern bestand. Dirk Zander (Foto) machte mit seinem 1:0 gegen die Stuttgarter Kickers am 31. Spieltag bereits alles klar.

Dazu kam eine heutzutage fast undenkbare Besonderheit: „Wir waren eine Truppe aus Hamburgern.“ Trulsen persönlich, Zander, Volker Ippig, Klaus Thomforde, Jürgen Gronau, Peter Knäbel, Egon Flad, André Golke, Hansi Bargfrede, Klaus Ottens: „Wir haben zusammen eine Bühne gefunden, auf der wir uns auszeichnen konnten.“ Am Ende lief St. Pauli auf Rang zehn ein – „ein Riesenerfolg“.

1989/90 – 33. Spieltag, 3:0 gegen Bayer Leverkusen

„Da habe ich kurz vor Schluss noch ein Tor gemacht“, hat Trulsen abgespeichert. Tatsächlich war ihm der Treffer zum Endstand gelungen, davor hatten Golke und Ottens bereits getroffen. „Für uns war das ein Wahnsinnsspiel, weil wir da der totale Außenseiter waren. Dann mit so einem souveränen Sieg den Klassenerhalt zu schaffen, da war die Freude natürlich groß.“ Ansonsten sei es das berühmte „schwierige zweite Jahr“ gewesen, erinnert sich Trulsen.

St. Pauli-Fans feiern 1990 auf der Straße den Klassenerhalt
1990: ​​​​​Nach dem 3:0 über das seinerzeit schon starke Bayer Leverkusen durfte am Millerntor nach dem 33. Spieltag gefeiert werden.

Sein Coach war, wie schon davor, Helmut Schulte, und der hatte „mit die größten Anteile“ am Erfolg, „weil ein Trainer die Mannschaft einstellt, aufstellt und dort hinbringt, wo sie am Ende landet“. Schulte habe St. Pauli immer top vorbereitet, „und so haben wir zwei Jahre lang für Furore gesorgt“. Im dritten ging es dann wieder runter.

1995/96 – 33. Spieltag, 2:2 beim Karlsruher SC

Der KSC war seinerzeit eine echte Hausnummer mit Spielern wie Sean Dundee oder Thomas Häßler, die auch beide trafen in der relevanten Begegnung. Aber Holger Stanislawski und schließlich Christian Springer mit seinem Ausgleich sorgten für den entscheidenden Zähler der Truppe von Trainer Uli Maslo, den Trulsen als „sehr speziell“ wahrnahm, aber auch als modernen Übungsleiter. „Wir haben da versucht, taktisch Fußball zu spielen, einen neuen Stil reinzubringen, und das durchaus erfolgreich.“

Die St. Pauli-Profis feiern 1995 Hand in Hand den Klassenerhalt
1995: Dringeblieben! André Trulsen (6.v.r.) und seine Teamkollegen ließen sich völlig zu Recht von den St. Pauli-Fans feiern.

Die Tugenden der Vergangenheit waren zwar immer noch gefragt, aber es wurde auch sehr ansehnlich gekickt. Zudem etablierte Maslo damals etwas, das längst gang und gäbe ist heutzutage: „Wir hatten in Zehnkämpfer Rainer Sonnenburg einen Athletiktrainer. Das war damals noch absolutes Neuland.“

Trulsen steht mit Altona 93 vorm Einzug ins Pokalfinale

Trulsen selbst wird am Samstag nicht vor Ort sein. Und das, obwohl er mit dem VfB Stuttgart durchaus Verquickungen hat, in der Saison 2015/16 als Co-Trainer von Alexander Zorniger bei den Schwaben arbeitete, wenngleich nur weniger als ein halbes Jahr.

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„Es kommen ein paar Bekannte mit nach Hamburg, die werde ich nach dem Spiel auch noch treffen.“ Das dann im Idealfall als Hamburger Pokalfinalist. Denn Trulsen, Co von Andreas Bergmann, trifft parallel zur Partie am Millerntor an der Adolf-Jäger-Kampfbahn mit Altona 93 auf Eintracht Norderstedt.