„Alles auf dem Platz gelassen“: Unterzahl? Egal! Kaars lässt St. Pauli feiern
Sie sind wieder zurück in der Party – und sie hatten wirklich alles dafür getan: Der FC St. Pauli gewann ein dramatisches Kellerduell gegen den 1. FC Heidenheim trotz einer Halbzeit in Unterzahl mit 2:1 (1:0), überholte die Gäste in der Tabelle und setzte den positiven Trend der vergangenen Wochen auf beeindruckende Weise fort. Entscheidenden Anteil daran hatte in Martjin Kaars ein Stürmer, der so langsam richtig in Wallung kommt.
„Wir waren in den ersten Minuten ein bisschen nervös, es gab viele Ping-Pong-Situationen. Dann haben wir aber gut ins Spiel gefunden und dominiert“, fasste Alexander Blessin seine Sicht der ersten Hälfte zusammen. Tatsächlich wurde der Kiezklub nach der ersten (und bis zur Pause einzigen) Gäste-Chance durch Marvin Pieringer (13.) deutlich initiativer, kontrollierte die Partie und spielte dabei durchaus ansehnlich Fußball.
Martijn Kaars bringt St. Pauli in Führung
Es gab erste Möglichkeiten durch James Sands (18.), Mathias Pereira Lage (19., 31.) und Jackson Irvine (22.). „Da können wir schon das 1:0 machen“, befand der Coach, „aber wir gehen dann ja noch verdient in Führung.“ Und wie! Eine schöne Kombination auf der rechten Seite veredelte Joel Chima Fujita mit einem mustergültigen Steckpass auf Martijn Kaars, und der hämmerte die Kugel humorlos in den Knick der kurzen Ecke. Ein herrlicher Treffer zum 1:0 (35.). Es sah alles prima aus, doch dann kam der Moment, der das Spiel massiv veränderte.

Eric Smith sieht umstrittene Rote Karte
Es lief schon die Nachspielzeit, als Eric Smith eine durchaus umstrittene Rote Karte wegen einer vermeintlichen Notbremse an Pieringer sah. „Das verändert natürlich alles“, stöhnte Blessin, „die ganze Statik. Es ging dann mehr oder weniger 45 Minuten lang darum, zu leiden und alles reinzuschmeißen, sich in jeden Schuss zu werfen. Das haben die Jungs bravourös gemacht.“
Kaars veredelt mustergültigen St. Pauli-Konter
Und nicht nur das. Der einzige nennenswerte Konter gegen nun massiv anrennende Heidenheimer führte nach 53 Minuten gar zum 2:0. Adam Dzwigala eroberte am eigenen Strafraum den Ball, der über Fujita im Lauf von Kaars landete. Und der Niederländer, der im MOPO-Interview angekündigt hatte, dass nach seinem Pokal-Tor von Gladbach schnell die ersten Liga-Buden kommen würden, ließ Keeper Diant Ramaj abermals keine Chance.
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„Joel hat mir schon mein Tor im Pokal vorgelegt. Wir haben eine gute Connection, ich glaube, ich muss ihm langsam mal etwas schenken. Vielleicht müssen wir mal Japanisch essen gehen“, witzelte Kaars nach der Partie. Der 26-Jährige hatte beide Treffer inbrünstig und mit viel Leidenschaft bejubelt und war natürlich ebenso erfreut wie erleichtert. „Ich habe mir keinen großen Druck gemacht, weil ich wusste, dass die Bundesliga etwas anderes ist als die 2. Liga. Und wir sind nicht Bayern München, ich werde nicht so viele Chancen bekommen wie Harry Kane. Aber ich glaube, jetzt hat man gesehen, was meine Qualitäten sind.“
Pieringer lässt den Kiezklub lange zittern
Keine Widerrede. Und das war nicht das einzig Erkennbare des Nachmittags. Zum einen war das Stadion von Anfang an komplett da und trug die Mannschaft durch diese enorm schwierige zweite Hälfte. „Das war auch eine Energie, gegen die wir ankämpfen mussten“, befand Gäste-Trainer Frank Schmidt. Und zum anderen ist die braun-weiße Defensive wieder ähnlich stabil wie im Vorjahr. Zwar musste man nach Pieringers schnellem Anschlusstreffer (64.) mächtig zittern, und es gab auch noch so manch brenzlige Situation zu überstehen. Aber das gelang dann eben auch bis zum umjubelten Schlusspfiff.

Nikola Vasilj: „Wir haben einen großartigen Job gemacht“
„Wir haben keine dummen Sachen gemacht, auch mal clever gespielt und hatten das nötige Glück“, fasste Hauke Wahl die Nummer zusammen. „Wir haben alles auf dem Platz gelassen. Und ich glaube, das war der Schlüssel zum Erfolg.“ Das sah Keeper Nikola Vasilj, der noch einige Mal rettend eingreifen musste, genauso: „Wir haben einen großartigen Job gemacht“, freute sich der Bosnier.
Sie sind also wieder da – und können am kommenden Sonntag in Mainz noch einen gewaltigen Schritt tätigen, um sich wieder dem Tabellenmittelfeld zu nähern. „Das haben wir vor“, unterstrich Wahl. „Ich glaube, nach Gladbach haben wir gesagt, dass wir jetzt eine Situation haben mit drei Spielen, wo wir entscheiden, ob wir am Weihnachtsbaum sitzen und alles ist scheiße oder alles ist einigermaßen okay. Und es ist immer schön, Dinge in der eigenen Hand zu haben. Letzte Woche war es ein kleinerer Schritt, heute ein größerer und nächste Woche wollen wir dann den nächsten großen Schritt machen.“
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