„Unser Job beginnt jetzt erst“: St. Pauli feiert historischen Sieg gegen Werder
Es war nichts für den Fußball-Gourmet. Und für Menschen mit schwachen Nerven war es auch nichts, aber dafür für solche, die es mit dem FC St. Pauli halten und auf spontane Feierlichkeiten stehen: Der Kiezklub gewann den Keller-Krimi gegen Werder Bremen am mit 29.546 Fans ausverkauften Millerntor mit 2:1 (0:0) und ist wieder mittendrin im Rennen um den Klassenerhalt – sogar den direkten.
Die Voraussetzungen hatten sich unmittelbar vorm Anpfiff noch einmal erweitert. Am Samstag hatte der VfL Wolfsburg gegen Augsburg vergeigt (2:3), am Sonntagnachmittag verlor mit Borussia Mönchengladbach ein weiterer Konkurrent (1:2 in Freiburg). Hieß im Umkehrschluss: Der Sieger des Nordderbys an der Elbe kann einen gewaltigen Schritt machen, für den Verlierer würde die Situation auch ob der dann verschenkten Gelegenheit ziemlich düster werden.
St. Pauli vor der Pause offensiv nicht existent
Und so sah das dann auch aus auf dem Rasen. Nach dem Motto „Angst essen Seele auf“ ging vor allem bei den Hausherren überhaupt gar nichts, jedenfalls mit Ball. 0,10 lautete der XGoals-Wert zur Pause, das ist nur eine Messerspitze mehr als gar nichts. Und weil man auch nur leidlich in die Defensivduelle fand, Bremen allerdings trotz besserer Spielanlage und höherer Ballsicherheit kaum Gefahr ausstrahlte, ging es torlos in die Pause.
Eric Smith: Haben gezeigt, dass wir das Spiel gewinnen wollen
„In der ersten Hälfte waren wir nicht gut genug“, gestand Eric Smith, einer von drei Startelf-Rückkehrern nach Verletzungspause. „Aber in der zweiten Hälfte haben wir gezeigt, dass wir dieses Spiel gewinnen wollen. Das hat gereicht.“ In der Chronologie der Ereignisse sah das wie folgt aus: Nach 55 Minuten traf mit Hauke Wahl einer der zwei Comebacker per Kopf, weil Bremens Keeper Mio Backhaus gravierend daneben griff. Sieben Minuten darauf stand sein Gegenüber Nikola Vasilj im Mittelpunkt, weil der Bosnier bei einer Flanke wegrutschte und dadurch der Ausgleich durch Jovan Milosevic möglich wurde. Und Rückkehrer Nummer drei, Joel Chima Fujita, wurde schließlich zum Matchwinner, weil er die schönste Kombination des Abends zum Siegtreffer nutzte (71.).
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Wirklich in Gefahr geriet der erste Sieg der Braun-Weißen gegen diesen Kontrahenten seit 1977 (!!!) nicht mehr. Werder, das den Platz in der Tabelle mit St. Pauli tauschte, war offensiv schlicht zu harmlos, zudem warfen sich die Gastgeber in jeden Schuss und jede Flanke. „Es war hart, aber wir waren schon mal mit dieser Mannschaft in ähnlichen Situationen“, erklärte Eric Smith, der anfügte, nicht nervös gewesen zu sein. „In der zweiten Halbzeit hatten wir die Lösungen, wie wir sie unter Druck setzen können, konnten wir das ganze Team pushen und waren aggressiver.“ Das sei der Hauptgrund für den Sieg gewesen.
Erster St. Pauli-Sieg gegen Werder seit 1977
Ein Sieg, der so wichtig war, den Trainer aber nur kurz durchpusten ließ. „Das genießen wir für den Moment, aber wissen natürlich, dass es elf weitere Endspiele gibt. Da müssen wir dranbleiben und nachlegen, weil es einfach total eng ist“, sagte Alexander Blessin und wollte in den Sprung auf den Relegationsplatz so gar nicht hineininterpretieren. „Am 34. Spieltag ist es wichtig, dass wir über dem Strich stehen. Alles andere ist jetzt erst mal egal.“
Keeper Nikola Vasilj ist stolz auf die Mannschaft
Eine Sicht, die Nikola Vasilj teilte. „Vielleicht zählen diese Punkte am Ende doppelt“, dachte er laut nach. „Vielleicht wird das so sein. Aber unser Job beginnt jetzt erst. Wir haben noch nichts erreicht.“ Man habe viele gute Dinge gezeigt, die man mitnehmen müsse. Das sei jetzt die Benchmark, wie man Fußball spielen müsse. „Und ich kann nur sagen, dass ich sehr stolz auf das Team bin, was für einen Charakter wir auch in diesem Spiel wieder gezeigt haben.“
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