Karol Mets traf für St. Pauli gegen Köln

Karol Mets traf für St. Pauli gegen Köln. Foto: WITTERS

Mets nimmt Elfer auf seine Kappe – sein Trainer sieht es anders

kommentar icon
arrow down

Er hätte der strahlende Held des Spiels werden können. Hatte die Fans am Millerntor mit seinem ersten Tor im St. Pauli-Trikot überhaupt in Ekstase versetzt. Doch am Ende war Karol Mets die tragische Figur. Niedergeschlagen und traurig wirkte St. Paulis Vor-Kämpfer, als er vom Stadionrasen ging, durch den Tunnel und in Richtung der Kabine. Beim Stopp in der Interview-Zone redete der knallharte Verteidiger Klartext und nahm den von ihm in den Schlussminuten verursachten Elfmeter, der den eigentlich erschreckend harmlosen Gästen vom 1. FC Köln mit ihrem zweiten richtig gefährlichen Torschuss des Spiels den 1:1-Ausgleich und Endstand bescherte, auf seine Kappe. Sein Trainer sah das ganz anders.

So schnörkellos Mets spielt, so gradlinig beantwortete er die Frage nach der heiß diskutierten Szene in der 83. Minute und der Elfer-Entscheidung von Schiedsrichter Jöllenbeck erst nach Ansicht der Video-Bilder (85.), nachdem er im laufenden Spiel kein strafstoßwürdiges Foul gesehen hatte. Der verwandelte Strafstoß von Waldschmidt köchelte das zuvor brodelnde Millerntor-Stadion derart schnell auf Sparflamme herunter, wie es sonst nur bei einem Induktionsherd möglich ist.

St. Pauli gegen Köln: Mets trifft und verursacht Elfmeter

„Ich habe sein Bein deutlich berührt“, sagte Mets ohne Umschweife über die Aktion im eigenen Sechzehner gegen den Kölner Kaminski, der nach einem Kontakt zu Boden gegangen war, nachdem und der Ball ins Toraus getrudelt war. „Ich weiß nicht, wie es in der Wiederholung aussieht, ich habe es noch nicht gesehen. Der Ball ging ins Aus, ich hatte also keine Chance, den Ball zu spielen. Sehr ungeschickt von mir, zum Ball zu gehen. Er hat sein Bein sehr gut reingestellt und es gab einen Kontakt. Ich denke also, es ist ein Elfmeter. Er war clever und ich war ungeschickt. Mit meiner Erfahrung hätte ich diese Situation besser lösen müssen.“


MOPO

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • Miet-Odyssee: Der alltägliche Wahnsinn bei der Wohnungssuche
  • Terrorverdacht in Eidelstedt: Was der Anwalt des 17-Jährigen sagt
  • Kerosin-Krise: 16 Tipps, die Ihren Urlaub retten
  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche
  • 16 Seiten Sport: So tickt die neue HSV-Bossin Kathleen Krüger
  • 28 Seiten Plan7: Lotto King Karl eröffnet die Stadtparksaison & Kultur-Tipps für jeden Tag

Trainer Alexander Blessin hatte die Bilder der Szene gesehen, als er auf der Pressekonferenz saß – und hatte eine ganz andere Einschätzung der Szene. „Kaminski tritt bei Mets zuerst auf die Wade“, begründete der 52-Jährige und richtete Vorwürfe nicht an Jöllenbeck und sein Team vor Ort, denen er sogar explizit ein Lob aussprach. Aber der Videoassistent müsse so etwas sehen. Der hieß am Freitagabend Christian Dingert. Und hätte nach Meinung von Blessin nicht nur die Sequenz mit dem finalen Kontakt von Mets gegen Kaminski checken und Jöllenbeck auf dem Monitor am Spielfeldrand zur Verfügung stellen müssen, sondern auch den Sekundenbruchteil davor mit besagtem ersten Kontakt andersherum.

TV-Bilder zeigen: Mets wird zuerst getroffen

In der Zeitlupe der TV-Bilder ist tatsächlich zu sehen, wie Kaminski mit der linken Fußspitze zunächst die linke Wade von Mets trifft und erst dann Mets mit seinem rechten Fuß in Kiminskis linkes Bein rutscht – der nach VAR-Intervention relevante Kontakt.

Aber: Die Szene in Gänze, mit beiden Kontakten, wirkt uneindeutig und deshalb könnte argumentiert werden, dass Jöllenbecks ursprüngliche Entscheidung, keinen Elfmeter zu pfeifen, nicht gravierend falsch war. Das ist Blessins Argumentation. Aus Sicht der Unparteiischen könnte man dagegenhalten: der erste Kontakt war zu leicht, der zweite stärker. Dennoch bleibt ein Beigeschmack.

Auch Kapitän Jackson Irvine war unzufrieden mit der Elfer-Entscheidung. „Für mich sah das soft aus“, meinte der Australier zu dem geahndeten zweiten Kontakt. Nach seinem Geschmack: zu wenig für eine Revision der ursprünglichen Entscheidung des Referees im Spiel. Keeper Nikola Vasilj schien ebenfalls nicht überzeugt, dass der Kontakt wirklich elfmeterwürdig war, aber Mets selbst legte sich fest.

Umstrittene Szene vor Elfmeter für Köln gegen St. Pauli

Über sein Kopfballtor nach einer Ecke in der 69. Spielminute konnte er sich im Moment der gefühlten Niederlage nicht freuen. „Es überwiegt der Frust, denn die drei Punkte hätten uns enorm geholfen“, sagte der Nationalspieler Estlands. „Wenn ich nach meiner Karriere darauf zurückblicke, in der Bundesliga getroffen zu haben, werde ich darüber wahrscheinlich sehr stolz und glücklich sein, aber jetzt in diesem Moment ist es bittersüß.“ Mit klarer Tendenz zu bitter.

St. Pauli-Profi Karol Mets feiert sein Tor im Heimspiel gegen Köln. WITTERS
St. Pauli-Profi Karol Mets feiert sein Tor im Heimspiel gegen Köln
St. Pauli-Profi Karol Mets feiert sein Tor im Heimspiel gegen Köln.

Einen Moment gab es dennoch, in dem ein Lächeln über das Gesicht des 32-Jährigen huschte – als er auf die gelungene Ecken-Variante angesprochen wurde, bei der Hauke Wahl den Ball am langen Pfosten vors Tor geköpft hatte, wo Mets lauerte. „Wir trainieren Ecken häufig und die Jungs machen viele Witze, dass ich niemals ein Tor schießen würde, aber ich sage ihnen immer, dass ich treffe, wenn es wirklich drauf ankommt. Ich denke, heute war ein solcher Zeitpunkt.“ Nur das der Erfolg nicht von einem Sieg gekrönt worden war.

Der wäre verdient gewesen. St. Pauli war über weite Strecken die bessere Mannschaft, hatte die Kölner gut im Griff und nur sehr wenig zugelassen. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie realistische Chancen hatten, ein Tor zu schießen, nachdem wir getroffen hatten“, ärgerte sich Mets. „Es sah aus, als hätten sie keine Ideen, wie sie gefährlich werden sollen. Daher sind es heute definitiv zwei verlorene Punkte.“

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test