„Überragend“: Blessins besondere Beziehung zu Star-Referee Aytekin
Die Schiedsrichter-Problematik zieht sich weiterhin wie ein roter Faden durch die laufende Saison. An jedem Spieltag gibt es in irgendeiner Liga gewaltige Disharmonien zwischen Aktiven, Funktionären und Unparteiischen, häufig mit wenig erquickenden Untertönen. Dass es auch ganz anders laufen kann, zeigte die Partie des FC St. Pauli in Hoffenheim. Und das Verhältnis von Kiez-Coach Alexander Blessin zu Referee Deniz Aytekin.
Am Samstag ist es Kaiserslautern gewesen. Am Betzenberg hatte sich Referee Florian Exner (Münster) keine Freunde gemacht, unter anderem mit einer klaren Fehlentscheidung den Treffer zum 1:0 für die Gäste aus Paderborn (Endstand 2:1) ermöglicht. Sekunden vor der Pause war das, nach dem Halbzeitpfiff stürmte der sichtlich erregte FCK-Coach Torsten Lieberknecht gen Exner, sah nach ein paar Worten Gelb und Sekunden später Gelb-Rot.
Referee Exner brachte auch St. Pauli gegen sich auf
„Torsten Lieberknecht bekommt eine Gelb-Rote Karte, wo wir immer noch nicht wissen, wofür er diese eigentlich bekommen hat. Auch da wünsche ich mir einfach ein bisschen Fingerspitzengefühl“, schimpfte FCK-Sportdirektor Marcel Klos und beklagte generell einen unpassenden bis arroganten Umgang. „Wir spielen hier vor fast 50.000 Zuschauern ein Top-Spiel und die Gelben Karten werden verteilt, als wären wir weiß ich nicht wo. Ich verstehe es nicht. Dann gehe ich nach dem Spiel auch noch mal zu ihm und da droht er mir sofort mit der Roten Karte, wo ich mich frage: Sind die Schiedsrichter unantastbar?“
Exner hatte in der vergangenen Saison einen ähnlich unglücklichen Auftritt am Millerntor, als er beim Spiel gegen Stuttgart Nikola Vasilj mit einer mehr als strittigen Ampelkarte bedacht hatte. Auch da hatte der Schiedsrichter keine gute Figur gemacht, wie jetzt am „Betze“ unnahbar gewirkt und keine Empathie für aufkommende Emotionen gezeigt. Der von der Unparteiischenzunft zurecht eingeforderte Respekt geht andersrum gefühlt noch arg zu häufig verlustig. Allerdings nicht, wenn ein Deniz Aytekin ein Spiel leitet.
St. Pauli-Coach Alex Blessin schätzt Deniz Aytekin sehr
Auch der ist nicht frei von Fehlern, er hätte zum Beispiel St. Paulis Danel Sinani in Hoffenheim durchaus mit Gelb-Rot vom Platz stellen können. Aber dass nach der Partie über so etwas gar nicht groß gesprochen wird, hat durchaus Aussagekraft darüber, wie intakt die Beziehung zwischen dem 47-Jährigen und sämtlichen anderen Protagonisten ist. Zum Beispiel Alexander Blessin.
„Deniz kenne ich schon länger“, sagte der Kiezklub-Coach und lobte den Referee, „wie er es händelt, mit der Ruhe und Gelassenheit, Dinge aus der Emotion richtig einzuordnen“. In Sinsheim hatte es zwischen den beiden in Halbzeit eins auch eine kurze Debatte gegeben, nachdem sich Blessin über etwas beschwert hatte. „Natürlich habe ich was reingeschmissen, da ging es um ein Foul. Aber die Reaktion, die er dann hatte, ist halt überragend. Er muss mir nicht zeigen, dass er mehr oder weniger der Chef auf dem Platz ist. Er macht das mit seiner ruhigen Art, und ich war dann gleich wieder runter, ohne dass er meinte, Autorität zeigen zu müssen. Die hat er so bewiesen, ich war still.“
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Das sei einfach außerordentlich gut. „Auch dass er nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt bis zu einem gewissen Punkt“, ergänzte Blessin. „Fußball sollte auch weiterhin Emotion sein, das zeichnet den Sport aus. Und wenn die Trainer keine Emotion mehr zeigen dürfen, dann macht es keinen Spaß mehr.“ Man frage nach bei Torsten Lieberknecht in Kaiserslautern.
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