Tomoya Ando im Zweikampf mit Bilal El Khannouss

Tomoya Ando (hier gegen Stuttgarts Bilal El Khannouss) stabilisiert St. Paulis Defensive. Foto: WITTERS

Trotz erschwerter Bedingungen: Ando schießt bei St. Pauli von 0 auf 100

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Stellen Sie sich vor, einen neuen Job in einem neuen Land anzutreten. Sie sprechen die Sprache nicht, kommen in ein neues Team, Ihnen wird sehr früh sehr viel Vertrauen geschenkt. Einziges Problem: An den ersten vier Arbeitstagen haben Sie dreimal einen anderen Chef, am vierten Tag wird dann sogar Ihnen die komplette Verantwortung übertragen. Klingt surreal? Fragen Sie mal nach bei St. Paulis Tomoya Ando.

In der kurzen Winterpause verpflichtet, gab er beim 1:1 gegen RB Leipzig sein Startelf-Debüt an der Seite von Hauke Wahl, spielte beim 1:2 in Augsburg neben Eric Smith, beim 0:3 im Pokal in Leverkusen hatte er James Sands als Taktgeber im Zentrum. Und am Samstag dirigierte der Japaner St. Paulis Defensive beim 2:1 gegen den VfB Stuttgart schließlich höchstpersönlich. All das ohne Fehl und Tadel – und ohne Verständigungsmöglichkeiten mangels Kenntnissen in Englisch und Deutsch.

Tomoya Ando spricht weder Englisch noch Deutsch

„Ich habe schon einige Worte gelernt, die auf dem Platz wichtig sind“, erklärte der Innenverteidiger am Samstag in den Katakomben des Millerntorstadions. Er versuche, maximal mit seinen Mitspielern zu kommunizieren. „Die Jungs helfen mir auch sehr, deswegen ist die Kommunikation kein Problem.“ Und das Leistungsniveau auch nicht – trotz seiner späten Entwicklung.

„Wenn man sich überlegt, dass er nur ein Jahr in der J-League gespielt hat und davor in der 2. Liga…“, merkte Alexander Blessin an und fuhr fort, dass Ando mit seinen 27 Jahren „nicht mehr der Jüngste“ sei und trotzdem jetzt so eine steile Entwicklung nehme inklusive Debüt der Nationalmannschaft. „Er hat hier von Anfang an gezeigt, was er für ein Mehrwert sein kann“, lobte der Trainer. „Er passt super rein und wir sind froh, dass wir ihn haben.“

Großes Lob von St. Pauli-Trainer Alexander Blessin

Kein Wunder. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie die aktuelle Lage ohne den Neuzugang aussehen würde. Hauke Wahl fehlt seit dem Leipzig-Spiel, Eric Smith ist seit Augsburg angeschlagen und kann ebenfalls nicht spielen, zudem befindet sich David Nemeth weiterhin in der Reha-Phase nach Adduktoren-OP. Andos Verpflichtung, zumal für kein Geld, entpuppt sich jetzt schon als absoluter Glücksgriff.

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Und wie sieht der Protagonist das alles? „Das Level in der Bundesliga ist schon sehr, sehr hart“, gestand er nach der Stuttgart-Partie. „Das habe ich schon im ersten Spiel gemerkt. Aber ich habe mich schnell angepasst.“ Der Dreier jetzt mache ihn sehr froh, „die Fans haben uns gepusht und wir haben als Mannschaft gut gekämpft“. Mit einem Chef in der Abwehr, der gerade einmal fünf Wochen an seinem neuen Arbeitsplatz auf dem Buckel hat.

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