Torhüter-Wirbel in der Bundesliga: So plant St. Paulis Ex-Keeper Vasilj seine Zukunft

St. Pauli-Torhüter Nikola Vasilj breitet die Arme aus und schaut fragend
Und jetzt? Nikola Vaslij verlässt den FC St. Pauli. Sein neuer Verein steht noch nicht fest, aber es gibt einige Interessenten.

Das Kapitel St. Pauli ist beendet für Nikola Vasilj. Jetzt hat er sich auch aus Hamburg verabschiedet – bis auf weiteres. Die mittlerweile ehemalige Nummer eins der Kiezkicker hatte nur einige Tage Zeit, um den Abstieg aus der Bundesliga und den damit besiegelten Abschied von seinem langjährigen Verein zu verdauen. Jetzt bereitet sich der Torhüter mit der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina auf die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada vor. Ein Höhepunkt seiner Karriere. Die Frage, wie es nach dem Turnier für ihn weitergeht, beschäftigt nicht nur den Topkeeper selbst, sondern auch viele St. Pauli-Fans. Das Torhüter-Karussell in der Bundesliga dreht sich schon auf Hochtouren. Wird ein Platz für ihn frei? Wie Vasilj seine Zukunft plant.

Die Chance, nach der enttäuschenden Saison und dem traurigen Ende auf andere Gedanken zu kommen, ist groß, das nächste große Ziel in Sichtweite. Im bosnischen Butmir, einem Vorort von Sarajevo, bereitet sich Vasilj im Kreise seines Nationalteams seit Samstag auf die Mega-WM in Übersee vor, in das er als Nummer eins geht.

Nikola Vasilj: nach dem St. Pauli-Abschied ist vor der WM

Die meisten seiner ehemaligen Mitspieler beim FC St. Pauli sind längst im Sommerurlaub, dem Schlussmann steht bereits das nächste Spiel bevor. Am 29. Mai testet die bosnische Auswahl in Sarajevo gegen Nordmazedonien. Am 1. Juni fliegt die Mannschaft in die USA, bestreitet am 6. Juni eine Generalprobe gegen Panama in St. Louis, bevor am 12. Juni in Toronto das erste WM-Spiel gegen Co-Gastgeber Kanada über die große Bühne geht.

Nikola Vasilj weinend beim Abschied
Nikola Vasilj hat sein Herz an den FC St. Pauli verloren. Zum Abschied fand er großartige Worte.

Im Idealfall ist bis dahin seine Zukunft als Vereins-Torwart geklärt, damit er Vasilj den Kopf für das WM-Turnier frei hat. Ein Wunschszenario, das an der Wirklichkeit – und dem engen Zeitkorridor – scheitern könnte.

Einen neuen Klub hat der Keeper nach MOPO-Informationen noch nicht und es gibt auch keine Verhandlungen, die sich auf der Zielgeraden befinden. Zu frisch ist der Fakt, dass er ab 1. Juli vertragslos ist. Direkt nach dem verlorenen Saisonfinale gegen Wolfsburg (1:3) hatte Vasilj erklärt, dass es sein letztes Spiel für die Braun-Weißen war. Drei Tage nach dem Spiel hatte er sich dann mit emotionalen Worten via Social Media verabschiedet.

Im Falle eines Klassenerhalts von St. Pauli hätte sich der Kontrakt per Option um eine weitere Saison verlängert, wobei nicht sicher ist, dass der Kiezklub nicht trotzdem im Tor einen Wachwechsel vorgenommen und Ben Voll zur Nummer eins gemacht hätte, wie es nun nach dem Abstieg passiert.

Vasilj möchte in der Bundesliga bleiben – es gibt Interesse

Vasiljs Priorität ist die Bundesliga, in der er sich einen Namen gemacht und insbesondere in der Saison 2024/25 mit überzeugenden und teilweise überragenden Leistungen viel Anerkennung und ein gewisses Standing im Kreise der Topkeeper erarbeitet hatte.

Nach MOPO-Informationen gibt es mehrere Bundesligisten, die Interesse am 30-Jährigen zeigen, sowie einige Anfragen aus dem Ausland, was nicht verwundern dürfte, wenn ein Keeper wie Vasilj zu haben ist – noch dazu ablösefrei, was für Verhandlungen einen Vorteil darstellt.

Torwart-Karussell dreht sich: Wird ein Platz frei?

Der deutsche Torwart-Markt ist derzeit schon mächtig in Bewegung. Werder Bremen hat Durchstarter Mio Backhaus nach Freiburg transferiert und den vom FC Arsenal ausgeliehenen Karl Hein nun fest als Nachfolger verpflichtet. Bei Freiburg steht wiederum Stammkeeper Noah Atubolu vor dem Absprung. Mönchengladbach hat Routinier Daniel Batz von Mainz 05 als Back-up von Moritz Nicolas verpflichtet. Nummer eins in Mainz ist Robin Zentner, der allerdings gerade erst eine monatelange Verletzungspause hinter sich gebracht hat.

Nikola Vasilj weinend beim Abschied
Nikola Vasilj verabschiedete sich unter Tränen von den Fans des FC St. Pauli.

Auch bei größeren Klubs tut sich einiges. Der VfB Stuttgart holt Eigengewächs Dennis Seimen mutmaßlich als künftige Nummer eins vom SC Paderborn zurück. Der hochtalentierte Schlussmann spielt aktuell noch die Relegation gegen Wolfsburg. VfB-Keeper Alexander Nübel wiederum (war von Bayern nach Stuttgart ausgeliehen) sucht einen neuen Job. Bei Eintracht Frankfurt gibt es ebenfalls Fragezeichen bei der Besetzung des Torhüter-Teams, weil Michael Zetterer wechselwillig ist und nicht den Back-up von Kaua Santos geben möchte, der sich kommende Saison erneut als Nummer eins beweisen soll.

Fliegt er nach der WM auf die Insel? England eine Option

Klar ist, dass Vasilj bei seinem neuen Verein die erste Wahl im Tor sein möchte – auch, um seinen Status als Nummer eins im Nationalteam nicht zu gefährden. Alles andere wäre auf Bundesliga-Ebene ein Rückschritt, es sei denn, ein großer Klub will ihn als Nummer zwei verpflichten. Frankfurt könnte eine Option werden, denn es ist nicht sicher, dass sich der Brasilianer Santos tatsächlich durchsetzt. Neben der sportlichen Perspektive muss in dieser fortgeschrittenen Phase seiner Karriere auch das Finanzielle passen, weshalb auch ein Engagement als Back-up unter gewissen Umständen denkbar wäre, aber wohl als Plan B.

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  • Nach Olympia-Aus: Was Hamburger jetzt vom Bürgermeister erwarten

  • Block-Sündenbock: Warum der Familienanwalt Costard in den Fokus rückt

  • Public Viewing: In welchen Bars, Biergärten und Kneipen Sie die Fußball-WM gucken können

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche

  • 16 Seiten Sport: Aus für Blessin bei St. Pauli & Jattas emotionale HSV-Reise

  • 28 Seiten Plan7: Konzerte und mehr im Schanzenzelt, Gastro-Comeback & Tipps für jeden Tag

Dass auch die Premier League für Vasilj ein attraktives Ziel ist, dürfte nicht überraschen (welcher Spieler möchte nicht dorthin?), aber in der stärksten Liga der Welt einen Job zwischen den Pfosten zu ergattern, ist noch schwieriger als in der Bundesliga. Allerdings ist auch in England der Torhüter-Markt mächtig in Bewegung diesen Sommer. Sportlich hochwertig und finanziell lukrativ ist auch die zweite englische Liga, die EFL Championship. Doch auch Vereine aus Süd- oder Osteuropa könnten mit Europapokal oder gar der Champions League locken.

Geburt steht bevor: Vasilj wird im Sommer erstmals Vater

Es wird herausragender, aber auch herausfordernder Sommer für St. Paulis ehemalige Nummer eins zwischen WM-Highlights und Zukunftsplanung. Und dann ist da ja noch die private Seite. Vasiljs Ehefrau Sara, die vorerst in Hamburg geblieben ist, ist hochschwanger. Je besser es für ihn mit der bosnischen Auswahl bei der WM läuft desto wahrscheinlicher ist, dass er die Geburt verpasst. Gut möglich, dass Vasilj nach der WM noch einmal nach Hamburg zurückkehrt, zu Frau und Kind, um dann von dort aus mit seiner neuen kleinen Familie zu neuen Ufern zu starten.

Die WM könnte – sollte er nicht schon vorher einen neuen Klub gefunden haben – eine gute Bühne sein, um sich mit starken Leistungen und Paraden für Vereine zu empfehlen. Er hat seine Zukunft in den eigenen Händen.