FC St. Pauli

Tiefer Sturz! Wie St. Paulis Gegner aus der Dritten Liga zurückkam

Zakaria Eddahchouri kniet mit verdecktem Gesicht auf dem Rasen des José-Zorrilla-Stadions.
Für Deportivo A Coruña ging es in den vergangenen Jahren nicht nur bergauf.

St. Pauli testet gegen spanischen Erstligisten. A Coruña kickte vor drei Jahren noch in einer Amateur-Spielklasse.

Der FC St. Pauli testet am Millerntor für den Zweitliga-Ernstfall. Der Gegner am Samstagabend, Deportivo A Coruña ist ein Erstligist aus dem Land des frischgebackenen Weltmeisters Spanien. Das klingt schillernd – doch die Galizier haben schwere Jahre hinter sich, die an St. Paulis Weg in den 2000er-Jahren erinnern.

Der Jubel war groß, als Deportivo A Coruña im Mai mit dem 2:0 gegen Real Valladolid den Aufstieg in „La Liga“ geschafft hatte, die höchste Spielklasse im Land des Weltmeisters. Fortan misst sich „Depor“ nach acht Jahren Durststrecke wieder mit dem FC Barcelona und Real Madrid. Doch der Weg dahin führte durch ein tiefes Tal.

Von 2020 bis 2024 spielte Deportivo nur in der dritten spanischen Liga – gegen Mannschaften wie Coruxo, Fuenlabrada, Guijuelo, Tudelano oder den Sestao River Club. 2021 wäre es fast noch eine Liga tiefer gegangen, nur ein Punkt Vorsprung auf Numancia bewahrte A Coruña vor dem Sturz in die Viertklassigkeit.

Makaay knipst Deportivo zum Titel

Die Zeiten, in denen der Verein „Super Depor“ genannt wurde und dank 22 Toren des späteren Bayern-München-Stürmers Roy Makaay 2000 mit fünf Punkten Vorsprung auf den FC Barcelona die spanische Meisterschaft gewann, waren lange vorbei – fast so lange wie der Auftritt im Volksparkstadion, als A Coruña den HSV im November 2000 durch ein 1:1 aus der Champions League warf.

Roy Makaay trifft 2000 für „Depor“ zum 1:1 im Volksparkstadion.
Roy Makaay trifft 2000 für „Depor“ zum 1:1 im Volksparkstadion.



Es wurde zwar besser, aber lange noch nicht gut. 2022 und 2023 scheiterte Depor in den Aufstiegs-Playoffs, 2024 sah es nach einer Niederlage gegen die zweite Mannschaft des Lokalrivalen Celta de Vigo auch nicht gut aus – doch mit einem starken Endspurt sicherte sich A Coruña doch noch die Drittliga-Meisterschaft. Mehr als 31.000 Fans stellten beim entscheidenden Aufstiegs-Heimspiel zudem einen Zuschauerrekord für die „Primera Federación“ auf, wie die höchste Amateur-Spielklasse in Spanien genannt wird.

Nach den „Retter“-Shirts kam Neumünster

Vier Jahre Dritte Liga waren vorbei – wie 2007 für den FC St. Pauli, der 2003 nach zwei Abstiegen in Folge in der Regionalliga Nord gelandet war und dafür erst über den Verkauf von „Retter“-T-Shirts das nötige Geld zusammen bekam. Die braun-weißen Gegner hießen fortan VfR Neumünster, Sachsen Leipzig, Kickers Emden, Wattenscheid 09 oder gar Arminia Bielefeld Amateure und HSV Amateure.


Als die Rückkehr in die Zweite Liga nach vier Jahren geschafft war, brauchte der Kiezklub noch drei weitere Saisons, um in die Bundesliga aufzusteigen. Eine mehr als Depor für den aktuellen Sprung in die spanische Eliteklasse. Nach langer Zeit spielen die Galizier im Quervergleich wieder höher als der FC St. Pauli und dienen dem Bundesliga-Absteiger als Messlatte für eine derzeit noch schwer abzuschätzende Zweitliga-Saison. A Coruñas Weg zwischen 2018 und 2024 muss ja nicht unbedingt Vorbild sein. 

Kommentare öffnen