Teuerster Transfer der St. Pauli-Geschichte? Fujitas wahrer Wert und die Hintergründe

Joel Chima Fujita beim Gewinn der U23-Asienmeisterschaft 2024
Ausgezeichnet: Joel Chima Fujita gewann mit Japan die U23-Asienmeisterschaft 2024 - und wurde zum besten Spieler des Turniers gekürt.

Es war eine Neuverpflichtung ohne Ansage, zum Ende der Woche, auch noch ziemlich spät, für die Öffentlichkeit aus dem Nichts. Und der Name des Spielers dürfte nur eingefleischten Insidern ein Begriff gewesen sein. Das könnte sich schon sehr bald ändern. Mit Joel Chima Fujita hat der FC St. Pauli einen jungen umworbenen Mittelfeldspieler verpflichtet, der als großes Talent gilt und dem einiges zugetraut wird. Das hat seinen Preis. Der japanische Nationalspieler wird gar als teuerster Transfer der braun-weißen Vereinsgeschichte gehandelt. Aber stimmt das? Wertvoll soll er vor allem sportlich werden. Spannend ist, wie sich sein Ex-Klub zum Abschied äußert. Es lässt erahnen: St. Pauli könnte einen Coup gelandet haben.

Bitte, wer? Das dürften sich viele Fans des Kiezklubs am frühen Freitagabend gefragt haben, als die Meldung rausging, dass ihr Verein Joel Chima Fujita unter Vertrag genommen hat. Der 23-Jährige wechselt vom belgischen Erstligisten VV St. Truiden, wo er Stammspieler und Leistungsträger war, zum FC St. Pauli – wo er ebenfalls eine solche Rolle spielen soll, früher oder später.

Joel Chima Fujita: Auch Besiktas und Stuttgart waren dran

Der Rechtsfuß gilt als eines der größten Mittelfeld-Talente Japans, hat vier Länderspiele bestritten und zuvor für die Nachwuchs-Nationalmannschaften gespielt. Mit der U23 nahm er am Asian Cup teil, gewann das Turnier und wurde als Most Valuable Player (MVP) ausgezeichnet, was für einen defensiven Mittelfeldspieler beachtlich ist. Er war auch Kapitän des Teams, was für seine Führungsqualitäten spricht. In Japans A-Nationalmannschaft gilt der 1,75 Meter große Sohn einer japanischen Mutter und eines nigerianischen Vaters als Spieler der Zukunft.

Bei dem Transfer hat St. Pauli offenbar auch namhafte Konkurrenz ausgestochen – darunter den türkischen Topklub Besiktas Istanbul und AEK Athen. Besiktas galt zuletzt als Favorit im Fujita-Poker. Auch der VfB Stuttgart, seit Langem eine gute Adresse für japanische Spieler, soll Interesse an den Diensten des vielversprechenden Jungprofis gehabt haben, der auf der Sechserposition zu Hause ist, aber auch als Achter spielen kann.

Die Stärken von Fujita passen perfekt zu St. Paulis Spiel

Seine Stärken: hohe Laufbereitschaft und Ausdauer, ein gutes Auge und präzises Passspiel (51 Pässe pro Spiel, 83 Prozent angekommen), enge Ballführung, Aggressivität im Zweikampf (aber nur 1,3 Fouls pro 90 Minuten), hohe taktische Disziplin, Handlungsschnelligkeit, sehr gutes Umschaltverhalten, wenig Fehler. In der statistischen Kategorie „abgefangene Bälle“ zählte Fujita in der abgelaufenen Saison (27 Einsätze, alle in der Startelf, 36 Pflichtspiele ingesamt) zu den Top Ten der belgischen Liga.

Andreas Bornemann begrüßt Joel Chima Fujita beim FC St. Pauli
Andreas Bornemann begrüßt Joel Chima Fujita beim FC St. Pauli.

Deutlich besser werden kann er bei der Präzision seiner Torabschlüsse. Ein Treffer ist ihm vergangene Saison nicht gelungen, er hat jedoch vier Tore vorbereitet. Aber: Fujita ist in erster Linie als spielstarker Abräumer verpflichtet worden. Und da bringt er verdammt viel mit, was St. Pauli bei seiner defensiv-basierten Ausrichtung mit schnellem Umschalten benötigt.

Ablöse-Millionen: Ist Fujita St. Paulis Rekord-Einkauf?

Ein solches Paket verbunden mit noch mehr Potenzial hat seinen Preis. St. Pauli und St. Truiden haben Stillschweigen über Vertragslaufzeit und Ablösesumme vereinbart. Beim langfristig planenden Kiezklub dürfte Fujita aber einen Drei- oder Vier-Jahres-Vertrag unterzeichnet haben. Laut des umtriebigen belgischen Transfer-Influencers Sascha Tavolieri zahlt St. Pauli 3,5 Millionen Euro Ablöse plus Boni, und im Falle des Klassenerhalts kommen noch mal zwei Millionen obendrauf. Zweifel an diesen Zahlen sind angebracht, insbesondere an der sehr hohen Zusatzzahlung. Das wäre eher untypisch für St. Pauli und die Transfer-Regionen, in denen sich der Kiezklub bislang bewegte.

Die tatsächliche Ablösesumme, die St. Pauli für Fujita zahlt, dürfte tatsächlich im Bereich des vor dem Wechsel geschätzten Marktwertes (drei Millionen Euro) liegen. Gut möglich, dass die vielen Millionen und Boni seitens St. Truiden gestreut worden sind, denn der Abgang von Fujita ist ein großer Verlust für den Klub und seine Fans und ein besonders hohes Schmerzensgeld macht sich gut, zumal Transfer-Berichterstatter oft von Beratern und auch Vereinen in ihrem jeweiligen Interesse mit Informationen versorgt werden – sie liegen häufig richtig, aber nachweislich auch oft falsch.

St. Pauli dürfte Fujita als Stammspieler einplanen

Teuerster Spieler der Vereinsgeschichte ist höchstwahrscheinlich weiterhin Morgan Guilavogui, den St. Pauli nach einem Jahr Leihe per Option für gute drei Millionen Euro gekauft hat – und er ist auch in der Hinsicht Rekord-Transfer, dass kein Spieler nach einer Verpflichtung kürzer beim Kiezklub war: Zehn Tage. Dann kaufte der RC Lens den Stürmer bekanntlich per Rückkauf-Klausel für knapp 4,5 Millionen Euro wieder zurück.

Millionen sind das eine, der sportliche Wert das andere. Fujita dürfte bei St. Pauli eine Stammplatz-Perspektive aufgezeigt bekommen haben, anders macht sein Wechsel für ihn keinen Sinn, schließlich will er sich nach einer tragenden Rolle bei St. Truiden und einer auffälligen Saison in der Jupiler Pro League in einer stärkeren Liga spielend weiterentwickeln, auch im Nationalteam etablieren und möglichst mit Japan an der WM 2026 teilnehmen. Und St. Pauli wird nicht so viel Geld für einen Spieler ausgegeben haben, um ihn als Ergänzung oder Back-up einzuplanen. Aber: Fujita muss sich erst einmal in der neuen Mannschaft, Liga und Stadt einfinden.

VV St. Truiden preist den prägenden „Publikumsliebling“

Sein Ex-Verein bedauert den Verlust sehr. Es sagt einiges über den Spieler und Menschen Fujita, wie er von St. Truiden verabschiedet wird. In der Nachricht seines Wechsels heißt es unter anderem: „Dank seiner Arbeitsmoral und seinem ewigen Lächeln wurde er zum Publikumsliebling“. Er habe in den zwei Jahren dem Spiel der Mannschaft „seinen Stempel aufgedrückt“.

Joel Chima Fujita
Der Japaner Joel Chima Fujita kommt aus Belgien zum FC St. Pauli.

Sportdirektor André Pinto, der ein großes Interesse anderer Vereine an Fujita bestätigte, schwärmt regelrecht von Fujita: „Joel ist der Typ Spieler, von dem jeder Trainer träumt: ein Mannschaftskamerad, der alles tut, um besser zu werden, und der nach dem Training sogar alleine trainiert. So konnte er sich zu einem der besten zentralen Mittelfeldspieler der Liga und zu einem Nationalspieler entwickeln. Auch bei unseren Fans war er sehr beliebt. Weil er die DNA des STVV auf dem Spielfeld verkörperte, aber auch weil er für die Öffentlichkeit zugänglich war. Wir werden seine Professionalität und sein ewiges Lächeln vermissen.“

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Verdammt viele Lorbeeren für einen 23-Jährigen. Die kämpferische und einsatzfreudige Spielweise sowie die gute Laune könnten Fujita auch beim Kiezklub schnell zu einem nicht nur bei Trainer Alexander Blessin beliebten Spieler machen, sondern auch das Publikum begeistern. St.-Truiden-Sportchef Pinto hält Fujitas neue Adresse für passend: „In Sankt Pauli wird Fujita einem Verein mit einer starken Identität und treuen Fans beitreten, genau wie dem STVV. Wir wünschen ihm viel Erfolg.“ Wunderdinge sollte man nicht auf Anhieb erwarten – aber sehen können, warum er einer der braun-weißen Schlüsseltransfers dieses Sommer ist.