FC St. Pauli
Sympathie-Check: Auf welche Gegner sich St. Pauli-Fans freuen – und auf welche nicht
Den Großteil der 17 Gegner in der 2. Liga kennt der FC St. Pauli. Bei manchen von ihnen gibt es freudige Wiedersehen für die Fans – und auf andere könnte man eher verzichten.
Es ist weiß Gott kein Neuland, das der FC St. Pauli ab dem ersten August-Wochenende betreten wird. Große Teile der Weggefährten in der 2. Liga sind dem Kiezklub detailliert bekannt, zu den wenigsten davon unterhält man ein freundschaftliches Verhältnis. Worauf sich die Fans längst vorbereiten, welche Wiedersehen in jedem Fall Freude bereiten werden – und welche eher weniger: Die MOPO blickt voraus.
SpVgg Greuther Fürth (1. Spieltag)
In Philipp Ziereis (33) kehrt ein langjähriger Kiez-Kapitän am ersten Spieltag ins alte Wohnzimmer zurück, wenn er denn nicht noch nach Australien (Melbourne) wechselt. Andersrum erhält das Duell noch mehr Charme durch St. Paulis Verpflichtung von Kleeblatt-Ikone Branimir Hrgota (33). Weil die Fürther Ultras politisch eher links unterwegs und einige Fanclubs bei Antifa-Turnieren regelmäßige Gäste sind, gibt es durchaus Sympathien. Auch, weil St. Pauli beim Aufstieg 2010 am Ronhof ausgiebig feiern gelassen wurde.
Holstein Kiel (2. Spieltag)
War man vor einigen Jahren als St. Pauli-Fan noch mit dem gleichen schlechten Gefühl an die Förde gefahren wie nach Lübeck, so ist das derzeit im Wandel. Es passiert was in der KSV-Fanszene, schon länger, vor allem junge Menschen wirken auf die Haltung ein. Für Neu-Trainer Marcel Rapp ist es derweil die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Auf der anderen Seite stehen mit Kiel-Coach Tim Walter sowie einigen ehemaligen Rothosen bekannte Rivalen aus vergangenen Hamburger Stadtderbys.
1. FC Kaiserslautern (3. Spieltag)
Die Ereignisse der vergangenen Woche sagen eigentlich alles. Da hatte sich der Verein in den sozialen Medien als Unterstützer des „Kein Bock auf Nazis“-Festivals im westpfälzischen Kusel gezeigt – und war dafür massiv angegangen worden. Von Fans und sogar von der heimischen Politik. Mehr muss man nicht wissen.
Arminia Bielefeld (4. Spieltag)
Ex-Kiezklub-Coach Ewald Lienen, in der Nähe wohnhaft und regelmäßig zu Gast auf der Alm, schwärmt in höchsten Tönen von der Entwicklung des Vereins im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich. Allerdings das aus St. Pauli-Fansicht wohl größere Kriterium: „Schwarz-Weiß-Blau – Arminia und der HSV“ – eine seit den 1970ern bestehende Freundschaft des Bielefelder Anhangs zum Stadtrivalen.
VfL Wolfsburg (5. Spieltag)
In Hauke Wahl gibt es erstmals überhaupt eine St. Pauli-relevante Bezugsperson im Kreis der Wölfe. Ansonsten gab es zwar im Vorjahr am Bahnhof in Hannover einen Vorfall zwischen beiden Fanlagern. Grundsätzlich aber ist den Leuten beim Kiezklub kaum ein Verein egaler als der Mit-Absteiger VfL.
FC Energie Cottbus (6. Spieltag)
Ein Liga-Comeback, das aus Hamburger Warte keiner gebraucht hat. Unvergessen die unwürdige Einlasskontrolle beim letzten oder vorletzten Gastspiel in der Lausitz, als sich auch Frauen teils komplett entkleiden mussten. Und dass bei Energie die rechte Szene die Kurve kontrolliert, wurde erst vor wenigen Tagen klar. Da setzte es für eine Gruppe andersdenkender Energie-Fans schlimm Prügel.
Karlsruher SC (7. Spieltag)
Möglicherweise hat ein tragischer Vorfall die Beziehung nachhaltig beeinflusst. Vor dem letzten Gastspiel im Wildpark im April 2024 hatte sich das Unglück um FCSP-Fan „Kiste“ ereignet, der im Krankenhaus verstarb. Dass es dazu ein Mitgefühl vermittelndes Plakat bei den KSC-Fans gab, hat bei den Hamburgern durchaus Respekt erzeugt.
Hannover 96 (8. Spieltag)
Aus Fan-Sicht ebenfalls mit dem HSV verbandelt und zudem immer gut für eine geschmacklose Tapete. Man mag sich nicht, das trifft es wohl am ehesten. Beim letzten 96-Gastspiel am Millerntor gab es einen erheblichen Vorfall in der Gäste-Kurve, allerdings war seinerzeit im Spätherbst 2023 vor allem die Polizei Zielscheibe der Kritik aus Hannover.
SV Darmstadt 98 (9. Spieltag)
Ein Ausreißer nach oben, ohne jede Frage. Nicht ohne Grund gibt es eine hohe Schnittmenge an Kombi-Fans, die es sowohl mit den Lilien als auch mit dem Kiezklub halten. Ein absolutes Match.
1. FC Nürnberg (10. Spieltag)
Freuen darf man sich auf ein Wiedersehen mit Finn Ole Becker. Der verließ St. Pauli vor vier Jahren, um in Hoffenheim durchzustarten, schaffte den Sprung schlussendlich aber nicht. Mit nunmehr auch schon 26 Jahren ist er Stammkraft beim Club, dessen Fanszene noch eine nennenswerte Menge an Alt-Hools beherbergt.
1. FC Magdeburg (11. Spieltag)
Man steht sich traditionell in inniger Abneigung gegenüber. Beim FCM gibt es nach wie vor eine stabile rechte Szene. Spaßbefreite Begegnung.
VfL Bochum (12. Spieltag)
Es gibt Dinge, die passen zwischen den Fanlagern, zum Beispiel die gemeinsame Freundschaft mit der Schickeria des FC Bayern. Auch ist nicht vergessen, wie herzlich der VfL vor gut einem Jahr am Millerntor in die 2. Liga verabschiedet wurde, zudem kickt in Noah Weißhaupt ein Ex-St. Paulianer beim VfL. Dennoch ist die Beziehung auch nicht ganz frei von Störungen.
SG Dynamo Dresden (13. Spieltag)
Einzige positive Aspekte sind das bevorstehende Stelldichein mit Ex-Kiezklub-Kapitän Sören Gonther, nunmehr Sportchef bei der SGD, sowie die erneute Begegnung mit Robert Wagner, der in der vorletzten Saison noch Braun-Weiß trug. Auf alle anderen Arten von Wiedersehen könnte man aus St. Pauli-Warte gut verzichten. Dass es beim Duell am Millerntor zu Ausschreitungen kommen wird, ist fast schon vorprogrammiert.
1. FC Heidenheim (14. Spieltag)
Ein Mitabsteiger, dessen Begleitung man sehr schätzt seitens des Anhangs. Man hat Achtung voreinander und auch viele gemeinsame Stoßrichtungen mit Heidenheim.
VfL Osnabrück (15. Spieltag)
Vermutlich das Spiel mit der größten emotionalen Aufladung, weil Timo Schultz erstmals seit seinem Abgang vom Kiez im Dezember 2022 auf seinen langjährigen Verein treffen wird. Rein Fan-technisch herrscht keine Harmonie, nennenswerte Rivalität gibt es aber auch keine.
Hertha BSC (16. Spieltag)
Schwierig. Bei den Berlinern gibt es mittlerweile so viele unterschiedliche Fangruppierungen, dass eine seriöse Einordnung nicht möglich ist. Unvergessen aus sportlicher Sicht, wie St. Pauli am 30. September 2023 das fast ausverkaufte Olympiastadion einnahm (2:1), unterstützt von rund 13.000 Menschen.
Eintracht Braunschweig (17. Spieltag)
Ähnlich gelagert wie Hannover oder Nürnberg. Als St. Pauli-Fan reist man nicht unbedingt in die Löwenstadt und rechnet dabei mit dem Schlimmsten, auf Liebe und Frieden ist man bei dem Ausflug allerdings auch nicht eingestellt.
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