St. Paulis letztes Heimtor 2011: Ex-Bayern-Keeper Butt kann es nicht glauben

Marcel Eger bejubelt sein Tor gegen den FC Bayern
Ein Tor für die Ewigkeit – aber wie lange noch? St. Paulis Marcel Eger bezwang im Mai 2011 Bayerns Keeper Jörg Butt zum 1:5. Der Endstand: 1:8.

Hand aufs Herz: Können Sie sich daran erinnern, was Sie vor 4935 Tagen getan haben? Nein? Kein Problem, damit stehen Sie nicht allein da. Doch all diejenigen, die zum FC St. Pauli halten, wissen ziemlich genau, was sie an diesem Samstag erstmals seit 4935 Tagen unbedingt mal wieder tun möchten. Der Bann soll gebrochen werden, so lautet wieder mal der Plan, aber diesmal soll es wirklich soweit sein: Braun-Weiß will im fünften Anlauf sein erstes Heimtor seit dem Wiederaufstieg erzielen. Natürlich gegen die großen Bayern. So wie einst, am 7. Mai 2011.

Der Mann, der rund 800 Auto-Kilometer vom Millerntor entfernt an sein Handy geht, mag kaum glauben, was er da hört. „Ist das wirklich wahr?“, fragt Jörg Butt, als die MOPO ihn in München erreicht. „Haben die danach wirklich kein Heimtor mehr in der Bundesliga erzielt?“ Haben sie nicht. Butt, damals Keeper der Bayern, war der letzte gegnerische Torwart, der in einem Bundesligaspiel am Millerntor hinter sich greifen musste. Damals war er noch dunkelblond. Mittlerweile ist er 50 Jahre alt und in Ehren ergraut.

Hans-Jörg Butt kassierte letztes Heimtor des FC St. Pauli

Lang ist’s also her. Und dennoch: Ein paar Erinnerungen hat Butt noch. „Ich glaube, die Flanke kam von der Seite der Haupttribüne“, sagt der Schlussmann, der von 1997 bis 2001 beim HSV seine Erstliga-Karriere startete und der fußballerisch beste Keeper seiner Zeit war. „Der Treffer resultierte dann aus einem Kopfball. Natürlich unhaltbar …“

Viel mehr kommt ihm nicht mehr in den Sinn von diesem Nachmittag, der für die Bayern ansonsten wie geschmiert lief. Mit 8:1 siegten sie am Millerntor, eine ganz klare Nummer. „Natürlich will man als Torwart immer den Kasten sauber halten“, sagt Butt auch mit 4935 Tagen Abstand. „Aber ganz ehrlich: Es gab Gegentore, die mich mehr geärgert haben. Das war für mich kein besonderer Treffer.“

Keine 200 Kilometer entfernt von Butt gibt es zumindest einen Menschen, der das etwas anders sieht. „Total geil war das“, sagt Marcel Eger, der Butt damals überwand. Der 41-Jährige lebt mittlerweile wieder in seiner fränkischen Heimat und könnte den Treffer zu jeder Tages- und Nachtzeit noch immer bis ins Detail nacherzählen. Denn was sich da nach 78 Minuten beim Stand von 0:5 und nach Max Kruses Flanke tat, war alles andere als normal. „Es war mein letztes Spiel am Millerntor“, erzählt Eger, der niemals zuvor in der Bundesliga getroffen hatte. „Mein Papa war da und ich habe nur gedacht: Was ist denn das bitte für ein Drehbuch?“ Das Ende vom Lied ist bekannt. Für St. Pauli blieb es bis zu diesem Sommer das letzte Bundesliga-Heimspiel.

Marcel Eger erzielte letztes St. Pauli-Tor am Millerntor

Eger ging und blieb doch immer in den Köpfen. Als Schütze des vorerst letzten Tores. Ruhm, „auf den ich gern hätte verzichten können“, wie er sagt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so lange hinzieht.“

Aber alles hat ja mal ein Ende. Das weiß auch Butt, der grundsätzlich eher zu den Bayern und dem HSV hält. Erst am Mittwoch besuchte er den Champions-League-Auftritt der Münchner gegen Benfica Lissabon (1:0), noch so ein Ex-Klub von ihm. „Vielleicht reißt St. Paulis Serie ja nun gegen die Bayern“, stellt er fest. „Das wäre natürlich kurios.“

Eger hätte nichts dagegen. Es ist Zeit für eine neue Geschichte. Für „Song 2“. Für Erstliga-Torjubel in Braun-Weiß. Endlich auch wieder am Millerntor.