St. Paulis Kapitäns-Frage: Was Hürzeler anders machen will als Schultz
Es kann nur einen geben – eigentlich. Aber hier geht es nicht um Highlander, sondern um Spielführer und einen Verein, der dafür bekannt ist, Dinge gerne anders zu machen. In der abgelaufenen Saison hatte der FC St. Pauli zwei gleichberechtigte Kapitäne, die abwechselnd die Binde trugen. Eine ungewöhnliche Maßnahme von Trainer Timo Schultz, die Nachfolger Fabian Hürzeler in der Rückrunde beibehielt. Aus Überzeugung? Vor seiner ersten kompletten Spielzeit macht der Chefcoach zur K-Frage eine klare Ansage.
Im Trainingslager in Südtirol wollen die Kiezkicker nicht nur die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison 2023/24 legen, intensiv an ihrer Fitness arbeiten und am Spielsystem und den Abläufen feilen. Der Trainer wird sich auch mit den Themen Hierarchie und Führung im Team beschäftigen und Entscheidungen treffen.
Zwei Kapitäne – in der Vorsaison Jackson Irvine und Leart Paqarada – gehören der Vergangenheit an. „Es wird definitiv einen geben, den ich festlegen werde“, stellt der 30-Jährige unmissverständlich klar. Mit einer Vehemenz, die nahe legt, dass er kein Freund des Doppel-Modells war und möglicherweise im Winter nur daran festgehalten hat, um sich keinen zusätzlichen Unruheherd zu schaffen. Heißt auch: Die Entscheidung für einen klaren Kapitän hat nichts mit Paqaradas Abgang zu tun.
Ex-Trainer Schultz ließ Mannschaftsrat wählen
Im vergangenen Sommer hatte Schultz im Trainingslager sein Team einen fünfköpfigen Mannschaftsrat wählen lassen. Die Wahl war auf Irvine, Paqarada, Eric Smith, Marcel Hartel und Luca Zander gefallen. Aus diesem Kreis hatte Schultz dann die beiden Kapitäne bestimmt.
Auch das Prozedere der Gremiums-Wahl stellt Hürzeler auf den Prüfstand. „Ob der Mannschafts-Rat gewählt wird oder nicht, werden wir uns im Trainingslager auch noch intensiver angucken“, verrät er. Das hat nichts damit zu tun, dass Hürzeler der Demokratie misstraut, sondern – wie bei allen Dingen, die den Fußball betreffen – ein Überzeugungstäter ist und ungern Kompromisse macht, wenn sie seinen Prinzipien widersprechen.
Hürzeler: „Kein Fan von flachen Hierarchien“
„Ich habe ganz klare Vorstellungen, wie eine Mannschaft auszusehen hat“, betont der Kiez-Coach. „Ich bin kein Fan von flachen Hierarchien, sondern von ganz klaren Hierarchien im Team und da müssen ganz bestimmte Personen im Mannschaftsrat sein.“
Favorit auf die Binde ist Irvine. Es wäre nur logisch, schließlich war der australische Nationalspieler auch in der Vorsaison einer der beiden Kapitäne, ist absoluter Leistungsträger und Führungsspieler, innerhalb der Mannschaft enorm respektiert und mit hoher kommunikativer und integrativer Kompetenz ausgestattet. Aufgrund seiner zentralen Position auf dem Feld hat er einen großen Einflussbereich.
Neben Irvine: Auch Smith ein Kandidat
Eric Smith erfüllt das Anforderungsprofil ebenfalls, wäre gleichermaßen ein geeigneter Kapitän wie starker Stellvertreter. In der Hierarchie stand der Schwede schon in der vergangenen Saison sehr weit oben.
Missgunst ist nicht zu befürchten, denn erstens sind Irvine und Smith keine Typen, die die Binde am Arm als Statussymbol sehen, und zweitens sind sie befreundet.
Hartel durfte die Kapitänsbinde in Testspielen tragen
In zweien der drei Testspiele dieser Vorbereitung hat auch Marcel Hartel zeitweise die Binde getragen. „Ich fühle mich geehrt, dass ich das machen darf“, sagt er und stellt sofort klar: „Ich habe aber keinen Anspruch darauf.“ Gleichwohl habe er sich vorgenommen, verbal noch mehr voranzugehen und „auf dem Platz lauter zu sein“.
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An Führungsspielern mangelt es St. Pauli nicht und mit Hauke Wahl und Andreas Albers hat der Verein zwei Vertreter dieser Gattung hinzugeholt. Beide sind trotz Neulings-Status durchaus Kandidaten für den Mannschaftsrat – ob nun von den Mitspielern gewählt, oder von Hürzeler bestimmt.
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