„Wir reden ständig“: Blessin über Smith-Spekulationen und Mainz-Match
Es ist das Finale eines extremen Jahres für den FC St. Pauli, das mit nacktem Klassenkampf begonnen hat und auch so endet, ein gefeierter Bundesligaverbleib im Sommer inklusive. Im letzten Spiel wollen die Kiezkicker noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren und alles verbrennen, was noch im Tank ist. Bei Schlusslicht Mainz 05 wollen die Braun-Weißen am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) eine Woche nach ihrem immens wichtigen Heimsieg gegen Heidenheim noch einmal Punkte nachlegen, am besten dreifach, um das Zählerkonto aufzustocken, mindestens aber den Kellerkonkurrenten auf Distanz zu halten. Auf seinen rot-gesperrten Abwehrchef Eric Smith muss Trainer Alexander Blessin verzichten – und sprach vor dem letzten Spiel nicht nur über den hochwertigen Vertreter, sondern auch über Spekulationen um einen Winterabgang von Smith.
Für das heiße Duell in Mainz ist die Sache klar: Der Schwede ist nach seiner heiß diskutierten Roten Karte beim Sieg gegen Heidenheim (2:1) für ein Spiel gesperrt. Seine Rolle im Abwehrzentrum wird Hauke Wahl übernehmen, was dieser in der Vergangenheit mehrfach hervorragend gemacht hatte, wenn Smith nicht verfügbar war.
Hauke Wahl wird Eric Smith als Abwehrchef ersetzen
„Hauke braucht sich nicht verstecken“, unterstrich Blessin bei der Pressekonferenz zum Spiel, dass Wahl ein vollwertiger Vertreter ist und als zentraler Innenverteidiger sogar noch stärker als rechts in der Dreierkette. Seinen Stammplatz dort wird, wie schon in der zweiten Halbzeit gegen Heidenheim, aller Voraussicht nach Adam Dzwigala übernehmen.

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Dass Smith nicht nur dieses eine Spiel verpasst, sondern möglicherweise gar nicht mehr für St. Pauli spielen wird, hatte nach dem Heidenheim-Spiel der „Kicker“ spekuliert und davon berichtet, dass der 28-Jährige einen Winter-Wechsel ins Auge gefasst haben soll. Das wäre der sportlichen Leitung des FC St. Pauli – sowohl Trainer Blessin als auch Sportchef Andreas Bornemann – neu.
Smith-Wechsel im Winter? Blessin geht „nicht davon aus“
„Ich habe davon nichts gehört“, sagte der Coach auf Nachfrage zu den Gerüchten. „Wir wissen, dass es im Fußball schnell gehen kann, aber ich gehe nicht davon aus.“ Das mag auch daran liegen, dass Blessin einen intensiven Austausch mit seinen Führungsspielern pflegt. „Wir reden ständig, aber mir ist nichts zu Ohren gekommen.“
Zu bedenken ist, was Smith noch Ende November im exklusiven MOPO-Interview zu Gerüchten, er wolle im Winter oder spätestens im Sommer den Verein verlassen: „Ich weiß nicht, woher das kommt, dass ich gesagt hätte, ich wolle den Verein verlassen. Ich denke, ich war immer sehr deutlich. Ich mag es hier. Meine Familie mag es hier“, hatte er klargestellt. „Wir führen seit vier Jahren in jedem Transferfenster die gleichen Gespräche. Es gibt Interesse, aber so ist Fußball. In den letzten drei Jahren habe ich es geschafft, recht gut zu spielen, und dann ist es ganz normal, dass Interesse besteht. Aber wie gesagt, ich habe einen Vertrag beim FC St. Pauli, und solange ich den habe, werde ich hier mein Bestes geben.“ Das klingt ziemlich unmissverständlich. Nach einem Bekenntnis.

Sollte sich Smith dennoch mit dem Gedanken tragen, als Co-Kapitän im Winter seine mitten im Klassenkampf steckende Mannschaft zu verlassen, hat er das seinem Trainer gegenüber nicht geäußert oder angedeutet, vorausgesetzt, Blessin mauert nicht verbal, um vor dem Mainz-Spiel keine Unruhe aufkommen zu lassen.
Kiezkicker wollen sich in Mainz mit Punkten beschenken
Der Trainer fokussiert sich jedenfalls auf das, was unmittelbar bevorsteht und was er beeinflussen kann: das Spiel in Mainz. „Wir wollen vor Weihnachten einen weiteren Schritt gehen und mit Punkten oder einem Sieg ins neue Jahr gehen“, benennt er das braun-weiße Ziel. St. Pauli rangiert vor diesem Spieltag mit elf Zählern auf dem Relegationsplatz, die Rheinland-Pfälzer sind mit nur sieben Punkten Schlusslicht, allerdings zeigt ihre Formkurve unter ihrem neuen Trainer Urs Fischer nach oben, was der 2:0-Sieg gegen Samsunspor am Donnerstag beweist, mit dem Mainz ins Achtelfinale der Conference League eingezogen ist.
„Wir wissen, dass es eine harte Nuss wird, aber die wollen wir knacken“, sagt Blessin zur Schwere der bevorstehenden Aufgabe, die sein Team mit höchster Intensität und Konzentration angehen will, um den jüngsten Aufwärtstrend mit vier Punkten aus den letzten beiden Spielen fortzusetzen. „Alle Jungs haben sich eingeschworen, von den letzten Performances keinen Schritt abzuweichen.“
Stürmer Hountondji wieder fit und einsatzbereit
St. Pauli kann im Jahresfinale wieder auf Stürmer Andréas Hountondji zurückgreifen, der nach seinem beim Spiel in München (1:3) erlittenen Muskelfaserriss wieder fit und einsatzfähig ist. Damit stehen mit Ausnahme des gesperrten Smith und des langzeitverletzten David Nemeth alle Profis zur Verfügung.
Die Winterpause ist bekanntlich kurz, der Start ins neue Jahr hat es in sich: Nach der Heim-Generalprobe gegen Werder Bremen (4. Januar) folgt der Liga-Neustart mit einer englischen Woche und Spielen gegen RB Leipzig (10. Januar), in Wolfsburg (14. Januar) und in Dortmund (17. Januar) und dann steht schon das Derby-Rückspiel (23. Januar) an. Auch deshalb ist der Trainingsauftakt früh terminiert. Schon am 30. Dezember trifft sich die Mannschaft wieder an der Kollaustraße, am 31. Dezember, dem letzten Tag dieses Jahres, steigt das erste öffentliche Training.
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