St. Pauli zermürbt die Bundesliga – und das ist gut so!
Wer Augenschmaus will, muss andere Klubs gucken. Aber Qualität im Fußball definiert sich nicht nur über die Offensive, vielmehr ist es eine große Kunst, das eigene Tor zu verteidigen. Eine Kunst, die sich der FC St. Pauli auf die Fahnen geschrieben hat, die zwischenzeitlich mal abhandengekommen war – jetzt aber vollumfänglich zurück ist. Die MOPO erklärt, wie St. Pauli das geschafft hat.
Es ist nun wirklich nicht die Regel, dass Stürmer die Verteidiger des Gegners loben. So geschehen aber am vergangenen Sonntag, als Frankfurts Top-Torjäger Jonathan Burkardt über Gegenspieler Hauke Wahl urteilte: „Es ist sehr unangenehm, gegen ihn zu spielen. Er ist immer auf dem Sprung, immer im Rücken, körperlich sehr stark. Er hat mich sehr gut im Griff gehabt.“ Ein Lob, das der Angesprochene niemals nur für sich in Anspruch nehmen würde, denn alleine kann auch Wahl nichts gegen irgendwen ausrichten. Es muss schon als Mannschaft geschehen. Und da ist der FC St. Pauli nun Mitte März 2026 endgültig wieder da, wo er vor einem Jahr schon gewesen ist.
St. Pauli schaffte im Pokal in Gladbach den Turnaround
Klingt nach Stillstand und somit nach Rückschritt? Falscher könnte man kaum liegen. Denn der Weg zum aktuellen Ist-Zustand war ein massiv steiniger, einer, an dem viele andere Teams zerbrochen wären. Dass dem Kiezklub dies nicht widerfuhr, lag unter anderem an einem Sieg in Mönchengladbach.
Zwar hatte St. Pauli schon die richtige Richtung eingeschlagen, ehe es am 2. Dezember 2025 zum DFB-Pokalspiel zur Borussia ging. Doch neun Liga-Pleiten in Serie „kann man nicht wegdiskutieren. Das prägt einen“, gestand Alexander Blessin. „Aber wenn man so eine Phase gemeinschaftlich durchsteht, kann man daraus Kräfte sammeln. Und es hat sich bewahrheitet, dass es manchmal der Weg der kleinen Schritte sein muss, wenn man in so einer Phase ist.“
St. Pauli begeistert nicht im Angriff, sondern in der Abwehr
Viele kleine Schritte, zum Beispiel das 2:1 an bereits erwähntem Dezember-Abend, werden schließlich zu einem großen. Und der hat dazu geführt, dass St. Pauli die Liga wieder zermürbt. Nicht durch permanentes Toreschießen, wie es einst Ex-Kiezklub-Coach Edu Preuß präferiert hatte, sondern mittels einer idealerweise undurchlässigen Arbeit gegen den Ball.
„Gegen Frankfurt war es eine der besten Defensivleistungen, die wir bisher gezeigt haben“, sagte Blessin und fand im Zahlenwerk eindrucksvoll Bestätigung. Wenn ein mit so viel Offensivpotenzial gesegneter Champions-League-Klub auf einen xGoals-Wert von 0,38 und gerade einmal acht Torschüsse kommt, dann hat das schon Aussagekraft. Und dass das kein Zufall war, belegen die Werte aus dem Spiel gegen den nicht minder stark einzustufenden VfB Stuttgart. Die Schwaben waren beim 1:2 am Millerntor vor wenigen Wochen gar nur auf sieben Torschüsse (xGoals-Wert: 0,86) gekommen.
Blessin: „Jackson Irvine ist ein unglaublicher Fixpunkt“
Die Rückeroberung der defensiven Stabilität ist auch verbunden mit einem Namen. „Jackson Irvine ist wahnsinnig wichtig“, unterstrich Blessin. „Er ist der verlängerte Arm, das Sprachrohr, der Taktgeber. Er beruhigt die Jungs auf dem Platz, wenn es nötig ist.“ Es sei seine Präsenz, die ihn so besonders mache: „Er ist ein unglaublicher Fixpunkt für mich und für die Mannschaft.“
Das könnte Sie auch interessieren: „Keine Ausreden mehr!“: Fans erhöhen den Druck auf St. Pauli-Gegner Gladbach
Das soll so bleiben bis Mitte Mai. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, analysierte Blessin, der nochmals die seiner Meinung nach große Bedeutung des Punktes gegen Frankfurt hervorhob, gleichwohl man durch den Bremer Sieg bei Union auf den Relegationsrang zurückgefallen war. „Das war kein Killer“, erklärte Blessin, „weil wir das nicht beeinflussen können.“ Im Gegensatz zur eigenen Entwicklung. Und die schreitet voran.