St. Pauli verliert „schmerzhaft“, aber: „Am Ende ist es auch die Qualität“
Alexander Blessin hatte sich so sehnlichst einen Erfolg gewünscht, gern auch mal einen schmutzigen nach schlechter Leistung. Doch auch beim FC Augsburg lief es für den FC St. Pauli exakt andersrum: In allen relevanten Statistik-Bereichen hatten die Hamburger vor 30.660 Fans im ausverkauften Stadion die Nase vorn, nur im entscheidenden Aspekt nicht. 1:2 (1:1) hieß es am Ende, und ausgerechnet ein ehemaliger Kiezkicker stieß seinen Ex-Klub noch tiefer ins Souterrain der Bundesliga.
17:12 Torschüsse, einen xGoals-Wert von 3,02 (gegenüber 1,55 des Gegners), mehr Ballbesitz, bessere Pass- und Zweikampfquote – aber für all das gibt es halt nicht mal einen Trostzähler. Vielmehr wächst der Rückstand ans rettende Ufer mit jedem weiteren Spieltag an, ganz egal, wie unterschiedlich unnötig und unglücklich die Rückschläge für St. Pauli ausfallen.
St. Pauli verliert beim FC Augsburg
„Es ist sehr schmerzhaft“, stöhnte Nikola Vasilj. „Speziell nach einem Spiel wie diesem und nach den Chancen, die wir kreiert haben, ist es schmerzhaft, so zu verlieren.“ Aber auch dem St. Pauli-Schlussmann ist klar, dass rein mit Pech längst nicht mehr alles zu erklären ist. „Wir sagen immer wieder, unglücklich, unglücklich. Am Ende ist es aber auch die Qualität“, merkte der Bosnier an. „Sie haben ihre Chancen genutzt, wir nicht. Das hat das Spiel entschieden.“
St. Pauli war vom An- bis Abpfiff das aktivere Team, ließ aber auch die dicksten Dinger liegen. Danel Sinani hatte gleich zwei große Möglichkeiten (14., 52.), die er versiebte, Ricky-Jade Jones vergab eine Hundertprozentige (28.), und auch Mathias Rasmussen hatte einen Treffer auf dem Fuß (73.). Dass für das einzige Erfolgserlebnis ein Strafstoß herhalten musste, den sicher nicht jeder Schiri gegeben hätte (Marius Wolf hatte vor seinem Tritt gegen Manolis Saliakas klar den Ball gespielt), hatte Aussagekraft genug.
Danel Sinani trifft vom Punkt aus zur Führung

Sinani nutzte die strittige Entscheidung zur Führung, aber dann kam ausgerechnet Michael Gregoritsch. 2013/14 hatte der Österreicher für St. Pauli gestürmt, war erst kürzlich von Augsburg, wo er schon mal fünf Jahre unter Vertrag stand (2017 bis 2022), aus Bröndby/Dänemark ausgeliehen worden. Und der nunmehr 31-Jährige erzielte zunächst per Kopf den Ausgleich (41.) und mit einem Linksschuss den Siegtreffer (60.).
Ex-Kiezkicker Michael Gregoritsch wendet das Blatt

Verdient? Unverdient? Irrelevant! Leider. „Sehr bitter, denn es war sehr viel mehr drin“, klagte Coach Alexander Blessin und zählte die aus seiner Sicht entscheidenden Punkte auf: „Zum einen unsere Chancenverwertung, zum zweiten, dass wir ein bisschen schlafmützig waren bei beiden Toren.“ Das erste hätte man mehrfach verhindern können, schon in der Entstehung des folgenschweren Eckballs. Und beim zweiten habe auch Referee Sascha Stegemann insofern seine Aktien, als dass der sich einfach unglücklich positioniert hatte. „Wenn er etwas weiter weg steht, hat unser Sechser eine gute Möglichkeit, rauszuverteidigen, Druck auszuüben, den Pass zu verhindern. Aber wir haben nichtsdestotrotz da auch in der Kette geschlafen.“
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Unterm Strich war es mal wieder ein heftiger Schlag ins braun-weiße Kontor. „Null Punkte, Kopf hoch, weitermachen“, fasste Martijn Kaars das zusammen, was Blessin im Kreis nach dem Schlusspfiff gesagt hatte. Aber der 52-jährige Trainer weiß natürlich, dass das alles schwierig ist. Auch und vor allem für die Rübe. „Wir haben jetzt am Dienstag in Leverkusen im DFB-Pokal ein bisschen Ablenkung, aber es kommt Schlag auf Schlag.“ Jeder sei enttäuscht, da sei es normal, dass auch bei den Spielern die Köpfe mal nach unten gehen. „Aber ich kann ihnen nicht viel vorwerfen.“
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