„Tut richtig weh!“ St. Paulis Unterbau bröckelt – was das für die Profis bedeutet
Viel vorgenommen, wenig zustande gebracht, heftig auf die Mütze bekommen. Während die Profis des FC St. Pauli mit der 0:2-Niederlage in Mönchengladbach und der dürftigen Leistung einen Rückschlag im Klassenkampf erlitten haben, hat die Reserve des Kiezklubs einen neuen Tiefpunkt erreicht und trudelt dem Abstieg in die Fünftklassigkeit entgegen. Die 0:5-Heimklatsche der U23 gegen Kellerkonkurrent FSV Schöningen war mehr als nur eine bittere Niederlage. Der Trainer spricht von einem „brutalen“ Ergebnis. Sein Team bleibt Schlusslicht. Rote Laterne. Der Unterbau bröckelt, die Hoffnung schwindet.
Drei Spiele nach dem verspäteten Start der zweiten Saisonhälfte, nur ein Pünktchen. Die Zweite von St. Pauli bleibt mit 15 Punkten aus 24 Spielen Tabellenletzter der Regionalliga Nord, hat drei Zähler Rückstand auf den Vorletzten Altona 93, wobei der Nachbar zwei Spiele weniger absolviert hat. Das Problem: alle drei Gegner – Blau-Weiß Lohne (1:1), Eintracht Norderstedt (2:3) und Schöningen waren Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel, gegen die die Braun-Weißen mehr Punkte hätten holen müssen.
Fehlstart für St. Pauli-Reserve: drei Spiele, ein Pünktchen
Drei Spiele, die die Wende hätten bringen sollen und stattdessen so etwas wie ein Brandbeschleuniger waren. Noch ist nicht alles verloren, aber die „Zwote“ braucht schon ein kleines Wunder für den Klassenerhalt.
Gegen Schöningen half St. Pauli auch die Profi-Unterstützung auf dem Platz und die Anwesenheit von Bundesliga-Chefcoach Alexander Blessin in der Zuschauerrolle nichts. Jannik Robatsch und der wiedergenesene David Nemeth, der nach sechsmonatiger Verletzungspause ein 45-minütiges Comeback gab, bildeten in der ersten Halbzeit die Innenverteidigung. Da lief es noch halbwegs. Mit dem 0:1-Rückstand zur Pause war noch alles offen – und nach dem Seitenwechsel dann auch St. Pauli. Die Mannschaft von Coach Karsten Neitzel, der auf von einer Vierer- auf eine Dreierkette umstellte, brach komplett ein und stellte sich „doof“ an, wie der Coach monierte.
Trainer Neitzel: „Das tut mir und den Jungs richtig weh“
Bitter war allerdings auch, dass der in Halbzeit eins aufgebotene Sturm mit dem Winterzugang der Profis, Taichi Hara ,und Romeo Aigbekaen, der zumindest schon dem Profi-Kader angehörte, kein Tor erzielen konnte, was dem Spiel eine andere Richtung hätte gegeben können.. Das passt zur gesamten Saison. Mit nur 27 Treffern stellt St. Pauli II zusammen mit Lohne den schwächsten Angriff.

„Das tut mir und den Jungs gerade richtig weh, aber wir sind alle gemeinsam daran schuld“, so Neitzel, dessen taktische Umstellung der Abwehr nach hinten losgegangen war.
U23 des FC St. Pauli: Abstieg in die Oberliga Hamburg rückt immer näher
Der Albtraum-Start ins neue Fußballjahr tut auch dem Gesamtverein weh, denn eine U23 in der Oberliga ist nicht das Niveau, das eine Profi-Mannschaft für gute Nachwuchs-Förderung und Durchlässigkeit nach oben benötigt – ganz zu schweigen von einem adäquaten Spielklassen-Niveau für die von St. Pauli-Reservisten oder Rekonvaleszenten der ersten Mannschaft.
„Natürlich ist die Liga-Stärke wichtig, aber noch wichtiger ist, wie man mit den Spielern arbeitet“, beschwichtigte Carsten Rothenbach, Sportlicher Leiter der U23, kürzlich im Gespräch mit der MOPO angesichts eines drohenden Abstiegs. „Im Kern geht es darum, ihnen eine vernünftige Ausbildung zu geben.“ Aber: eine Spielklasse tiefer wird es auch schwieriger, Toptalente mit Profi-Potenzial zu halten oder zu locken.
Sportlicher Leiter Rothenbach zur Zukunft der U23
Dass der U23 des FC St. Pauli im Abstiegsfall keine Auflösung droht, hatte Rothenbach ebenfalls in der MOPO klargestellt. „Wir verschwenden keinen Gedanken daran, die Mannschaft abzuschaffen“, so der frühere Profi. „Im Gegenteil, sie ist enorm wichtig für unsere Talente, um diesen Zwischenschritt hinzubekommen. Egal in welcher Liga wir spielen, die Mannschaft wird weiterhin existieren.“ Derzeit sieht alles nach der Oberliga Hamburg aus.
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