FC St. Pauli
St. Pauli-Trainer Rapp — welcher Ex-HSVer ihn prägte und welcher „Verrückte“ sein Vorbild ist
Die MOPO erklärt, was dem neuen Trainer Marcel Rapp wichtig ist, wofür er steht, wie er tickt und wer ihm am nächsten ist.
Mit Spannung wird der Neustart des FC St. Pauli in Liga zwei erwartet. Kriegt der neue Trainer Marcel Rapp die Kiezkicker zurück in die Erfolgsspur? Lässt er offensiven und attraktiven Fußball spielen? Führt er den Klub gar zurück in die Bundesliga? Das wird die Zukunft zeigen. Die MOPO sagt, was für einen Coach und Typen die Braun-Weißen bekommen haben. Das Rapp-System.
Einstellung: Rapp ist ein Fußball-Nerd, der sich leidenschaftlich mit den Feinheiten des Spiels befasst. Er ist dabei Fachmann und Fan zugleich. „Ich liebe Fußball. Ich liebe es einfach, Fußballspiele zu gucken.“ Und er liebt es, sein Wissen zu vermitteln und mag den Begriff „Fußballlehrer“.
Charakter: Der gebürtige Pforzheimer ist ein ziemlich normaler und unaufgeregter Typ. St. Pauli-Legende Fabian Boll, der 2021/22 Co-Trainer von Rapp bei Holstein Kiel war, beschreibt ihn in der MOPO als „bodenständig, verlässlich, verbindlich, menschlich“. Rapp sei „kein Wichtigtuer und hat keine Allüren“.
Rapp bringt nur einen Co-Trainer mit zu St. Pauli
Trainerteam: Rapp, der im Februar 2026 nach viereinhalb erfolgreichen Jahren bei Holstein (Bundesliga-Aufstieg 2024) freigestellt worden war, scheint kein Problem damit zu haben, in bestehenden Strukturen zu arbeiten. In sein künftiges Trainerteam hat er nur Jens Schuster als „Co“ mitgebracht, den er aus gemeinsamen Kieler und Hoffenheimer Zeiten kennt. Komplettiert wird sein Coaching-Kreis vom zweiten Co-Trainer Peter Nemeth (seit 2022 bei St. Pauli) und Torwarttrainer Sven van der Jeugt (seit 2024).
Ausrichtung: Der 47-Jährige verfolgt eine „Idee von Fußball, die von Ballbesitz geprägt ist“, wie er immer wieder betont. Seine Teams spielen aktiv, aggressiv und nach vorne. Rapp denkt offensiv, aber auf Basis einer stabilen Defensive. Wichtig ist ihm taktische Flexibilität beim System, das er am eigenen Personal, aber auch am Gegner orientiert.
Anspruch: Der Rapp-Ansatz ist fordernd, wie Boll erzählt. „Rappo erwartet schon viel von seinen Spielern, dass sie sich auf verschiedene Systeme einstellen können, lernwillig sind und nicht nur Vorgaben befolgen, sondern auch bereit sind, das zu verinnerlichen und die Idee dahinter zu verstehen. Er braucht spielintelligente Jungs, gerade auch im Bereich der Führungsspieler.“ Rapp selbst fordert den unbedingten Willen zum Lernen und Akribie. „Details sind brutal wichtig“, betont er. „Wir wollen die Spieler nerven. Sie sollen besser werden und besser werden wollen.“
Englisch oder Deutsch will Rapp noch entscheiden
Ansprache: Unter Rapps St. Pauli-Vorgängern Alexander Blessin und Fabian Hürzeler war Englisch die Hauptsprache auf dem Trainingsplatz, im Besprechungsraum und in der Kabine, denn die Mannschaft ist total international aufgestellt. Er habe sich „noch keine großen Gedanken darüber gemacht“, sagte Rapp bei seiner Vorstellung. Sollte Deutsch die Hauptsprache werden, könnten englische „Untertitel“ wie in seiner Kieler Zeit eine Möglichkeit sein. „Vielleicht machen wir es aber auch auf Englisch. Über allem steht, dass die Jungs mich verstehen.“ Dennoch darf das Thema Sprachregelung nicht unterschätzt werden.
Prägung: Rapp hat gut acht Jahre als Jugendtrainer an der Akademie der TSG Hoffenheim (2013 bis 2020) gearbeitet, die auch Trainer wie Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco und Pellegrino Matarazzo hervorgebracht hat. Beim damaligen U19-Trainer Nagelsmann hospitierte er sogar. Großen Einfluss auf ihn hatte Bernhard Peters, der vor seiner HSV-Zeit Nachwuchskoordinator bei der TSG war und von dem Rapp Grundlegendes über strukturiertes Arbeiten und Menschenführung lernte.
Familie: Sein Privatleben hielt der bodenständige Badener bislang weitestgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Mit Ehefrau Bettina und den beiden Töchtern (12 und 9 Jahre) wohnt er in Melsdorf, einem 2000-Seelen-Ort vor den Toren Kiels. Seine Familie wird dort wohnen bleiben und er sich eine Wohnung in Hamburg mieten. „Der Weg ist zwar nicht weit, aber ich glaube, es ist gut, hier einen Wohnsitz zu haben, um sich zurückziehen zu können.“ Dennoch wird er, so oft es passt, pendeln, denn es sind nur 85 Kilometer mit einer Fahrzeit von rund einer Stunde.
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Vorbild: Rapp bewundert die argentinische Trainerlegende Marcelo Bielsa für deren Detailversessenheit. Der mittlerweile 70-Jährige coachte unter anderem die Nationalteams seines Heimatlandes und von Chile und betreut aktuell Uruguay bei der WM. Als Typ ist der extrovertierte, konfliktfreudige und deshalb oft umstrittene Bielsa ganz anders als Rapp, was allein schon sein Spitzname deutlich macht: „El Loco“, der Verrückte. Fußballverrückt sind jedoch beide.
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