St. Pauli-Kommentar: Der Ultra-Egoismus schadet dem Wir-Gefühl

Dunkler Rauch liegt über dem Rasen des Millerntorstadions
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts: Gegen Bremen war das Millerntor in dunklen Rauch gehüllt.

Es war schon ein wenig befremdlich. Das Spiel des FC St. Pauli gegen Werder Bremen war gerade abgepfiffen, da fragte Sky-Moderator Sebastian Hellmann, ob dieser Samstag ein schwarzer Tag für die Bundesliga gewesen sei. Hellmann schien auch den Sender-Experten Lothar Matthäus ein wenig zu irritieren, als er die Pyro-Show der Fans von St. Pauli und Werder zumindest indirekt mit dem Feuerzeugwurf von Berlin auf Bochums Torhüter Patrick Drewes gleichsetzte. Hellmann steckte den Nebel vom Millerntor in eine falsche Schublade, denn wer Pyro und Gewalt auf der gleichen Ebene verortet, der tut vor allem eines: Gewalt verharmlosen.

Und dennoch ist es völlig richtig, in welch deutlicher Form der FC St. Pauli mit einem knappen Tag Abstand die feurigen und vor allem rauchigen Spiele im eigenen Stadion verurteilte. Präsident Oke Göttlich führte den Ultras vor Augen, welch immensen Schaden sie mit ihren Aktionen anrichten. Hunderttausende Euro lösen sich jährlich in Luft auf, schimpfte der Boss. Geld, das an anderer Stelle, bei der Weiterentwicklung des Vereins, fehlt.

Natürlich sind die Ultras elementarer Bestandteil des Klubs

Natürlich sind die Ultras mit ihren Aktionen elementarer Bestandteil des Klubs. Sie geben ihr Herz für den Verein, sind sozial engagiert, geben den Takt vor im Stadion und sorgen dafür, dass „The Hell of St. Pauli“ bei den Gegnern gefürchtet ist. Ihre Lautstärke, ihre Gesänge, sie können ein Treibstoff für die eigene Mannschaft sein. Ja, und auch das darf gesagt werden, auch das Zünden von Pyro kann diese Atmosphäre noch einmal unterstützen. Die Betonung aber liegt auf kann.

Wer die eigene Machtstellung nämlich derart strapaziös ausweitet, dass ein Spiel nicht mehr ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, wer beständig weiterzündelt, obwohl absehbar ist, dass der Rauch nicht abzieht, der gefährdet den Erfolg der eigenen Mannschaft und die Gesundheit von Stadionbesucher:innen, die kein gesteigertes Interesse daran gehabt haben dürften, den massenhaft freigesetzten Feinstaub einzuatmen.

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Wer so handelt, der unterstreicht, dass es ihm beim Fußball vor allem um eines geht: um die eigene Inszenierung. Es ist ein Verstoß gegen das Wir-Gefühl auf St. Pauli. Es ist Egoismus.