St. Pauli-Boss Göttlich über „hohe Angebote“, mögliche Abgänge und Blessins Zukunft

St. Pauli-Präsident Oke Göttlich im Regen am Millerntor
St. Pauli-Boss Oke Göttlich stand am Samstag im Regen. Inzwischen blickt der 50-Jährige wieder nach vorn.

Die Zusage hatte er schon gegeben, als noch nicht klar war, wie sich der Sonntag für Oke Göttlich anfühlen würde. Aber auch nach dem tränenreichen Vortag und der bitteren Gewissheit, künftig wieder „nur“ Zweitligist zu sein, hielt Oke Göttlich Wort. Der Präsident des FC St. Pauli tingelte durch die Räumlichkeiten des NDR, war zunächst im Radio, dann am Abend im „Hamburg Journal“ zu Gast. Und gab sich dabei analog zum Samstag zwar traurig, aber gefasst und – so das denn möglich war – schon wieder tatendurstig.

„Die Freude über die 2. Liga stellt sich nicht ein“, gab er zu. „Wir sind tief enttäuscht, dass wir mit dem Klassenerhalt unser Ziel nicht erreicht haben.“ Das täte ihm vor allem leid „für die erstklassigen Fans und für unsere Mitarbeitenden, für alle, die sich für den Klub interessieren“. Trotzdem richte man beim FC St. Pauli den Blick direkt nach vorne. „Wir sind stabil aufgestellt, werden die nächsten Schritte angehen.“ Am Sonntag habe es bereits erste Videokonferenzen gegeben. „Auf geht’s“, sagte Göttlich.

St. Pauli ist trotz des Abstiegs „stabil aufgestellt“

Natürlich wurde er auch zur Trainer-Position gefragt, ob er noch fest mit Alexander Blessin rechne. „Auf jeden Fall ist er unser Trainer“, erklärte Göttlich: „Das ist das, was ich meine, dass wir stabil aufgestellt sind.“ Nur „sehr, sehr wenige Leistungsträger“, würden den FC St. Pauli verlassen. Und wenn es doch andere Gedankengänge gäbe bei den Spielern oder anderen Klubs? „Dann haben wir die komplette Handlungsfähigkeit“, unterstrich der 50-Jährige, „weil wir alle Protagonisten unter Vertrag haben.“

Oke Göttlich will nicht wieder 15 Jahre auf die 1. Liga warten

Entsprechend rechne man damit, dass es weitergeht, dass man sich für die 2. Liga wappne und insofern neu aufstelle, als dass man schaue, welche Spieler zu dem System passen, das man im Unterhaus spielen wolle und müsse, „um bitte nicht wieder 15 Jahre warten zu müssen, um wieder tolle Jahre in der 1. Liga zu erleben“. Die Sommerpause, ergänzte Göttlich, sei natürlich lang. Möglicherweise gäbe es „interessierte Dritte, auf die wir gar keinen Einfluss haben, die möglicherweise den ein oder anderen Spieler von uns haben wollen“.

Das könnte Sie auch interessieren: Wie heiß ist die Nummer zwischen Hauke Wahl und Wolfsburg?

Darauf müsse man dann reagieren. „Aber das Gute ist, dass die Karten komplett bei uns in der Hand liegen. Das heißt: Hohe Angebote können abgegeben werden. Aber wir rechnen mit dem festen Stamm, den wir erst mal da haben.“ Göttlich räumte indes auch ein, dass der Abstieg schmerze. „Weil wir gemerkt haben, dass der FC St. Pauli was Besonderes für die 1. Liga ist“, das habe man sogar auf internationaler Ebene erfahren dürfen. „Die Präsidentin des norwegischen Fußballverbandes und auch der spanischen Liga-Präsident haben uns geschrieben, die Daumen gedrückt vorher und nachher einen schnellen Wiederaufstieg gewünscht.“

St. Pauli wäre „sehr gerne in der 1. Liga geblieben“

All das schloss nahtlos an an die Worte, die der St. Pauli-Boss relativ zeitnah nach dem 1:3 gegen Wolfsburg gewählt hatte. „Wir haben jetzt zwei Jahre eine wunderbare Reise gehabt. Wir wollen wieder her. Wir wären sehr gerne in der 1. Liga geblieben, aber es hat einfach nicht gereicht.“ Am Ende habe man die wirtschaftliche Lücke nicht zulaufen können. „Die kannst du nur zulaufen, wenn du 105 Prozent gibst. Und wenn du nicht auf allen Ebenen bei 105 Prozent bist, dann ist es zu wenig. Das schmerzt und tut total weh.“