FC St. Pauli

„Selbst ein Harry Kane“: Was sich St. Pauli-Stürmer Kaars vom Bayern-Star abgeguckt hat

Martijn Kaars bejubelt seinen Treffer in Kiel.
Martijn Kaars bejubelt seinen Treffer in Kiel.

Er ist keine 17 mehr - zum Glück: St. Paulis niederländischer Stürmer Martijn Kaars lässt sich längst nicht mehr von vergebenen Chancen aus dem Konzept bringen, sondern hat seine Nerven im Griff.

Die Unbekümmertheit der Jugend hat so einiges für sich, gewiss. Aber allen, die sich im professionellen Sportbereich bewegen, steht auch ein gewisses Maß an Abgebrühtheit und Coolness gut zu Gesicht. Man frage nach bei St. Paulis Stürmer Martijn Kaars, der der eigenen Reife durchaus etwas abgewinnen kann.

So eine Szene kann einen schonmal aus dem Konzept bringen. Es lief Spielminute zwei in Kiel, als Kaars plötzlich mutterseelenalleine auf Holstein-Keeper Timon Weiner zulief, um schließlich an selbigem zu scheitern. „Ein schlechter erster Kontakt“, übte der Niederländer Selbstkritik und erklärte damit zugleich den unpräzisen Abschluss. 

Martijn Kaars vergibt die erste Chance und trifft dann für St. Pauli

Exakt eine halbe Stunde später bot sich ihm die zweite Gelegenheit, und zwar nahezu deckungsgleich mit der ersten. Mit feinen Unterschieden: Diesmal gelang Ballkontakt Nummer eins ebenso wie der Abschluss: Durch die Beine von Weiner hatte Kaars zum 1:0 getroffen und sich vorher keinen Kopf gemacht, obwohl Zeit und Distanz zum gegnerischen Gehäuse quasi dazu einluden. 

St. Paulis Martijn Kaars bewahrte trotz vergebener Chance die Ruhe

„Als ich 17 war, wäre das schwierig gewesen“, räumte Kaars ein. „Aber ich bin jetzt 27. Ruhig bleiben, eine Entscheidung treffen – ich glaube, das ist auch eine Qualität, dass du ruhig bleibst, wenn mal eine Chance nicht reingeht.“ Gelernt hat er das unter anderem von den Großen des Geschäfts. „Alle Stürmer schießen Tore, aber alle vergeben auch Chancen. Selbst ein Harry Kane“, erklärte er. Nur entmutigen lassen darf man sich davon eben nicht.

Und davon ist der Mann, der vor knapp einem Jahr vom 1. FC Magdeburg geholt worden war, auch weit entfernt. „Ich weiß, ich kann Tore schießen. Ich weiß, dass ich einen guten Abschluss habe. Ich weiß, ich kann in die Tiefe laufen. Ich weiß, dass ich schnell bin. Ich weiß, das ich die Chancen kriege“, zählte Kaars auf, warum es überhaupt keinen Grund gibt, nicht mehr an die eigenen Stärken zu glauben.

Fast wäre Martijn Kaars in Kiel der Doppelschlag geglückt

Und trotzdem ist er nach einem Spiel wie jenem in Kiel nicht zufrieden, zumal er noch eine dritte prima Chance hatte. „Wenn wir das dritte Tor machen, gewinnen wir“, lautete seine These im Zusammenhang mit seiner Möglichkeit nach 62 Minuten. „Ich hab versucht, den Ball in die Ecke zu köpfen. Das war ein guter Safe vom Torwart“, analysierte Kaars, der tatsächlich nur deswegen nicht erneut jubeln durfte, weil Weiner einen grandiosen Reflex ausgepackt hatte.

Ich bin nicht zufrieden mit einem Tor, weil es nicht gereicht hat, um das Spiel zu gewinnen.

Martijn Kaars

Schließlich bilanzierte er: „Drei Chancen gab es für mich, zwei Mal habe ich alles genau richtig gemacht, einmal nicht.“ Damit könne er gut leben, aber: „Ich bin nicht zufrieden mit einem Tor, weil es nicht gereicht hat, um das Spiel zu gewinnen. Wenn wir 2:1 gewonnen hätten und ich hätte ein entscheidendes Tor gemacht, wäre das vielleicht anders gewesen.“

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und wenn Martijn Kaars seinen Weg konsequent weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit, wann er als Matchwinner den Platz verlassen wird.

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