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Sechs Stürmer, keine Treffer: Das sind die Gründe für St. Paulis Torflaute
„Tore entscheiden“, zitierte Martijn Kaars nach seiner vergebenen Chance beim 0:3 gegen Hoffenheim den Titel der Biografie von Gerd Müller. 365 Bundesliga-Tore, wie sie für den Jahrhundertstürmer zu Buche standen, verlangt wohl niemand von St. Paulis Angreifern. Aber ein neuerlicher Treffer wäre nach fast sieben Stunden Torflaute schon hilfreich.
Ach, war das schön (aber auch schon ganz schön kompliziert): Mathias Pereira Lage tritt eine Ecke auf Andréas Hountondji, dessen Schuss vom Arm des Augsburgers Cédric Zesiger aufgehalten wird. Nach Videostudium gibt es Handelfmeter für St. Pauli. Hountondji tritt an, scheitert zunächst an Finn Dahmen, versenkt den Abpraller dann aber im Netz. Das 1:1 beim 2:1-Heimsieg der Kiezkicker – bis jetzt das letzte Stürmertor. Neun Halbzeiten, 405 Minuten, versuchten sich die braun-weißen Angreifer seitdem an einem erneuten Erfolg. Vergeblich. Die MOPO beleuchtet die Gründe für die Krise der Offensive.
Mathias Pereira Lage (335 Minuten erfolglos)
Der 28-jährige Franzose wartet immer noch auf sein Premieren-Tor für St. Pauli – und das trotz 14 Abschlüssen. Als Vorbereiter setzt er seine Kollegen häufiger in Szene, die sich dafür spätestens zu seinem Geburtstag Ende November mit einer Magnum-Flasche Zielwasser revanchieren sollten. Dann nähert sich Pereira Lage vielleicht seinem Expected-Goals-Wert von 2,22 an.
Martijn Kaars (249 Minuten erfolglos)
Als Zweitliga-Knipser für Magdeburg bestach er durch seine Unbekümmertheit und Zielsicherheit. St. Pauli-Coach Alexander Blessin schwärmt von der Trainingsabschlussquote des Niederländers, aber die Bundesliga ist ein anderes Geschäft. Sportchef Andreas Bornemann sah ihn gegen Hoffenheim „deutlich verbessert in der Abstimmung mit seinen Mitspielern“. Kaars braucht jedoch seine Zeit für neue Laufwege und alte Gelassenheit.
Andréas Hountondji (156 Minuten erfolglos)
Tor gegen Dortmund, Tor beim HSV, Tor gegen Augsburg – die ersten Spiele des 23-Jährigen ließen fast Vorjahres-Knipser Morgan Guilavogui vergessen. Doch dann meldete sich sein Knie. Hountondji verlor seinen Startelf-Platz und musste zwischendurch als Nationalspieler von Benin das bittere Aus in der WM-Qualifikation schlucken. Aufmunterung dringend vonnöten.
Oladapo Afolayan (70 Minuten erfolglos)
Der letzte verbliebene Aufstiegsstürmer fühlt sich missverstanden und beklagt diskriminierende Berichte über seine Körpersprache. Das von ihm bevorzugte Flügelspiel ist unter Alexander Blessin aktuell nicht angesagt. Als Plädoyer für eine Systemumstellung taugen seine jüngsten Kurzeinsätze allerdings nicht unbedingt.
Abdoulie Ceesay (40 Minuten erfolglos)
Der 21-Jährige zog gegen Dortmunder einen Elfmeter sowie Rot für seinen Gegenspieler – das Signal zur Aufholjagd, die in einem spektakulären 3:3 endete. Leider verletzte er sich dabei auch am Fuß und konnte erst zuletzt seine Jokerrolle als Unruhestifter im gegnerischen Strafraum wieder einnehmen.
Ricky Jade-Jones (0 Minuten erfolglos)
Der als schnellster Spieler der Welt (Höchstgeschwindigkeit: 37,6 Stundenkilometer) Gepriesene war auch am schnellsten draußen. Im Juli-Testspiel gegen den Viertligisten Drochtersen/Assel verletzte sich Jade-Jones an der Schulter, musste unters Messer und ist wohl erst fürs kommende Heimspiel gegen Gladbach eine Option. Dass der 22-jährige Konterstürmer bei seiner ersten Auslandsstation gleich die ganz große Hilfe sein kann, erscheint fraglich.
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Das Zusatz-Problem: Neben der Sturmflaute ist auch die zunehmend wackelige Abwehr ein Problem für St. Pauli. „Dann nehmen wir halt ein 0:0“, wünschte sich Coach Blessin nach der vergebenen Großchance von Kaars gegen Hoffenheim die Defensivschwächen fort. In Frankfurt wäre so ein Ergebnis ohne Frage ein Erfolg. Aber ein Tor wäre noch schöner. Darf auch kompliziert sein.