„Sechs“: St. Pauli-Profi Pereira Lage bewertet sich und spricht über seinen Vertrag
Es ist eines von noch sechs Finalspielen um den Klassenerhalt. Und doch ganz anders. Besonders. Und besonders schwer. Für die Fans des FC St. Pauli ist das Heimspiel gegen den FC Bayern München ein Highlight, für ihre Mannschaft vor allem eine riesengroße Herausforderung. Aber keine „Mission Impossible“, betont Mathias Pereira Lage, der mit seinem Traumtor gegen Union Berlin gezeigt hat, dass er das Zeug hat, im Saisonendspurt nicht nur als Dauerläufer, sondern auch als Schütze voranzugehen. In der MOPO spricht er über Tor-Flauten, späte Karriere-Träume und seine braun-weiße Zukunft.
Das erste Studium des kommenden Gegners erfolgte auf dem heimischen Sofa. Wie viele seiner Teamkollegen schaute auch Pereira Lage das Viertelfinale der Bayern in der Champions League bei Real Madrid, das die Münchner mit 2:1 gewannen. Mittwoch treffen sich die Fußball-Großmächte zum Rückspiel. St. Pauli ist mittendrin, zwischendrin. Königsklasse am Millerntor. Vom TV-Ereignis zum Live-Gegner im Bundesliga-Topspiel am Samstag (18.30 Uhr).
Pereira Lage glaubt an St. Pauli-Chance gegen Bayern
Die Rollen sind klar verteilt. David empfängt Goliath. „Wir müssen als Kollektiv mit unserer Identität, unserem Spielstil dagegenhalten – und mit unseren Fans im Rücken kann alles passieren“, sagt Pereira Lage. Mut und Selbstvertrauen seien gefragt, wie im Hinspiel (1:3). „Wir müssen daran glauben, andernfalls bräuchten wir gar nicht anzutreten. Also glaube ich daran, dass wir punkten oder sogar gewinnen können.“
Sich ein Herz nehmen, einfach machen – das hat der portugiesisch-französische Offensivspieler gerade erfolgreich getan mit seinem spektakulären Distanzschuss zur Führung in Berlin (1:1). „Es ist immer schön, Tore zu schießen und auf diese Weise noch viel besser“, sagt der 29-Jährige. „Für das Selbstvertrauen ist es gut, aber am Ende haben wir nur einen Punkt geholt.“
Andererseits: Es war höchste Zeit für Treffer Nummer zwei in der Liga. „Natürlich hätte ich gern mehr Tore auf dem Konto, ich bin Stürmer, und Stürmer wollen Tore erzielen“, räumt er ein, „aber in unserem System geht es auch viel darum, zu arbeiten.“ Gegen Union hatte er überraschend als linker Schienenspieler agiert. Kein Problem für ihn. „Die meiste Zeit meiner Karriere habe ich Linksaußen gespielt, das ist meine favorisierte Position, aber ich bin flexibel.“ Wie flexibel? „Innenverteidiger oder Torwart würde ich mir nicht zutrauen“, sagt er lachend. Gegen Bayern dürfte er wieder weiter vorn agieren.
Pereira Lage sieht seine eigene Leistung eher kritisch
Auf die Frage, wie er seine bisherige Saisonleistung auf einer Skala von eins bis zehn einordnen würde, überlegt der Routinier nicht lange. „Sechs. Ich bin sehr selbstkritisch, habe einige gute Spiele gemacht, ein paar sehr gute, aber auch welche, die scheiße waren, um es deutlich zu sagen“, bilanziert er erfrischend direkt. „Ich werde alles geben, um aus der Sechs zum Saisonende noch eine Sieben oder Acht zu machen.“
Groß ist seine Sehnsucht nach einem Happy End im Klassenkampf. „Wir haben unser Schicksal in unserer Hand mit Spielen gegen Köln, Heidenheim und Wolfsburg. Ich bin optimistisch, dass wir es schaffen.“
Macht er seine Zukunft bei St. Pauli vom Klassenerhalt abhängig? „Die Zukunft sieht immer besser aus, wenn du in der ersten Liga spielst. Ich habe mich bewusst für St. Pauli entschieden, weil es ein richtig gutes Projekt hier ist, mit vielen guten Typen“, sagt Pereira Lage. „Wir können als Mannschaft noch einiges zeigen und erreichen und deshalb möchte ich gern bleiben.“ Auf die Nachfrage, ob sein Vertrag auch für die Zweite Liga gültig sei, antwortet er ebenso knapp wie unmissverständlich: „Ja, ist er.“
Trotz der schwierigen Saison und dem unklaren Ausgang lässt Pereira Lage keinen Zweifel daran, dass er seinen Wechsel zu St. Pauli für eine gute Karriereentscheidung hält. „Ich erlebe die vielleicht beste Zeit meiner Karriere, spiele viel, fühle mich gut und möchte noch einige Saisons auf einem hohen Level spielen.“
Sein Traum sind Haus und Karriereende in Portugal
Hat man mit 29 noch Träume? Es seien andere als mit Anfang 20. „In meinem Kopf habe ich die Vorstellung, am Ende meiner Karriere noch mal in Portugal zu spielen, dort ein Haus zu kaufen und mein weiteres Leben zu genießen“, verrät Pereira Lage, „aber das sind nur Gedanken und ist noch weit weg.“
Einen Hauch davon kann er in Hamburg erleben. „Ich war oft im Portugiesenviertel, habe dort gut gegessen und hatte ein paar heimatliche Gefühle“, erzählt Pereira Lage und lächelt. „Es gibt auch einige gute französische Restaurants in Hamburg.“ Nicht selten ist Danel Sinani dabei, der ihm von seinen Mitspielern am nächsten steht. „Wir unternehmen häufiger etwas, treffen uns in unserem Zuhause, gehen Essen oder Kaffee trinken. Wir sind ähnliche Typen und können uns auf Französisch unterhalten.“
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Am schönsten ist es, wenn die Familie kommt, die sein großer Rückhalt ist. „Meine Eltern waren schon zweimal zu Besuch, haben Sightseeing gemacht und es sehr genossen“, erzählt Pereira Lage. Jetzt stehen die nächsten Besuche an. „Mein großer Bruder kommt zum Bayern-Spiel, mein jüngerer Bruder danach.“ Klar, dass sich Mathias Pereira Lage da von seiner besten Seite zeigen will, als Gastgeber, aber auch als Spieler des FC St. Pauli.