Schiri-Schelte: Blessin bereut, legt nach – und muss jetzt höllisch aufpassen
Es geht um verdammt viel im Klassenkampf der Bundesliga, Emotionen kochen hoch, oft über und manchmal liegen die Nerven blank. Wenn der Frust über eine Niederlage von Wut begleitet wird, die sich einen Weg bahnt und auch ein Ziel sucht, kann es heikel werden. Nicht immer folgt einem Ausbruch die Einsicht, aber St. Pauli-Trainer Alexander Blessin hätte einige seiner Worte über den Schiedsrichter nach der bitteren 1:2-Heimniederlage gegen den SC Freiburg gerne wieder eingefangen. Doch auch beim Eingeständnis seines Fehlers erneuerte er die Kritik an einem ganz bestimmten Vorgehen von Referee Florian Badstübner, das ihn offensichtlich persönlich getroffen hatte. Aber: der Chefcoach der Braun-Weißen muss höllisch aufpassen.
Es spricht für Blessin, dass er von sich aus die Angelegenheit eine halbe Stunde nach Abpfiff nochmal auf den Tisch des Podiums im Pressekonferenzraums im Millerntor-Stadion brachte. „Die Aussage, die die ich bei DAZN getätigt habe, war jetzt nicht unbedingt so clever“, räumte der 52-Jährige ein. „Aber es ist aus der Emotion heraus, ganz ehrlich, das muss man ja dann auch zugestehen. Weil hier es um echt extrem viel geht.“
Alexander Blessin nennt Schiri-Schelte „nicht so clever“
Gemeint war der Satz am TV-Mikrofon, der „Grund“ für die Niederlage sei, „dass wir gegen zwölf Mann gespielt haben.“ Die Elf von Freiburg und den Schiedsrichter.
Stein des Anstoßes: eine Serie von insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Zweikämpfen vor der Entstehung des Freiburger Treffers zum 2:1 (78.), in denen Badstübner trotz zum Teil wütender Proteste jeweils nicht auf Foul gegen St. Pauli in der Freiburger Hälfte entschieden, sondern hatte weiterlaufen lassen. Im Nachgang war es in drei Szenen durchaus okay, angesichts seiner eher großzügigen Auslegung nicht zu pfeifen, denn die Kiezkicker wollten zu sehr einen Freistoß, aber kein Freiburger hätte sich beschwert, wenn der Referee eines der beiden übrigen Duelle abgepfiffen und damit das Spiel unterbrochen hätte.

Blessin sprach später davon, dass ihn vor allem das Ungleichgewicht bei der Auslegung der 50:50-Entscheidungen aufgebracht hatte. „Wir können beide Gegentreffer besser verteidigen“, stellte er klar. „Dennoch sind es vor dem zweiten Tor kleine Details und in Summe Entscheidungen, die gegen uns getroffen werden. Und diese Situationen können Spiele in eine Richtung kippen.“
„Höhnisch“: Ärger über Badstübner bei Gelber Karte
Seinen Wutausbruch während des Spiels direkt nach dem Freiburger Tor hatte Blessin mit einer Verwarnung bezahlt und sich im TV-Interview massiv über die Art und Weise beschwert. „Wenn mir ein Schiedsrichter eine Gelbe Karte gibt und mich dabei wirklich höhnisch anlächelt, dann finde ich das einfach respektlos.“ Mit deutlich abgekühlterem Gemüt räumte der Coach auf der Pressekonferenz ein: „Die Gelbe Karte habe ich verdient.“
Aber: Blessin erneuerte seine Kritik daran, wie Badstübner ihm dem Karton gezeigt hatte. „Wenn ich dann sowas sehe, wenn ich das Gefühl habe, jemand erfreut sich daran, dann tut es einfach weh.“ Die Verwarnung sei „okay“ gewesen, „das schlucke ich dann auch“, aber das von ihm wahrgenommene Gebaren des Unparteiischen „muss dann glaube ich auch nicht sein.“
Vorsicht! Blessin droht jetzt eine Sperre
Möglicherweise hatte genau dies zu seiner wütenden Schiri-Schelte direkt nach Spielschluss geführt, wobei er nach Abpfiff über den halben Platz geschritten war, um den Gespann aus Badstübner und den beiden Linienrichtern kurz und bündig die Hand zu geben und bei allem Zorn Anstand zu zeigen, den einige wenige Fans im Stadion nicht hatten und Bierbecher in Richtung des Trios in Blau warfen, anstatt sich auf verbale Unmutsbekundungen zu beschränken.
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Der Zorn ist verraucht, die Energie wird in die Trainingsarbeit in der Länderspielpause und die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Union Berlin am Ostersonntag (5. April) gesteckt. Die Gelbe Karte gegen Freiburg bleibt aber ein Problem für Blessin und damit auch St. Pauli, denn es war die dritte für den gebürtigen Stuttgarter in dieser Saison nach Verwarnungen im vorangegangenen Heimspiel gegen Frankfurt (0:0) und Heidenheim (2:1) Mitte Dezember.
Bei der vierten Verwarnung wird er für ein Spiel gesperrt – wie im Februar 2025, als er übrigens im Heimspiel gegen Freiburg Gelb gesehen und die folgende Partie in Mainz auf der Tribüne hatte verfolgen müssen. In den verbleibenden Spielen bis Saisonende muss sich Blessin bei allen verständlichen Emotionen besser im Griff haben, denn die ganz heißen, heiklen und entscheidenden Duelle kommen erst noch.
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