Hauke Wahl ärgert sich über eine Szene im Spiel gegen Union Berlin

Frustriert: St. Pauli-Verteidiger Hauke Wahl gegen Union Berlin Foto: WITTERS

„Quatsch!“ Hauke Wahl redet sich über Angsthasen-Fußball in Rage

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Angefressen war er, mächtig angefressen. Hauke Wahl ist ein Mann klarer Analysen und deutlicher Worte, behält dabei aber stets kühlen Kopf. Nach der bitteren 0:1-Heimniederlage gegen Union Berlin, der achten Liga-Pleite in Serie, hatte der Routinier Mühe, ruhig zu bleiben. Sichtlich angefasst und so vehement wie noch nie konterte er Kritik an der Spielweise der Kiezkicker, die ihm übel aufstieß. Der Abwehrmann verteidigte die Marschroute bissig, ging verbal in die Offensive und redete sich in Rage.

Die Antwort war maximal kurz. „Nee“, antwortete Wahl in der Mixed Zone auf die Frage, ob er eine lange Niederlagenserie wie diese schon einmal erlebt habe. Das reichte ihm als Replik. Weitaus mehr Worte hatte er zuvor gefunden, um auf Kritik an der Spielweise und Herangehensweise an die Partie gegen Union zu reagieren, dass es für St. Pauli ja kein Ansatz sein könne, gegen die Berliner im eigenen Stadion in der ersten Halbzeit derart tief zu stehen. Diese Kritik fand er ungerechtfertigt und das ärgerte ihn.

Hauke Wahl weist Kritik an der Spielweise vehement zurück

„Wieso kann das kein Ansatz für St. Pauli sein, gegen Union, die vor drei Jahren Champions League gespielt haben, die seit sechs Jahren in der Bundesliga spielen?“, fragte Wahl rhetorisch zurück, aufgebracht. „Warum muss es der Ansatz sein, hier hoch anzugreifen? Wo kommen wir denn her? Wir haben sieben Spiele verloren. Und dann sollen wir ein Feuerwerk hinlegen?!“ Außerdem habe seine Mannschaft gegen einen Gegner mit schnellen Offensivkräften „nicht ins offene Messer“ laufen, sondern erst einmal stabil stehen wollen, was auch gelungen ist.

Den Vorwurf der Passivität wollte er so nicht stehen lassen. „Ich finde nicht, dass wir passiv waren.“ Es sei zu einfach, von oben auf das Spiel zu schauen, um zu urteilen, dass St. Pauli nur hinten drin gestanden habe, und zu schlussfolgern, die Heimmannschaft sei passiv gewesen. „Nein, wir waren da!“, so Wahl. „Wir haben Zweikämpfe geführt, wir haben Zweikämpfe gewonnen, wir haben meiner Meinung nach eine Vielzahl der Zweikämpfe gewonnen, wir waren bei den zweiten Bällen da.“

„Dass wir nicht aggressiv waren, finde ich Quatsch“

Die Einschätzung, dass es an Mut und auch Aggressivität gefehlt habe, wie in der Halbzeit auch TV-Experte und Ex-Profi Nils Petersen kritisiert hatte, wies Wahl entschieden zurück. „Wir haben spielerisch keine Lösungen gefunden in der ersten Halbzeit und deswegen hat Union mehr den Ball gehabt, aber wir waren nicht passiv, das war kein Angsthasen-Fußball“, bekräftigte der Innenverteidiger. „Ich will mich nicht streiten, aber wo haben wir denn die Zweikämpfe nicht gewonnen? Bei aller Liebe. Dass wir nicht aggressiv waren, finde ich Quatsch.“

Kein Durchkommen: St. Pauli und Hauke Wahl gegen Union Berllin imago/Beautiful Sports
St. Paulis Hauke Wahl schreit frustriert
Kein Durchkommen: St. Pauli und Hauke Wahl gegen Union Berllin

Fakt ist, dass St. Pauli in den ersten 45 sehr darauf bedacht war, das eigene Tor zu verteidigen, nur sehr wenig nach vorne gewagt hatte und nach der Pause deutlich präsenter im Spiel mit dem Ball gewesen war – auch zwangsläufig angesichts des Rückstandes. „Natürlich waren wir zweite Halbzeit besser. Aber es ging erstmal darum ins Spiel zu kommen.“

Ärger über Ping-Pong-Gegentor im „Abnutzungskampf“

St. Pauli sei auf Augenhöhe mit Union gewesen, auch die Spieldaten untermauern das. In einigen Kategorien hatten die „Boys in Brown“ nach 90 Minuten die Nase vorn. „Was hat Union denn besser gemacht? Die haben ein Ping-Pong-Tor geschossen“, schimpfte Wahl. „Union war nicht die bessere Mannschaft. Das ist Quatsch. Wir waren nicht schlechter.“

Umso bitterer war die Niederlage, denn erstens war der Gegentreffer kurz vor der Pause auch besser zu verteidigen und zweitens hatte St. Pauli Pech beim späten Pfostentreffer von Mathias Pereira Lage. Ein Remis war drin gegen die Hauptstädter, die im vorangegangenen Spiel dem FC Bayern München einen Punkt abgetrotzt hatten. Darüber, dass das spielerische Niveau auf beiden Seiten bescheiden war, gibt es keine Diskussion. Wahl sprach von einem „Abnutzungskampf“ und „klassischem Null-zu-Null-Spiel – eigentlich“. Wäre es tatsächlich torlos ausgegangen, wäre die allgemeine Stimmungslage etwas besser gewesen, seine eigene eingeschlossen.

Wahl sieht das Spiel gegen Berlin als kleinen Fortschritt

„Ich finde, dass wir einen kleinen Schritt gemacht haben“, versuchte Wahl der Niederlage dennoch etwas Positives abzugewinnen. „Jetzt muss mal wieder ein großer Schritt kommen, ein Spiel zu gewinnen.“ Das wird nicht leichter. Auswärts wartet der FC Bayern auf die Kiezkicker. Ein Spiel, in dem St. Pauli tatsächlich nur gewinnen kann – vorausgesetzt, sie kommen nicht komplett unter die Räder.

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