Profi-Vertrag für St. Paulis Aufsteiger-Typ: Jetzt spricht Nick Schmidt (18)
Er war die braun-weiße Entdeckung der Sommervorbereitung. Mit mutigen Auftritten im Trainingslager und in den Testspielen gegen hochklassige Konkurrenz kickte sich Nick Schmidt auf erfrischend-freche Art und Weise in den Fokus, beeindruckte Teamkollegen, Trainer und Fans. Der Teenager gilt seitdem als eines der vielversprechendsten Kiezklub-Talente, aber der erhoffte und ihm zugetraute nächste Schritt ist alles andere als ein Selbstläufer, sondern erfordert harte Arbeit und Geduld. Es ist ein Spagat zwischen Höhenluft bei den Profis und Viertliga-Alltag im Tabellenkeller. Wo sieht sich Schmidt nach den aufregenden Wochen selbst? Die MOPO hat mit dem Neu-Profi gesprochen.
Es sind aufregende Zeiten für Schmidt und das emotionale Highlight liegt noch nicht lange zurück. Ausgerechnet beim Derby hatte er mit seinen 17 Jahren erstmals im Spieltagskader der Kiezkicker gestanden, war zwar erwartungsgemäß nicht zum Einsatz gekommen, aber bei den Feierlichkeiten nach dem 2:0-Triumph im ausverkauften Volksparkstadion mittendrin. Ein Blick auf seinen Instagram-Kanal (knapp 3000 Follower) reicht. Unbezahlbare Erfahrungen und unvergessliche Erlebnisse, die den Hunger des Mittelfeldspielers auf mehr nur noch vergrößert haben dürften.
St. Pauli-Talent Schmidt: Spagat zwischen 1. und 4. Liga
Eine Woche später ein anderes Bild: Schmidt wirkte nach dem 2:2 mit der U23 des Kiezklubs gegen Norderstedt vor 558 Zuschauenden – einem Hundertstel der Derby-Kulisse – eher ernüchtert. Während St. Paulis Profis in der Bundesliga-Tabelle auf Rang fünf stehen, ist die Reserve auch nach dem 7. Spieltag der Regionalliga Nord noch sieglos und mit mickrigen zwei Zählern Tabellenletzter. Die zweite Mannschaft ist vor der Saison stark verjüngt worden, zahlt bislang Lehrgeld, muss sich entwickeln und stabilisieren. Das gilt auch für Schmidt, der eigentlich noch U19 spielen könnte, aber aufgrund seiner Fähigkeiten für die U23 ein wichtiger Leistungsträger ist beziehungsweise sein soll.
„Das ist ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen“, betonte der gebürtige Kieler mit japanischen Wurzeln nach dem Norderstedt-Spiel gegenüber der MOPO und bezog sich auf die Entwicklung der Mannschaft. „Wir müssen arbeiten und als Team weiter zusammenwachsen, um bessere Ergebnisse zu erzielen.“
Das Training findet für Schmidt aber weiterhin hauptsächlich auf erstklassigem Niveau statt, mit der Profimannschaft, und das wird auch so bleiben, betont Sportchef Andreas Bornemann: „Nick ist mit seinen jungen Jahren bereits fester Bestandteil der Lizenzmannschaft und unseres Trainingsbetriebes.“ Schmidt wird gefordert und gefördert, stets im Blick von Trainer Alexander Blessin und im Austausch. „Ich versuche, mich an das Niveau anzupassen“, sagt der Aufsteiger-Typ, der erstmals in diesem Sommer über die intensiven, ereignisreichen vergangenen Monate und seine Rolle spricht, zur Herangehensweise bei den Profi-Einheiten. „Ich kann viel von den Spielern lernen.“
St. Pauli-Profis Fujita und Sands sind Schmidts Vorbilder
Schmidt nennt namentlich Joel Chima Fujita und James Sands, zwei Kiezkicker, die wie er selbst defensive Mittelfeldspieler sind und aktuell erfolgreich die Doppelsechs bei den „Boys in Brown“ bilden. Anschauungsunterricht aus nächster Nähe. „Von denen kann ich mir noch viel abgucken und ich bin noch lange nicht da, wo ich sein will.“ Die guten Leistungen bei den Testspielen und mehrmaliges Trainer-Lob sind ihm nicht zu Kopf gestiegen – und Schmidt leitet daraus auch keine Ansprüche ab, was Kadernominierungen oder gar Einsatzminuten bei den Profis angeht, sondern weiß genau, wo er steht, wie weit der Weg und was zu tun ist. Seine Marschroute: „Ich will weiter ehrgeizig und demütig arbeiten und besser werden.“
Dass es nicht immer nur bergauf geht, zeigte das Testspiel der St. Pauli-Profis bei Zweitligist Kiel (1:1) in der Länderspielpause, bei dem der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Schmidt keine überzeugende Leistung abliefern konnte, was Blessin klar benannte. „Ein bisschen wild“ sei der Auftritt von Schmidt und Nebenmann Marwin Schmitz, ebenfalls U23-Spieler, auf der Doppelsechs gewesen. Andererseits sei so etwas für die Entwicklung „lehrreich, weil man ihnen klar aufzeigen kann, woran wir arbeiten müssen“, erklärte der Trainer.
Nick Schmidt unterschreibt Profi-Vertrag bei St. Pauli
Sportchef Bornemann erinnert daran, dass „Schwankungen in der Entwicklungsphase junger Spieler ganz normal“ seien. Es gilt zudem, mit der höheren Aufmerksamkeit und den gestiegenen Erwartungen – auch an sich selbst – umzugehen zu lernen. „Grundsätzlich ist Nick auf einem guten Weg und es ist sehr positiv, mit welcher Einstellung er an die Sache herangeht“, stellt Bornemann heraus.
Der nächste Feiertag nach dem Derby stand bereits fest, ein Meilenstein im zuletzt sehr aufregenden Leben des Nick Schmidt: Am Freitag wurde er 18 Jahre alt. Zur Belohnung gab es seinen ersten Profi-Vertrag.