„Ein starkes Signal“: St. Pauli- und Werder-Trainer äußern sich zu Plakat-Botschaft
Dem Fußball wird gern und oft vorgeworfen, in seiner eigenen Blase immun gegen externe Themen geworden zu sein. Am Sonntagabend trug sich am Millerntor allerdings Gegenteiliges zu, zunächst während des Spiels des FC St. Pauli gegen Werder Bremen auf den Tribünen, später auf der Pressekonferenz.
Es ist mit einem gewissen Wagnis verbunden, Trainern nach einem enorm bedeutsamen sportlichen Ereignis Fragen nach Sachverhalten zu stellen, die mit dem Spiel gar nichts zu tun haben und sich auf Dinge beziehen, die sich auf den Rängen zugetragen haben. Beim Spiel zwischen dem FC St. Pauli und Werder Bremen hatten die befreundeten Fanlager zum Wiederanpfiff eine gemeinsame Choreo gestartet. „19.02. – Hanau“ sowie „Say their names“ (sag ihre Namen) stand in der Heimkurve zu lesen, bei den Gästen waren neun Portraits und der Schriftzug „Zusammen erinnern, gemeinsam kämpfen“ zu lesen.
St. Pauli-Trainer Alex Blessin hat die Plakate nicht sehen können
Wer damit nur rudimentär etwas anfangen kann: Vor sechs Jahren, am 19. Februar 2020, erschoss ein Attentäter in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven. Auf der Pressekonferenz nach dem 2:1-Sieg des FC St. Pauli wurden beide Cheftrainer gefragt, ob sie die Aktion mitbekommen hätten und Gedanken dazu teilen möchten. Es gibt gewiss Kandidaten, die den Fragesteller zurechtgestutzt oder sein Anliegen mit wenigen Vokabeln abgetan hätten. Bei Alexander Blessin und Daniel Thioune war das nach kurzem Nachdenken ganz anders.
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„Ich habe es nicht mitgekriegt, weil ich fokussiert war aufs Spiel“, räumte Blessin ein, um zu ergänzen: „Es ist ein wichtiges Thema, das ist ganz klar. Und es ist wichtig, dass man auf so etwas hinweist.“ Grundsätzlich fände er Fanfreundschaften wie eben die zwischen dem Kiezklub und Werder sehr gut, wusste vom gemeinsamen Fanmarsch vor der Partie. „Umso bitterer ist es, wenn beide Mannschaften dann so mit dem Rücken zur Wand stehen.“
„Daumen hoch“ von Bremens Coach Daniel Thioune
Auch an Daniel Thioune war die Aktion aus nachvollziehbaren Gründen vorbeigegangen. „Aber man kann sich sicher sein, dass es von mir den Daumen hoch gibt, wenn es um gesellschaftspolitische Themen geht, um Werte und Haltung, für die der FC St. Pauli und Werder Bremen stehen.“ Man sei vielleicht in den Farben getrennt, aber in der Sache vereint, „und das finde ich stark. Es ist ein starkes Signal“.
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