„Pimmel“-Plakat: Bayern-Fans mit Kritik und Häme gegen Hamburgs Innensenator Grote
Deutschlandweit machen die Fanszenen mobil, protestieren seit Wochen gegen die geplanten schärferen Sicherheitsmaßnahmen der Politik. An diesem Spieltags-Wochenende sind die Aktionen in den Stadien besonders massiv, denn am Mittwoch beginnt die dreitägige Innenminister-Konferenz (IMK) in Bremen, bei der Maßnahmen verabschiedet werden sollen, die Fans als unverhältnismäßig und als Repressalien kritisieren. Beim Auswärtsspiel des FC St. Pauli bei Bayern München wurde Hamburgs Innensenator Andy Grote hämisch aufs Korn genommen – aber nicht etwa von den Ultras des Kiezklubs.
Zu Beginn der Partie in der mit 75.000 Zuschauenden ausverkauften Allianz Arena hatten Heim- und Gästekurve einträchtig einen lautstarken „Scheiß IMK!“-Wechselgesang angestimmt. Anschließend hatte es bis zur 12. Minute des Spiels, wie schon an den vergangenen Spieltagen, keinen Support, sondern Schweigen als Zeichen des Protests gegen eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen bei Fußballspielen, etwa durch personalisierte Tickets, längere Stadionverbote auch schon im Verdachtsfall, eine zentrale Stadionverbotskommission oder KI-Gesichtserkennung.
Fan-Proteste gegen IMK – Plakat gegen Andy Grote
Im Verlauf des Spiels am Samstag wurden in beiden Kurven unzählige Spruchbänder, Transparente, Banner und Plakate gezeigt, mit denen deutliche Kritik an den befürchteten IMK-Beschlüssen, dem Vorgehen der Politik und auch an involvierten Politikern, wie dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, geäußert wurde.
Außergewöhnlich groß und aufwendig war aber zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Komposition aus Bild und Text, die sich gegen Grote richtete. Eine riesige Karikatur zeigte Hamburgs Senator für Inneres und Sport im grauen Anzug und mit offener Hose, aus der ein überdimensionaler Schlagstock herausragt. Im Hintergrund sind Fußballfans in roter Montur zu sehen, dazu ein behelmter Polizist, der sie mit einer Hand-Kamera filmt sowie weitere Überwachungskameras und ein Zettel, auf dem „Stadionverbot“ steht. Auf einem Spruchband direkt daneben war zu lesen: „Grote schwingt wieder seinen Unverhältnismässigkeitspimmel.“
„Unverhältnismässigkeitspimmel“ und die Vorgeschichte
Bemerkenswert war, dass diese Extra-Choreo nicht etwa im Gästeblock der St. Pauli-Fans zu sehen war, sondern in der Südkurve der Arena, wo Bayerns Ultras stehen, die bekanntlich eine Freundschaft mit den Kiezklub-Ultras pflegen.
Die kritische und hämische Aktion bezieht sich auf einen Eklat im Jahr 2021. Damals war Grote auf Twitter (heute X) von einem Nutzer als „Pimmel“ („Du bist so 1 Pimmel“) bezeichnet worden, woraufhin der SPD-Politiker Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt hatte. Wenig später machte der mutmaßliche Verfasser des Posts publik, dass bei ihm eine polizeiliche Hausdurchsuchung durchgeführt worden sei.
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In Anspielung darauf wurde ein weiteres riesiges Spruchband entrollt, auf dem zu lesen stand: „Die Wahrscheinlichkeit einer Durchsuchung für diese Karikatur liegt bei 0,00438 Prozent – Grote du Pimmel!“ Grote, der St. Pauli-Mitglied ist, gilt vielen Fans als einer der vehementesten Befürworter von härteren Maßnahmen und auch Sanktionen.
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