Göttlich mahnt zur Ruhe bei St. Pauli: „Es muss niemand Feuer geben“
Auch wenn es für beide Mannschaften maximal drei zu gewinnen gibt, ist im Fußball bei wichtigen Partien gern mal die Rede von einem sogenannten Sechs-Punkte-Spiel. Zum Beispiel in Bezug auf das Duell zwischen dem FC St. Pauli und Werder Bremen am Sonntag, gleichwohl es sich um ein Duell des 23. Spieltags handelt und danach noch 33 weitere Zähler vergeben werden. Wie dem auch sei: Die Hamburger gehen mit einem großen Vorteil in die 90 Minuten.
Während es an der Weser seit Wochen und Monaten ziemlich hoch her geht, Trainer Horst Steffen beurlaubt und durch Daniel Thioune ersetzt wurde, herrscht auf dem Kiez noch vergleichsweise Entspannung. „Wir sind nicht hektisch oder aktionistisch, sondern klar und ruhig in der Planung, wie wir den FC St. Pauli aus den Top-25 hinaus entwickeln können“, erklärte Präsident Oke Göttlich im Interview bei „transfermarkt.de“ auf die Frage, was ihm Hoffnung auf den erneuten Klassenerhalt verleihe. Als Team und Verein sei man geschlossen, was schlicht die Grundvoraussetzung sei.
St. Pauli-Boss Oke Göttlich ohne Furcht vor Gegenwind
Es sei auch nicht vonnöten, bei den internen Gesprächen mit Sportchef Andreas Bornemann und Coach Alex Blessin mehr Temperament reinzubringen, ergänzte er. „Es muss niemand richtig Feuer geben. Wir führen vertrauensvolle Gespräche. Alexander Blessin übernimmt Verantwortung, Andreas Bornemann übernimmt Verantwortung und ich übernehme Verantwortung. Wir sind klar in unseren Verantwortlichkeiten und lassen uns nicht ablenken, wenn der Wind mal rauer wird und uns ins Gesicht bläst.“
Man arbeite mit einem Trainer zusammen, „den wir vor drei bis fünf Jahren nie bekommen hätten. Wenn er sagt, wir müssen etwas defensiver stehen und Gegentore verhindern, sind wir nach vorne natürlich etwas weniger kreativ, aber wir halten im Wesentlichen die Null und nehmen mal einen Punkt mit.“ Die Mannschaft erarbeite mit dem Trainer neue Ideen und wolle sich nach vorne entwickeln, was man auch in den letzten Spielen gesehen habe. „Es ist ein Balanceakt in diesem Wettbewerb der wirtschaftlichen Möglichkeiten.“

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Von denen hat man bei Braun-Weiß im Vergleich bekanntlich nur überschaubar viele. Von daher müsse man sich fragen: „Wo kommen wir her und wo wollen wir hin? Und mit welchen Schritten schaffen wir das? Das sind dann im Rahmen unseres Budgets Verpflichtungen wie Tomoya Ando, Joel Chima Fujita oder Mathias Rasmussen, die sich mit uns zeigen und die nächsten Schritte gehen wollen.“
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Kostenintensivere Zugänge machen aus Göttlichs Warte nur sehr eingeschränkt Sinn. „Wenn wir sehen, wie viel Geld wir brauchen, um sicher in der Liga zu bleiben, dann reden wir nicht von zwei oder drei Millionen, auch nicht von fünf, sondern von 15 oder 20 Millionen Euro“, erklärte er. Dieses Risiko müsse man in den Gesprächen abwägen. „Bringt ein Leistungsträger beim FCSP die große Ambition mit, um alles dafür zu tun, um in dieser Liga zu bleiben? Passt er in das Mannschafts- und Gehaltsgefüge oder zerreißt es das Zusammengehörigkeitsgefühl?“ Darauf müsse man sehr genau achten. „Wir glauben: 65 Prozent kommen über die wirtschaftlichen Voraussetzungen, 35 Prozent über Geschlossenheit und Zusammengehörigkeit. Diese 35 Prozent können wir beeinflussen.“
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