Nur ein Stadtteilverein? Hier liegt St. Pauli schon vor dem HSV
Wir reden hier nicht über Fans oder Politik, nicht über Umschaltmomente oder Halbfeldflanken und schon gar nicht über Athen 1983. Der HSV hat mehr Mitglieder und Erfolge, der FC St. Pauli ist aktuell ein Jahr länger in der Bundesliga – wie soll man die beiden Vereine vergleichen? Die MOPO hat es gewagt und nennt mit einem Augenzwinkern elf Punkte, in denen St. Pauli dem HSV etwas voraus hat.
Bierpreise: St. Pauli-Fans können den halben Liter am Freitagabend für fünf Euro genießen, vor sechs Tagen am Millerntor mussten sie noch 5,50 Euro berappen. Dennoch unwahrscheinlich, dass es zu einem dauerhaften Biertourismus des braun-weißen Anhangs gen Volkspark kommen wird.
Supercomputer traut FC St. Pauli den Klassenerhalt zu
Computerliebe: Die Statistik-Experten von Opta fütterten ihren Superrechner mit allerlei Daten, um eine Saisonprognose zu erstellen. Danach erreicht St. Pauli den rettenden Platz 15, der HSV landet als 16. mal wieder in der Relegation. Beiden Klubs gab das Elektronenhirn aber gleichzeitig eine rund 60-prozentige Rettungschance.
Diverse Kontrolle: Vier von sieben St. Pauli-Aufsichtsräten sind Rätinnen, Kathrin Deumelandt übernahm im November 2024 den Vorsitz von Sandra Schwedler. Beim HSV sitzt Lena Schrum als einzige Frau im ebenfalls siebenköpfigen Kontrollgremium.
Einflusszonen: St. Paulis Präsident Oke Göttlich sitzt seit 2019 im Präsidium der Deutschen Fußball-Liga. HSV-Finanzchef Eric Huwer kandidiert im September um einen Platz im DFL-Aufsichtsrat.
St. Pauli-Keeper Vasilj ist das Maß aller Dinge bei Elfmetern
Elferübung: Sollte es im Volkspark einen Strafstoß geben – die St. Paulianer haben in dieser Saison bereits reichlich Erfahrung vom Punkt. Hauke Wahl und Joel Fujita verschossen allerdings im Pokal gegen Norderstedt. Danel Sinani traf sowohl im Pokal als auch in der Bundesliga gegen Dortmund – und Torwart Nikola Vasilj konnte in vier von sechs gegnerischen Versuchen nicht bezwungen werden.
Fernsehknete: St. Pauli erhält mit 32,7 Millionen Euro etwas mehr TV-Gelder als der Aufsteiger HSV (31,4 Millionen). Zur Einordnung: Für die Differenz von 1,3 Millionen Euro kaufte sich Neymar neulich ein Batmobil. Im Vergleich zur Konkurrenz sind beide Vereine arme Schlucker: Alle anderen 16 Klubs kassieren mehr als das Hamburger Duo.
Handicaperfolge: In beiden Vereinen kicken Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sehr erfolgreich. Als Deutscher Meister im Blindenfußball steht St. Pauli im Vergleich etwas besser da als der HSV, dessen Amputiertenfußballer in der vorigen Saison immerhin deutscher Vizemeister wurden.
FC St. Pauli spielt verschiedene Hymnen am Millerntor
Hymnenvielfalt: Während beim HSV konsequent Lieder von „Abschlach!“ laufen, spielt der Kiezklub seine bisherige Hymne „Das Herz von St. Pauli“ wegen der NS-Vergangenheit von Texter Josef Ollig nicht mehr – sondern zu jedem Spiel etwas Neues. In dieser Saison sang Rihanna am Millerntor bereits von Diamanten und Sternschnuppen, während Thees Uhlmann in seinem Song „Das hier ist Fußball“ lakonisch feststellte: „Meine Schulter ist nass durch des Nebenmanns Tränen.“
Nostalgie: Das letzte Bundesliga-Derby gewann St. Pauli im Volksparkstadion mit 1:0. Am 16. Februar 2011 köpfte Gerald Asamoah in der 59. Minute zum 1:0-Sieg ein. Zum Klassenerhalt reichte es trotzdem nicht, weswegen es erst vierzehneinhalb Jahre später zu einer erstklassigen Neuauflage kommt.
Ovale Pille: Die HSV-Rugbysparte ist die älteste in Hamburg, sie feiert in diesem Jahr 100. Geburtstag. Sportlich hat St. Pauli als deutscher Vizemeister von 1964 und langjähriges Bundesliga-Mitglied beim älteren Bruder aber klar das Rugby-Ei vorn.
Weltmeisterschaftsfeiern: Im Volkspark produzierten die Megastars Cristiano Ronaldo und Kylian Mbappé 2024 beim öden EM-Viertelfinale zwischen Portugal und Frankreich zweieinhalb Stunden gepflegte Langeweile. Am Millerntor wurde dagegen 2006 sogar ein Weltmeister gekürt: Nordzypern gewann das Endspiel der Nicht-FIFA-Mitglieder um den „FIFI Cup“ damals im Elfmeterschießen gegen Sansibar.