„Nicht so schlecht“ oder „herausragend“? Was Jones bei St. Pauli besser machen muss
Es war eine Premiere. Eine, auf die sich aufbauen lässt – und auf die auch aufgebaut werden muss. Im ersten Spiel des neuen Jahres hat Ricky-Jade Jones für den FC St. Pauli erstmals von Beginn an gespielt und bei der unglücklichen 1:2-Niederlage in Wolfsburg genau so lange auf dem Platz gestanden, wie bei seinen vorangangenen drei Einsätzen im Trikot der Kiezkicker zusammen. Es war nicht erfolgreich, aber ermutigend. Wird der blitzschnelle Stürmer im neuen Jahr endlich zum erhofften Faktor, zu einem „Game Changer“ im Klassenkampf? St. Pauli hat keine Zeit zu verlieren, braucht Punkte, Siege – und dafür Tore.
Ein großes Lob klingt anders als das, was Trainer Alexander Blessin zunächst zum Startelfdebüt des Engländers sagte. „Ich finde, er hat es nicht so schlecht gemacht“, meinte der Coach zu den 68 Minuten, die Jones bis zu seiner Auswechslung gegen den wiedergenesenen Martijn Kaars absolviert hatte. Man könne „wieder sagen, ein paar Laufwege kann er besser machen, aber da findet er auch in die Rolle rein.“ Schritt für Schritt.
Ricky-Jade Jones verpasst gegen Wolfsburg zweites Tor
Vor allem hätte Jones im vierten Spiel für St. Pauli sein zweites Tor erzielen können, doch er war in der 35. Spielminute bei seiner Doppelchance zunächst am starken VfL-Keeper Grabara gescheitert und hatte den Nachschuss am Tor vorbeigesetzt. Aber grundsätzlich war Blessin einverstanden mit dem Auftritt des Angreifers, der aktuell von der Verletzungspause von Andréas Hountondji profitiert und diese Chance nutzen will.
Jones hatte gegen Wolfsburg in der ersten Halbzeit für Bewegung und Belebung in der Offensive gesorgt, immer wieder direkte Duelle gesucht und dank seiner Schnelligkeit – mit gemessenen 34,76 Km/h war er der schnellste Sprinter der Partie – und auch physischen Stärke gewonnen. Jones scheut keine Zweikämpfe und haut sich voll rein, auch im Spiel gegen den Ball.
Alexander Blessin nennt Jones‘ Qualitäten „herausragend“
Was der Sommerzugang vom englischen Drittligisten Peterborough United, der weite Teile der Hinrunde aufgrund einer schweren Schulterverletzung verpasst hatte, draufhat, bringt er mehr und mehr auf den Platz. „Man sieht dann schon mit seiner Geschwindigkeit, dass er da im Eins-gegen-Eins schon auch eine Qualität hat, die herausragend ist“, stellt Blessin die Fähigkeiten von Jones heraus, aufgrund dieser der Kiezklub ihn verpflichtet hat – in der Hoffnung, dass der Rechtsfuß damit auch auf Bundesliganiveau konstant mithalten und sogar einen Unterschied machen kann.
Qualität und Fähigkeiten sind das eine, Leistung ist das andere. Um auch in einem ganzen Spiel „herausragend“ zu sein, müssen besagte und von Blessin gelobte Fähigkeiten besser, häufiger, zielgerichteter und erfolgreicher zu sehen sein. „Die kann man noch ein bisschen mehr einsetzen“, betont der Trainer, „auch in der Fortführung, wenn er dann in der Box ist und sich vielleicht im Eins-gegen-Eins ein bisschen mehr zutrauen und den Abschluss suchen kann.“
Was Jones noch besser machen kann und muss
Jones steht noch am Anfang, das darf nicht vergessen werden. Für ihn persönlich ist das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr), zugleich der Rückrundenauftakt, wie der 5. Spieltag der Saison. Er braucht noch Zeit, die St. Pauli wiederum nicht hat und auf entscheidende Aktionen des Stürmers hofft – wie bei seinem Traumdebüt am 6. Dezember beim Auswärtsspiel in Köln, als der 1,83-Meter-Mann in der 68. Minute eingewechselt worden war und in der letzten Minute der Nachspielzeit mit einem spektakulären Kopfball den 1:1-Ausgleich erzielt hatte, den er mit einem besonderen Schlangen-Geste, einem „Kobra-Jubel“, gefeiert hatte.
Bislang stehen vier Einsätze für Jones zu Buche mit insgesamt 136 Spielminuten. Ein Tor hat er erzielt, dreimal aufs Tor geschossen, 40 Sprints angezogen (Höchstgeschwindigkeit bislang 35,18 km/h) und 125 intensive Läufe verbucht. Seine Passquote von 54 Prozent (12/22) ist ausbaufähig.
Blessin sieht bei der Sturm-Rakete noch „Luft nach oben“
Was Jones bei seinen Einsätzen gezeigt habe, das Testspiel gegen Werder Bremen inklusive, „hat sich schon gut ansehen lassen“, urteilt Blessin. „Aber natürlich ist da noch ein bisschen Luft nach oben und da müssen wir weiter dran arbeiten“, fordert der Coach vom fleißigen Offensivmann, der auch gegen den Ball die Vorgaben mit viel Einsatz erfüllt. „Die Schritte, die er jetzt gemacht hat nach dieser langen Verletzung, die gehen in die richtige Richtung. Von daher bin ich da guter Dinge.“
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