„Nicht sicher …“: St. Pauli-Stürmer Hountondji über sein Tor und seine Verletzung
Es war ein Tag der Extreme für Andreas Hountondji. Euphorie und Schock innerhalb kürzester Zeit. Dem Jubel und der Erlösung nach seinem frühen Führungstreffer für den FC St. Pauli gegen den FC Bayern, mit dem er seine Durststrecke beendete, folgte fast auf dem Fuße der Schreck der Verletzung und es bleibt die bange Frage, wie schlimm es den Stürmer erwischt hat. Ein Ausfall wäre ein schwerer Rückschlag für die Kiezkicker, die nach nunmehr neun Niederlagen in Serie um die Wende kämpfe. Das Spiel in München zeigte einmal mehr: Das Tempo und die Wucht eines fitten Hountondji sind nicht zu ersetzen.
Das persönliche Erfolgserlebnis konnte seine Stimmung nicht heben. Nicht einmal ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht des Nationalspielers des Benin, als es um sein Tor ging, Saisontreffer Nummer vier nach zuvor acht Ligaspielen ohne Torerfolg, und die Frage, ob ihm das Erfolgserlebnis Auftrieb geben werde.
Andréas Hountondji beendet seine Torlos-Serie
„Ich denke nicht zu viel darüber nach“, sagte der 1,90-Meter-Mann nach der bitteren 1:3 (1:1)-Niederlage in München mit leiser Stimme, nachdem er in die Mixed Zone der Allianz Arena gekommen war. „Natürlich sind Tore wichtig für einen Stürmer. Aber das Team hat Priorität.“
Auftrieb und neues Selbstvertrauen können die Kiezkicker und auch Hountondji (MOPO-Note 2) gut gebrauchen, dem Letzteres in den vergangenen Wochen wie vielen seiner Teamkollegen abhandengekommen war, was er nicht vollumfänglich bestätigten wollte, aber „vielleicht“ den Tatsachen entspreche, wie er zögernd einräumte.
Fakt ist: nach seinem furiosen Saisonstart mit jeweils einem Tor in den ersten drei Spielen gegen Dortmund (3:3), den HSV (2:0) und Augsburg (2:1) hat der 23-Jährige nicht mehr getroffen und es ist kein Zufall, dass St. Pauli seitdem auch nicht mehr gepunktet hat.
„Hervorragend gut“: Trainer Blessin lobt Hountondji
Auf der großen Münchner Bühne vor 75.000 Zuschauenden hatte er gezeigt, was ihn stark und für St. Pauli so wertvoll macht. Mit einem unwiderstehlichen Antritt hatte Hountondji schon in der 6. Minute nach Traumpass von Mathias Pereira Lage seinen Gegenspieler Min-Jae Kim umkurvt und mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck auch Manuel Neuer alt aussehen lassen. Ein Traumstart für den Außenseiter.
Trainer Alexander Blessin hatte eine Vorahnung gehabt, dass Hountondji ausgerechnet gegen Bayern ein Tor gelingen könnte, wie er nach dem Ende der offiziellen Pressekonferenz im kleinen Kreis verriet. „Ich wusste, dass da was schlummert“, sagte der Coach mit einem Schmunzeln. „Es hat mich gefreut, wie er sich präsentiert und bewegt hat in den ersten Minuten. Das hat einfach gutgetan, mit seiner Geschwindigkeit, mit seinem Körper und wie er sich durchsetzt gegen Kim, der ja auch kein Nullachtfuffzehn-Verteidiger ist. Das hat er hervorragend gut gemacht.“
Bitter: Kurz nach dem Tor muss der Schütze verletzt raus
Auch die Mitspieler fanden in der Enttäuschung über die Niederlage mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit noch lobende Worte für den Torschützen. „Unfassbar gut“ habe es Hountondji beim Tor gemacht, urteilte Abwehrroutinier Hauke Wahl und James Sands sagte: „Ich glaube, das Tor wird ihm sehr helfen. Er arbeitet jeden Tag im Training so hart und das sollte jetzt sein Boost sein. Andréas bringt definitiv ein anderes Element rein und es war schwierig, als er ausgewechselt wurde.“
Es war verdammt bitter für Hountondji selbst und auch für St. Pauli, dass der starke, erfolgreiche und ermutigende Auftritt des Kraftpakets schon wenige Minuten nach seinem Treffer beendet war. Bereits in der 18. Spielminute hatte der Leihspieler von Premier-League-Klub FC Burnley nach zuvor langer Behandlung ausgewechselt werden müssen, weil der hintere Oberschenkelmuskel mächtig Probleme machte.
MRT gibt Aufschluss über die Verletzung von Hountondji
Die bange Frage: Wie schlimm hat es ihn erwischt?
„Ich bin nicht sicher, ob es was Schlimmes ist“, sagte Hountondji, der sich am Sonntag eingehenderen Untersuchungen unterziehen wird. „Es fühlt sich nicht wie eine große Sache an.“ Das muss aber nichts heißen. Die Diagnose steht noch aus. Es könnte eine Muskelverhärtung sein, eine Zerrung oder aber ein Muskelfaserriss. Je nach Schwere der Verletzung droht eine mehrwöchige Pause.
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Der Pechvogel gab sich dennoch zunächst „vorsichtig optimistisch“ für die kommenden Spiele, wenngleich das Pokal-Achtelfinale am Dienstag in Mönchengladbach (18 Uhr/Liveticker bei mopo.de) selbst im Falle einer Entwarnung zu früh kommt und ein Einsatz ein zu großes Risiko darstellt. Im besten Fall könnte es für das Auswärtsspiel in der Liga in Köln am Samstag reichen.
Blessin hofft, dass der Stürmer nicht länger ausfällt
Trainer Blessin will die MRT-Untersuchung abwarten und deshalb weder Zuversicht noch Skepsis äußern. „Ich hoffe, dass er nicht länger ausfällt und es nichts Größeres ist. Jedes Tor tut gut fürs Selbstbewusstsein und es wäre schade, wenn er jetzt ausfallen würde.“ Die Bezeichnung „schade“ ist eine Untertreibung, aber die ersten drei Buchstaben passen: Es wäre schlicht und ergreifend „sch…“ für St. Pauli in der aktuell prekären Lage.
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Wahl hofft, dass es „nicht so schlimm ist“ und Hountondji schnell wieder auf dem Platz stehen kann. Sands weiß um den Wert des wuchtigen Offensivmannes. „Wenn wir ihn in Top-Form zum Toreschießen haben, dann sind wir, davon bin ich überzeugt, wieder auf der richtigen Bahn.“ Ohne einen fitten und selbstbewussten Hountondji wird es jedoch ungleich schwerer, wieder in die Spur zu kommen.