„Nicht rumhampeln“: Wie St. Pauli im Psycho-Spiel gegen Köln die Nerven behalten will
Heißes Herz und kühler Kopf. Es gilt, die richtige Mischung zwischen Motivation und Konzentration, Anspannung, Fokussierung und der nötigen Portion Lockerheit zu finden. Fast immer leichter gesagt, als getan – insbesondere in der heißen Phase der Saison, prekärer Lage und unter Druck. Der ist groß vor dem Heimspiel des FC St. Pauli gegen den 1. FC Köln am Freitagabend am Millerntor (20.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de). Wie haben die Kiezkicker die 0:5-Heimklatsche gegen Bayern München vor einer Woche wirklich weggesteckt? Halten sie dem Druck, punkten zu müssen, stand? Hat der Trainer seine Emotionen tatsächlich im Griff?
An Motivation mangeld es nicht, weder bei den Spielern, noch beim Chefcoach, der sich auch in der entscheidenden Phase des Klassenkampfes, der sogenannten Crunch Time, auf die so wichtigen Aufgaben seiner Mannschaft freut, die bei aller Bedeutung und Aufladung eines bleiben: Fußballspiele.
Alexander Blessin ist „ziemlich heiß“
„Ich bin generell immer ziemlich heiß“, sagt Alexander Blessin vor dem fünftletzten Spiel der regulären Saison auf seine Stimmungslage angesprochen und grinst. Der Coach möchte positive Energie und Zuversicht versprühen. In dieser Phase der Saison hat mitunter jedes Wort, jede Geste, jeder Gesichtsausdruck Signalwirkung.
Die mentale Verfassung im Abstiegskampf, der Umgang mit Druck, Erwartungen, Widrigkeiten und möglichen Rückschlägen, ist entscheidend. Diesbezüglich hatten die Kiezkicker in der vergangenen Saison eine hohe Resilienz bewiesen und diese auch in vielen Phasen der aktuellen Spielzeit gezeigt.
St. Pauli hat im Endspurt „alles noch in der eigenen Hand“
„Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren. Wir sind uns der Situation absolut bewusst. Es ist uns hier beim FC St. Pauli von Anfang an klar gewesen, was uns erwartet“, betont Blessin und meint, dass die Tabellenkeller nichts Neues oder Ungewohntes für seine Mannschaft ist. „Wir haben alles noch in der eigenen Hand.“
Auf die richtige Mischung kommt es jetzt an. Auf dem Rasen, aber auch in den Köpfen. „Eine gewisse Lockerheit gepaart mit einer klaren Marschrichtung ist extrem wichtig“ betont der 52-Jährige. „Lockerheit ist wichtig, denn alles, was Druck auslöst, hemmt. Wir wissen aber auch, dass Druck immer da ist. Wir müssen es in einer gewissen Balance händeln und kanalisieren. Es wäre nicht gut für die Mannschaft, wenn ich nervös rumhampeln würde. Es ist wichtig, Ruhe auszustrahlen.“
Blessin muss aufpassen: Bei einer Gelben Karte gesperrt
Eine gewisse Ruhe muss Blessin an der Seitenlinie auch aus einem anderen Grund bewahren. Er hat im Saisonverlauf bereits drei Gelbe Karten gesehen, zuletzt bei der 1:2-Niederlage gegen den SC Freiburg Ende März nebst Schiedsrichter-Kritik und späterer Geldstrafe. Bei einer vierten Gelben Karte wäre der Trainer für ein Spiel gesperrt. Einen solchen Ausfall kann sich St. Pauli im Endspurt nicht erlauben. Blessin hat sich fest vorgenommen, die Emotionen möglichst im Zaum und auf jeden Fall im Rahmen zu halten.
Erfolgreiches Handeln setzt in der Regel positives Denken, Überzeugung und Selbstvertrauen voraus. Blessin: „Bei allen Aufgaben, die vor uns liegen, müssen wir uns unserer Klasse und Stärke bewusst sein, um unsere Ziele umzusetzen.“
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