Nach Verletzungs-Schock: Ex-St. Pauli-Star Paqarada kehrt ans Millerntor zurück
Ein Schmerz, ein Schrei – dann war alles vorbei. Der Start beim neuen Verein, die Saison. Brutal beendet, ehe es überhaupt richtig begonnen hatte. Der Weg zurück ist lang und hart für Leart Paqarada, aber die jüngsten Fortschritte führen ihn an seine alte Wirkungsstätte: das Millerntor. In der MOPO spricht der 31-Jährige exklusiv über sein Verletzungs-Drama beim Heidenheim-Debüt, das heiße Duell der beiden Keller-Klubs und die Konkurrenzsituation im Klassenkampf. Und er verrät, wie sein Verhältnis zum Kiezklub nach seinem Abgang wirklich ist.
Zeit ist nicht das Problem. Er hat mehr davon, als ihm lieb ist, und zwischen seiner Reha-Einheit am Vormittag und der Rückkehr der Kinder aus der Kita reichlich davon eingeplant für das Telefonat mit der MOPO. Es ist nicht selbstverständlich im Profi-Fußball, dass ein Spieler in einer Verletzungspause ein Interview gibt, sondern selten. Aber Paqarada hat Lust darauf, das spürt man sofort.
Leart Paqarada wird beim St. Pauli-Spiel am Millerntor sein
Es gibt einen besonderen Anlass, der bevorsteht, eine Art Comeback. Wenn der FC St. Pauli am Samstag den 1. FC Heidenheim zum Keller-Kampf empfängt, wird Paqarada nicht mittendrin, aber immerhin dabei sein. Auf der Tribüne. Es ist erst sein dritter Stadionbesuch seit der Horror-Verletzung.
„Ich freue mich sehr darauf – auf das Stadion, die Fans und das Wiedersehen mit einigen Jungs von St. Pauli, auch wenn es sportlich natürlich Nervenkitzel sein wird“, sagt der Verteidiger, der das Spiel mit zweien seiner besten Freunden besucht. In die Vorfreude mischt sich Bedauern: „Leider kann ich nur als Fan dabei sein.“
Der Millerntor-Trip zeigt die Fortschritte, die er gemacht hat in jüngster Zeit. „Es geht voran“, berichtet er. „Ich war drei Monate raus und komme gerade erst wieder in den Alltag rein, kann seit einer Woche uneingeschränkt Treppen gehen und mich auch außerhalb der eigenen vier Wände normal bewegen. Ich fühle mich langsam wieder frei.“
Paqarada verletzte sich im ersten Spiel für Heidenheim
Die Verletzung – ein echter Schock. Am Ende der Sommer-Transferperiode war Paqarada vom Aufsteiger 1. FC Köln nach Heidenheim gewechselt und hatte im ersten Einsatz für seinen neuen Klub am 3. Spieltag gegen Dortmund in der 5. Minute einen Kreuzbandriss im linken Knie erlitten. OP, monatelange Pause, wahrscheinlich Saisonaus. Maximal bitter.
„Am Anfang hatte ich echt zu kämpfen“, erzählt Paqarada. „Das war und ist Neuland für mich, denn ich bin vorher von großen Verletzungen verschont geblieben.“ Was hängengeblieben ist: „Es war ein brutales Gefühl, an sich herunterzuschauen und der Oberschenkel ist so dünn wie die Wade.“
Einen Comeback-Plan „gibt es nicht“, betont der Nationalspieler des Kosovo. „Mein Körper wird mir sagen, wann ich wieder so weit bin. Wenn ich pünktlich zum Start der Vorbereitung der nächsten Saison mit meiner Mannschaft topfit auf dem Platz stehe, bin ich happy.“ Heimliche Hoffnung: eine WM-Teilnahme, sollte sich der Kosovo in den Playoffs durchsetzen. Aber das sei „eher eine Wunschvorstellung“.
Paqarada drückt Heidenheim gegen St. Pauli die Daumen
Was das Keller-Duell am Samstag angeht, wünscht er sich einen Sieg der Gastmannschaft. „Es schlägt auch ein braun-weißes Herz in meiner Brust, aber in diesem Spiel drücke ich beide Daumen für meinen Klub, das wird jeder verstehen“, stellt Paqarada klar. „Es ist für beide Mannschaften und Vereine ein ganz wichtiges Spiel, das weiß jeder.“
Eine Verbindung zum Kiezklub, den der offensivstarke Abwehrspieler im Sommer 2023 nach drei Jahren und 102 Spielen (sieben Tore, 26 Assists) in Richtung Köln verlassen hatte, besteht noch heute. „Ich verfolge jedes Spiel, wirklich jedes“, verrät Paqarada sogar. „Wenn Heidenheim und St. Pauli parallel spielen, dann schaue ich meinen Verein auf dem Fernseher und habe auf dem Tablet St. Pauli an. Ich kenne ja noch einige Jungs und habe auch immer wieder Kontakt mit Andreas Bornemann.“
Atmosphärische Störungen im Zuge seines Abgangs, von denen die Rede war, können weder er noch der Sportchef bestätigen. Beide Seiten sprechen von einem offenen, respektvollen Umgang. Paqarada resümiert: „Es gibt nicht viele Dinge, denen ich in meinem Leben nachtrauere, aber die Zeit bei St. Pauli wird unvergesslich bleiben. Die Wertschätzung und auch die Zuneigung, die ich dort erfahren habe, waren schon sehr besonders.“
In Köln erlebte Leart Paqarada nicht nur gute Zeiten
Die zwei Jahre in Köln seien „ein ziemliches Kontrastprogramm“ gewesen. „Ich hatte beim FC gute und schlechte Zeiten. Es ist ein sehr emotionaler Verein, wo die Begeisterung schnell ins Gegenteil kippen kann, wenn es sportlich nicht so läuft. Es gibt nur Top oder Flop.“ Im Sommer entschied er sich für „Stopp!“ und das nächste Kontrastprogramm: Heidenheim. „Ich hatte gute Gespräche mit den Verantwortlichen und mir ist viel Wertschätzung entgegengebracht worden – mehr als in den zwei Jahren zuvor. Das hat mich schnell überzeugt.“
So richtig angekommen ist er bei seinem neuen Klub noch nicht, was „bitter“ sei, wie Paqarada sagt: „Wenn es hochkommt, habe ich zehn Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert.“ Der geplante Umzug liegt seit der Verletzung auf Eis. Paqarada wohnt nach wie vor in Köln, absolviert seine Reha in Abstimmung mit dem FCH in der Einrichtung von Bayer Leverkusen. Aber jetzt, wo er wieder mobiler ist, will er häufiger beim Training in Heidenheim vorbeischauen, „um die Jungs richtig kennenzulernen“.
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Bis auf Weiteres ist er Fan seines neuen Klubs, aber beim nächsten Millerntor-Besuch will Paqarada nicht mehr auf der Tribüne sitzen, sondern auf dem Rasen schwitzen. In einem Bundesliga-Duell, klar: „Ich hoffe nicht nur, dass beide Vereine den Klassenerhalt schaffen – ich glaube fest daran!“