St. Pauli-Stürmer Abdoulie Ceesay klatscht nach seinem Tor gegen Mainz mit Vorlagengeber Martijn Kaars ab

Erfolgserlebnis: Stürmer Abdoulie Ceesay (r.) klatschte nach seinem ersten Tor für St. Pauli mit Vorlagengeber Martijn Kaars ab. Foto: imago/Oliver Ruhnke

„Nach mir die Sintflut“: Ist der wilde Ceesay jetzt St. Paulis beste Sturm-Lösung?

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Es war ein kleiner Lichtblick im allgemeinen Dunkel. Ein persönliches Erfolgserlebnis. Überfällig in jeder Hinsicht. Wenn die deprimierende Heimniederlage des FC St. Pauli gegen Mainz 05 überhaupt so etwas wie einen individuellen Gewinner hervorgebracht hat, dann heißt er Abdoulie Ceesay. Den Kiezkickern hat sein Tor erst einmal nichts gebracht, aber es war eine persönliche Erlösung, die ihm einen Schub geben könnte. Hat sich der immer einsatzfreudige, aber oft ungestüme Stürmer in die Startelf geschossen? Ist Ceesay nun eine Lösung oder verkompliziert sein Erfolgserlebnis das große Problem? Wie der Trainer darüber denkt.

Schwer atmend stand Ceesay nach der 1:2-Niederlage und dem achten sieglosen Spiel in Serie in der Interview-Zone des Millerntorstadions, der Schweiß lief ihm über die Stirn sowie den nackten Oberkörper – und er hatte Mühe, seine Gefühle zu sortieren, was gar nicht so einfach war.

Abdoulie Ceesay „glücklich“ über erstes Tor für St. Pauli

„Ich bin glücklich über das Tor“, sagte der Angreifer aus Gambia, aber Freude war in seinem ernsten Gesicht nicht abzulesen. „Das ist ein Moment, für den ich lange gearbeitet habe, seit ich hier bin. Das fühlt sich gut für mich an. Aber am Ende haben wir die drei Punkte nicht geholt.“

St. Pauli-Angreifer Abdoulie Ceesay im Duell mit Mainz-Verteidiger Kacper Potulski WITTERS
Abdoulie Ceesay im Duell mit Mainz-Verteidiger Kacper Potulski
St. Pauli-Angreifer Abdoulie Ceesay im Duell mit Mainz-Verteidiger Kacper Potulski

Im 18. Einsatz dieser Spielzeit und dem saisonübergreifend 25. Spiel für St. Pauli hat Ceesay endlich sein erstes Tor erzielt – zugleich das erste der Kiezkicker aus dem Spiel heraus nach mehr als elf Stunden. „Es kann mir für mein Selbstvertrauen helfen und dabei, zu 100 Prozent dahin zurückzukommen, wo ich war, bevor ich hierherkam“, sagte der 22-Jährige über seinen von Martijn Kaars stark aufgelegten Treffer, bei dem Ceesay den Ball durch die Beine von Mainz-Keeper Daniel Batz gespitzelt hatte. „Das Tor ist wichtig für mich.“

Bei seiner ersten Chance brachte Ceesay die Fans in Rage

Der Treffer war aber auch innerhalb des Spiels ein Happy End gewesen für Ceesay, der rund zehn Minuten nach seiner Einwechslung (65.) mit einer kläglich vergebenen Konterchance, bei der er nicht selbst den Abschluss suchte, sondern einen lausigen und nur schwer zu kontrollierenden Pass auf den mitgelaufenen Kaars spielte, das Publikum wahlweise auf die Palme oder zur Verzweiflung gebracht hatte.


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„Ich hätte schießen können, habe aber meinen Teamkollegen gesehen. Er war frei, deshalb habe ich mich entschieden, zu ihm zu spielen“, erklärte Ceesay seinen Entschluss, der nachvollziehbar war, aber an der Umsetzung krankte, da sein Zuspiel für Kaars nur mit Mühe zu verarbeiten war. „Er hat vergeben, aber wir haben uns auf die nächste Situation konzentriert. Das ist das Wichtige.“

Kapitän Jackson Irvine: Tor-Premiere ist gut für Ceesay

Jein. Es ist durchaus ein Unterschied, ob St. Pauli den Anschlusstreffer in der 74. Minute erzielt hätte oder, wie geschehen, in der 87. Minute. Hätten Ceesay oder Kaars die erste Riesenchance genutzt, wären den Kiezkickern noch 20 Minuten für einen Ausgleich geblieben. Immerhin hat St. Pauli überhaupt noch ein Tor geschossen. Oder wie Kapitän Jackson Irvine hervorhob: Die Mannschaft habe es „geschafft, dass Ceesay sein erstes Tor geschossen hat. Das ist gut für ihn“.

Die große Frage ist jetzt, ob sich Ceesay mit seiner Premieren-Bude für einen Platz in der Startelf empfohlen hat, da Andréas Hountondji wirkungslos geblieben war, es in zu vielen Zweikämpfen an der nötigen Robustheit fehlen lassen und wie so oft beim Nachjagen hoher Bälle viel Kraft gelassen und Spritzigkeit verloren hatte.

Alexander Blessin über die Startelf-Chancen von Ceesay

„Nach diesen Niederlagen muss man auch darüber nachdenken“, räumte Trainer Alexander Blessin ein. „Vielleicht tut uns das auch gut – nach mir die Sintflut. Er spielt ja so. Egal, was kommt, er jagt jeden Ball“, beschrieb der Coach Ceesays stets einsatzfreudigen, unkonventionellen, ungestümen und auch manchmal unstrukturierten Stil, mit dem er in der gegnerischen Abwehr für Chaos sorgen kann, aber eben auch die eigene Mannschaft in Atem hält und Mitspieler in die Bredouille bringt.

Deshalb schränkte Blessin zugleich ein: „Er ist extrem wild und hält die Position nicht.“ Das sei „nichts Negatives“, wenn man Ceesay als Joker bringt und sich einen Effekt wünscht. „Das tut in dem Moment gut.“ Aber: „Ob das so gut ist, wenn man ihn von Anfang an bringt, weiß ich nicht. Er hat auch mit seiner Wildheit Ballverluste, die wehtun.“ Eigentlich ein verklausuliertes Nein.

Was gegen RB Leipzig für eine erneute Joker-Rolle spricht

Vieles spricht dafür, dass Ceesay Joker bleibt, denn bei der Arbeit gegen den Ball und dem Einhalten von Laufwegen im Angriffspressing und dem Besetzen von Räumen gehen Hountondji und Kaars methodischer und disziplinierter zu Werke. Gerade gegen eine Mannschaft wie RB Leipzig, eines der besten Teams der Liga im Umschalt- und Konterspiel, könnte Ceesays oftmals zu aggressives und isoliertes Anlaufen des ballführenden Gegenspielers nach hinten losgehen. Deshalb gibt Blessin zu bedenken: „Wenn wir in Richtung Leipzig gucken: Die können dir richtig wehtun, wenn du aus der Formation ausbrichst und du ihnen Räume gibst.“

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Einfache Lösungen nach dem Motto „Wer trifft, der spielt von Anfang an“ gibt es nicht. Es ist und bleibt verdammt kompliziert im Sturm des FC St. Pauli.

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